Schluss mit lustig

Was bedeutet das Federnrupfen am Veilchendienstag?

Bonn. Nach der Proklamation Anfang Januar regieren Prinz und Bonn - bis zum Veilchendienstagabend. Dann findet das traditionelle Federnrupfen statt.

"Eimol Prinz zo sin", ist für viele passionierte Jecken ein Kindheitstraum, wenngleich die Prinzenrolle nur ein Amt auf Zeit ist. Nach der prunkvollen Proklamation Anfang Januar, bei der das Bonner Prinzenpaar die Würde seines Amtes vom Oberbürgermeister persönlich mit der Übergabe der Insignien erhält, regieren Prinz und Bonna in der "fünften" Jahreszeit das närrische Volk bis zum Aschermittwoch. Genauer gesagt bis zum Veilchendienstagabend. Dann nämlich findet das traditionelle Federnrupfen statt.

Tränenreicher Abschied

Marlies Stockhorst, Präsidentin des Festausschusses Bonner Karneval, hat bei dieser Abschlusszeremonie schon viele hochemotionale Momente erlebt. "Die meisten nehmen sich vor, nicht zu weinen", berichtet sie. Doch schon beim Einmarsch sei das ganze Vorhaben bei 99 Prozent der Prinzenpaare vorbei. "Weil sie wissen, dass das ihr allerletzter Auftritt ist." Nicht zuletzt wenn der Prinzenführer noch einmal die gesamte Equipe - vom Adjutanten bis zum Pagen - vorstellt, fließen die Abschiedstränen, und Prinz und Bonna ernten bei ihrer letzten Ansprache stehende Ovationen.

Nach einem kleinen Programmpunkt, bei dem sich "die Leute wieder ein bisschen fassen können", so die Präsidentin, wird es dann ernst. Beim wohl traurigsten Moment der Session nimmt der Oberbürgermeister dem Bonner Prinzenpaar unter Anweisung von Marlies Stockhorst, die dankend an königliche Ereignisse der zurückliegenden Session erinnert, die Herrschaftsinsignien wieder ab.

Die Uhr hat zwölf geschlagen

Ihre Lieblichkeit Bonna muss Schärpe, Krönchen und Kette abgeben, während seine Tollität der Prinz die Amtskette, die vier Fasanenfedern seiner Kappe (daher der Name "Federnrupfen") und den sorgsam gehüteten Paias hergeben muss - das altgediente Zepter des Karnevalsprinzen mit närrischem Holzkopf und mittlerweile 20 Namensbändchen der letzten Regenten. "Das ist der Moment für den Prinzen, der eigentlich am emotionalsten ist", weiß die Präsidentin.

Den Abend des Federnrupfens beschließt traditionsgemäß Nachtwächter Karl Schleier mit: "Hört Ihr Leute, lasst Euch sagen, die Uhr hat wieder zwölf geschlagen. Die Karnevalszeit ist jetzt vorbei." Nachdem der ganze Saal "Am Aschermittwoch ist alles vorbei" gesungen hat, erfolgt das Defilee der Gäste vorbei am Prinzentisch. "Das ist noch einmal sehr emotional", berichtet Marlies Stockhorst, "da sich jeder persönlich bedankt."

Auch das oft fälschlicherweise als Kostüm bezeichnete maßgeschneiderte Ornat muss das abgedankte Herrscherduo nach diesem Abend in die Obhut des Festausschusses zurückgeben, der die prunkvollen Gewänder für Ausstellungszwecke nutzt und an Museen ausleiht. Als Erinnerung behalten dürfen beide lediglich den persönlichen Prinzenorden und das ansteckbare Bonna-Krönchen, die eigens im Goldschmiedeatelier angefertigt wurden.

Große Geschichte

Die Figur des Bonner Karnevalsprinzen ist beinahe 150 Jahre alt. Und wer hätte das gedacht: die der Bonna sogar noch älter. Nach der Reichsgründung wurde 1873 aus "Hanswurst" als Anführer des närrischen Treibens "Prinz Karneval". Ihre Lieblichkeit Bonna, erst seit 1935 von einer Frau dargestellt, war bereits 1845 als Verlobte an die Stelle der Freudengöttin Laetitia getreten.

Das traditionelle Federnrupfen, das neben dem Bonner Prinzenpaar auch viele großen und kleinen Oberhäupter der örtlichen Karnevalsvereine über sich ergehen lassen müssen, entstand nach Aussage von Dr. Marcus Leifeld Mitte des 20. Jahrhunderts und gehört wie das Portemonnaie-Auswaschen zu den althergebrachten Abschiedsritualen. "Das Federnrupfen ist ein Schwellenfest", erklärt der Archivar des Festausschusses Bonner Karneval, "bei dem man in die Fastenzeit übergeht."

Die Botschaft des Karnevalsprinzen an die Mächtigen und alle Menschen sei immer dieselbe: "Nehmt Euch nicht so ernst." Denn man darf die Welt im Karneval ruhig auf den Kopf stellen, wenn man am Aschermittwoch wieder zur Frömmigkeit zurückkehrt.