Schlachtruf

"Kamelle" ist nicht zu stoppen

Es muss nicht immer die Kamelle sein. Bei den manchmal noch winterlichen Außentemperaturen freuen sich die Jecken auch über Taschentücher.

Es muss nicht immer die Kamelle sein. Bei den manchmal noch winterlichen Außentemperaturen freuen sich die Jecken auch über Taschentücher.

BONN. Karnevalsbegriff setzt sich für jede kau- und lutschbare Süßigkeit durch

Alaaf, Helau und Kamelle sind die wichtigsten Schlachtrufe in der Karnevalszeit. "Kamelle" ruft der Narr oder die Närrin, wenn "d'r Zoch kütt", und dann regnet es Schokoladen, Kaugummis oder Lakritztüten von den Wagen.

"Ganz am Anfang waren es aber tatsächlich Karamellen, also Stückchen karamelisierten Zuckers", sagt der Sprachwissenschaftler vom Bonner Amt für Rheinische Landeskunde, Georg Cornelissen. "Das alte Wurfgeschoss ist die Kamelle". Erst später sei der Begriff auf alles, was Bonbon oder zu lutschen war, übertragen worden. Als Inbegriff rheinischer Fastnachskultur sind die Kamellen auf dem Vormarsch.

Wie die Sprachwissenschaftler beobachten, breiten sie sich von Köln aus konzentrisch in alle Richtungen des Rheinlandes aus, im Norden beispielsweise bis in den Krefelder Raum. Da, wo man früher zu der kleinen kau- und lutschbaren Süßigkeit Bröckskes, Babbelsches oder auch Klümpchen sagte, heißt es zunehmend auch Kamelle.

In der Stadt Geldern etwa feierten die Jecken unter dem Zug-Motto "2000 Jahr, wunderbar, mit Zug, Kamelle, Prinzenpaar". Bleiben noch die "ollen Kamellen". Spricht der Bonner und Kölner von "aal Kamelle" und der Aachener von "au Kamelle", dann ist Uninteressantes oder Nutzloses gemeint.