Von Helau bis Ojööh und Alaaf

Beim Zug in Kempenich Narren macht die „halbe Eifel“ mit

Prinzenpaar Patrick I. und Katharina I. samt Hofstaat beim Zug in Kempenich.

Prinzenpaar Patrick I. und Katharina I. samt Hofstaat beim Zug in Kempenich.

KEMPENICH. Für Alaaf-gewohnte Ohren war der Zug der Großen Karnevalsgesellschaft Kempenich (GKKG) zu Ehren ihres Prinzenpaares Patrick I. und Katharina I. gewöhnungsbedürftig. Denn der Schlachtruf der „Perle der Eifel“ heißt Helau.

Kommen dann noch Jecken aus Brenk, Hain oder Wehr hinzu, heißt es schnell Badda, Owei oder Ojööh. Und dem Langenfelder Jelau, was so viel heißt wie „Hab' ich's dir doch gesagt“, steht in Niederzissen das „Knatsch Jeck“ gegenüber. Alaaf gilt im moselfränkischen Teil des Kreises Ahrweiler nur in Burgbrohl, Glees, Wassenach, Oberzissen und Schalkenbach.

International war also die Sprache der Jecken, die zum 34 Nummern umfassenden Zug kamen, der sich nur alle zwei Jahre durch Kempenich schlängelt. Alle Karnevalsgesellschaften hatten ihre Tollitäten mitgebracht, um zu sehen, „wie die Kemmije dat machen“. So zitierte denn auch Zugkommentator Jochen Seifert angesichts der originellen Ideen der mehr als 600 Aktiven von A-Jugend über Jugendfeuerwehr bis zum Tanzgruppen-X-Press: „Wenn man eine Sache mit Klarheit zu behandeln vermag, ist man auch zu vielen Dingen tauglich.“

Das zeigten dann auch die Engelner um Ortsvorsteher Jens Schäfer, denen die Bewirtung an der Endstation des Vulkan-Express „ein Verdruss“ ist, oder die „Voyeure“, die zur „Verschwiegenheit über Stammtisch-Themen“ verpflichtet sind, denen im Zug aber auch schon mal der Sprit fürs Auto ausging. Die Kringeburarmee war ebenso dabei wie der 1868 gegründete Jünglingsverein, aus dem der heutige Junggesellenverein hervorging, der erst im vergangenen Jahr mal eben 4400 Euro für die Jugend und die Kitas im Dorf gespendet hat.

Die GKKG, deren Prinzenpaar samt Hofstaat beim Zoch mit Kamelle nicht sparsam umging, gibt es seit genau 90 Jahren. Gegründet wurde sie im Januar 1928. Und beim ersten Zug war es so kalt, dass den Blasmusikern ihre Instrumente einfroren. Blasmusik gab's „schon immer im Dorf“, die erste Kapelle wurde immerhin 1885 erwähnt. So hat's denn das Prinzenpaar auch mit der Musik, denn alle stimmten ein in sein neues Lied: „Us dem Dorf möt K“.