Hippie, Vampir, Pirat

Die Top-Karnevalskostüme

Ob knallgrüner Frosch oder grellgelber Vogel: Der Fantasie sind bei der Gestaltung des Karnevalskostüms keine Grenzen gesetzt. (Archivbild vom 24.2.2009)

Ob knallgrüner Frosch oder grellgelber Vogel: Der Fantasie sind bei der Gestaltung des Karnevalskostüms keine Grenzen gesetzt. (Archivbild vom 24.2.2009)

KÖLN. Künstliche Zähne, eine Augenklappe und eine Blume im Haar - das sind die Accessoires für die Top-Kostüme der diesjährigen Karnevalssession.

Künstliche Zähne, eine Augenklappe und eine Blume im Haar - das sind die Accessoires für die Top-Kostüme der diesjährigen Karnevalssession. Denn wer im Trend liegen will, verkleidet sich als Pirat, blutrünstiger Vampir oder lebenslustiger Hippie. Vor allem zeigt sich, dass viele der Kostüme leicht zusammenzustellen sind. Auf aufwendige Schminke wird eher verzichtet.

Große Sonnenbrille, Schlaghose, buntes Hemd und Woll- oder Lederweste, vielleicht noch eine Perücke mit langen Haaren - schon ist der Hippie aus der Flower-Power-Zeit der 60er und 70er Jahre auferstanden. "Das war halt eine tolle Zeit", begründet Bernd Schneider vom Kaufhaus "Karnevalswierts" in Köln die Wahl des Kostüms.

Michaela Benner von der Karnevalsmesse "Interkarneval" in Köln ist sich sicher, dass sich zur Karnevalszeit auch wieder viele Vampire auf den Straßen herumtreiben werden. "Die sind groß im Kommen - dafür haben Kino und Fernsehen gesorgt", sagt sie. Es muss jedoch nicht gleich ein Grusel-Blutsauger mit blutgetränkten, künstlichen Zähnen sein, sagt Benner: "Es gibt ja nicht nur die grausigen Vampire, sondern auch ganz nette Gestalten dieser Art."

Auch das dritte Trendkostüm, der Pirat, ist von aktuellen Filmen inspiriert. Spätestens seit den diversen Folgen des Hollywood-Erfolgs "Fluch der Karibik" mit dem skurrilen Jack Sparrow rangiert das Piraten-Outfit ganz oben in den Kostüm-Charts. Und der vierte Teil der Saga kommt just in diesem Jahr in die Kinos. "Wenn ein Film läuft, der viele anspricht, gibt es verstärkt Nachfragen nach den entsprechenden Kostümen", sagt Schneider.

Ein großer Kinohit war zuletzt auch der Film "Avatar", weshalb die Experten in dieser Session erwarten, einige der blauen Außerirdischen namens "Na"vi" bei Umzügen und Bällen zu sichten. Für den großen Renner sorgt diese Film-Vorlage allerdings nicht. Denn: "Sich wie die Na"vi zu schminken ist nicht einfach", sagt Benner. "Das ist für den normalen Karnevalisten vielleicht zu aufwendig."

Wer trotzdem als blaue Gestalt Karneval feiern möchte, der findet im Internet Schmink-Anweisungen. "An diese sollte man sich halten, sonst kann man auch wie ein Schlumpf aussehen", sagt der Make-up-Experte René Reiche aus Freiburg. Wer zudem im aufwendigen Kostüm nicht alleine auffallen will, sollte seine Freunde zum gleichen Kostüm animieren, rät Schneider. Denn Gruppenkostüme seien in.

Neben der richtigen Klamotte und dem Make-up wird 2011 besonderen Wert auf Accessoires gelegt. "Es gibt verstärkt passende Schuhe zum Kostüm", sagt Benner. Lange, schwarz-weiße Schuhe ergänzen etwa das Clownskostüm, und Hippies brauchen Plateaustiefel. Ein Hingucker seien Schuhe mit Plastik-Goldfisch im Absatz.

 

Perfekt wird so manches Outfit auch durch die passenden Kontaktlinsen. Katzenaugen, teuflisch rote Augen oder ganz weiße Modelle für den gruseligen Vampirblick sind für 20 bis 25 Euro zu bekommen. "Neuerdings gibt es die bunten Linsen auch in verschiedenen Dioptrien", sagt Reiche. Damit können auch Brillenträger die bunten Linsen nutzen. Die Linsen halten eine ganze Session, der Sitz sollte allerdings von einem Optiker überprüft werden.

Ein Muss für alle Möchtegern-Vampire sind auch spitze Zähne. "Die künstlichen Beißerchen können dank Thermoplastik mit heißem Wasser an das eigene Gebiss angepasst werden", sagt Reiche. Die rund 20 Euro teuren Vampirzähne passen dann ganz genau und lassen sich wieder verwenden.

Sollte die karnevalistische Hochzeit trotz des späten Termins im März wieder frostig kalt werden, rechnet Schneider auch mit einer großen Nachfrage nach Ganzkörper-Tierkostümen. Und auch Benner sagt: "Elefant, Bär oder Giraffe aus warmem Plüsch sind als Kostüm für den Straßenkarneval sehr beliebt." Etwas freizügiger ist es hingegen beim Sitzungskarneval: "Mittelalter- oder Rokoko-Kostüme werden gerne bei Sitzungen getragen. Damit sieht man immer toll aus", sagt Schneider. "Die dünnen Blüschen eignen sich für den Straßenkarneval jedoch weniger."

Out seien kindliche Märchenkostüme für Frauen, warnt Schneider. "Es sieht seltsam aus, wenn eine Frau als Rotkäppchen rumläuft." Bei den Mädchen darf die Prinzessin jedoch weiterhin getragen werden, die Jungs greifen gerne zum Piraten- oder Musketier-Kostüm.

Egal ob Pirat, Hippie oder Vampir - bei Erwachsenen lasse die Wahl des Kostüms auf die Persönlichkeit schließen, sagt der Psychotherapeut Rolf Ahn aus Düsseldorf.

"Psychologisch gesehen ist das Verkleiden ein unbewusstes Ausleben von geheimen Wünschen oder dunklen Seiten." So wolle etwa ein Beamter, der sich als Indianer verkleide, Abenteuerlust und Risikobereitschaft ausdrücken. "Diese Seite kann er im Alltag vielleicht nicht ausleben", sagt Ahn.

Viele Kostüme erinnerten jedoch auch einfach an die eigene Kindheit. Pirat und Cowboy ließen die Träume von damals wieder aufleben, und Karneval sei für das Ausleben dieser Träume und Wünsche eine wunderbare Gelegenheit. "Den meisten reichen die paar Tage aus, um danach in den Alltag zurückzukehren", sagt Ahn. Spätestens am Aschermittwoch ist das ja bekanntlich alles vorbei.