Prunksitzung der Ahrweiler Karnevals-Gesellschaft

Ahrweiler KG schöpft aus dem Vollen

Die Mittleren Funken der Ahrweiler KG begeistern das Publikum mit ihrem Sessionstanz.

Die Mittleren Funken der Ahrweiler KG begeistern das Publikum mit ihrem Sessionstanz.

AHRWEILER. Es fing so harmlos an, aber dann zogen die Narren bei der Prunksitzung der Ahrweiler Karnevals-Gesellschaft 1863 (AKG) am Sonntag im Helmut-Gies-Bürgerzentrum auf der Bühne alle Register.

„Ahrweiler trifft Köln“ lautete das Motto der AKG. Das zog. Wie auch die Verlagerung der Sitzung von Samstagabend auf Sonntagnachmittag. Und der Umstand, dass die Gagen für die Profis niedriger sind als an Samstagen. Für die AKG Grund genug, aus dem Vollen zu schöpfen.

„Mehr geht auch nicht“, machte am Ende ein sichtlich erleichterter AKG-Vorsitzender Udo Willerscheid dem Publikum klar. Mehr muss aber auch nicht. Und mehr passt auch nicht – weder in den Saal, wo 700 Jecken für ein ausverkauftes Haus sorgten, noch auf die Bühne, die der AKG für ihren Aufmarsch mittlerweile zu klein wird. Zurück zum Vorsitzenden: Jecke elf Jahre steht Willerscheid der AKG vor, ein paar Jährchen will er noch dranhängen, sagte er.

Muss er auch, nachdem sich in einem nicht angekündigten letzten Programmpunkt Funken und Stadtgarde zu einem Tanz als „Ahrtalgarde“ vereinigten und ein großes Transparent ausrollten, auf dem „Danke Udo“ zu lesen war. „Ihr seid die Geilsten“ machte der Vorsitzende sichtlich gerührt deutlich, nachdem er sich zuvor über gelungene sechs Stunden freuen konnte.

In denen waren es zunächst die jecken Lokal-Amateure, denen die Bühne gehörte. „80 plus“ so die Stärke aller Korporationen samt Spielmannszug, die zum Auftakt für ein tolles rot-weißes Bild sorgten. Mittendrin: Prinz Rolf I. und seine Prinzessin Marlene I., dazu Kinderprinzessin Clara I. als närrische Repräsentanten. Putzig wirkten die allerjüngsten Kinder beim Minifunken-Tanz und der Suche nach Synchronität. In ein paar Jahren sitzen die Schritte sicher perfekt.

Auftritt der Lästerschwestern

So wie bei den beiden anderen Funkengruppen der AKG. Insbesondere aber die Stadtgarde scheint explodiert zu sein. So viele Gardisten waren bei Auftritten noch nie zu sehen. Und die sechs Tanzpaare boten Akrobatisches. „Das Beste, was ich in 16 Jahren von denen gesehen habe“, meldete sich der Vorsitzende wieder zu Wort. Kein Wunder, denn zwei Mal Training pro Woche mit Ex-Gardeprofi Helen Hoffmann als Trainerin hinterlässt deutliche Spuren.

Und dann gab es noch was auf die Ohren, auch aus den Eigengewächsreihen. Wenn die „Lästerschwestern“ Carolin Groß und Theresa Friedrich ans Mikrofon, gehen, dann geht die Lokalprominenz in Deckung. Die High-Society-Expertinnen der Stadt gratulierten dem Bürgermeister zur gewonnenen Wette gegen den Landrat, weil Guido Orthen mehr Prozent gegen Axel Ritter erreichte.

Um die weggegangenen Ursulinen trauert keiner mehr als die Obermessdiener Udo Groß und Heinz-Peter Hoppe, während die „Ahrhöde“ neuerdings Nägel fürs Martins-Schaubild „kötten“ müssen. Und die Klangwelle soll ab sofort für Menschen über 75 gesperrt werden. Denn zwei Stunden plätscherndes Wasser würden den Harndrang zu sehr beflügeln. Ein Seitenhieb in Richtung Bad Neuenahr ist Pflicht in Ahrweiler.

Cat Ballou sorgt für ausgelassene Stimmung

Es blieb rot und weiß, aber die jecke Stadt wechselte, denn nach den lokalen Größen kamen die Profis aus Köln. Der verdatterte Bauchredner Klaus mit seinem frechen Affen Willi glaubte, Ahrweilers Sitzungspräsident Udo Groß habe sein eigenes Weihnachtslied: „Udo fröhliche.“ Der nahm es fröhlich gelassen, freute sich umso mehr, mit der Kapelle Markus Quodt eine kölsche Saalband im Bürgerzentrum zu haben.

Die hatten auf jeden Pott einen musikalischen Deckel. Und sie holten den echten Gürzenich- und Sartory-Flair ins Bürgerzentrum, als sie die akrobatischen, rund 40 Rheinveilchen bei ihren Tänzen musikalisch begleiteten. Das war Spitzensport auf Zirkus-Niveau, die Bühne wurde ausgereizt, und zwar in Länge, Breite und Höhe.

Ganz in Rot machte Guido Cantz dann klar, dass die Karnevalisten die einzig normalen Menschen auf der Welt sind. Cantz wurde politisch, „Jamaika“ sollte eher „Langeoog“ heißen, Adventskalender keine Glastürchen haben und Lothar Matthäus wäre besser Philosoph geworden. Am Ende dann Party pur: Erst holten Cat Ballou die Meute endgültig von den Stühlen – von wegen „Hück steht die Welt still“. Und als es keiner mehr für möglich hielt, setzten die Piraten von „Kasalla“ noch einen drauf mit „Liebe deine Stadt!“. Egal, ob Ahrweiler oder Köln.