Fantasievolle Kostüme und fetzige Ohrwürmer

Narren feiern bei der Prunksitzung der AKG im Ahrweiler Bürger-Centrum eine lange und turbulente Nacht - Klatschtanten zogen über die "geliebten Nachbarn" im Osten her

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Schon das Programm kündigte die lange turbulente Nacht im Ahrweiler Bürger-Centrum an: Ende etwa gegen 25.15 Uhr. Wobei die Betonung auf "ungefähr" lag. Weil man das in Ahrweiler eben nie so genau - und gerade bei der Prunksitzung der Ahrweiler Karnevalsgesellschaft (AKG) - voraussagen kann. Besonders wenn so viel Musik drin ist und begeistert von den Jecken mitgesungen, besser mitgejohlt wird.

Wenn zum Schluss die "Ahrweiler Paveier" - Werner Knieps, Peter Willerscheid, Heinz Rieck, Udo Willerscheid - ihre fetzigen Ohrwürmer nur im Ansatz erklingen lassen, dann ist der Saal aus dem Häuschen, steigen alle Narren auf die Stühle.

Die übrigens fast ausnahmslos bunt und phantasievoll kostümiert waren. Satter Klang und Tschingderrassabumm begleitete die AKG-Jux-Show durch die Sitzungsnacht.

Die der Sitzungspräsident Tom Tumbrink in seinem zehnten Auftritt mit Sprüchen und Kalauern kommentierte und sich sichtlich und hörbar wieder wohlfühlte in der Rolle als Vorbeter in Sachen Ahrweiler Humor.

"Ich bin auch bekloppt", gestand er gern ein. Zumindest für die fünfte Jahreszeit jubeln in Ahrweiler die Jecken eine neue Hymne. Das Prinzenlied, auf Silberscheibe von den Peanuts gebrannt, war schnell der Hit der AKG-Sitzung.

"Jo, wenn das Prinzenpaar kütt", dann "is emmer jett loss". Prinz Günther II. und Prinzessin Edith I. (Wolf), sie waren vom Start weg die Stars. Aber solche zum Gernhaben und zum Anfassen. Immer zu haben für jeden Scherz und bei allem Blödsinn gern dabei.

Die berüchtigten Ahrweiler "Klatschtanten" - M. Raths und M. Busch - erklärten sie in der Bütt zum "kinderreichsten Prinzenpaar", das es in Ahrweiler jemals gab.

Er Lehrer, sie Kindergärtnerin, da summiert sich die Kinderschar. Prinz und Prinzessin lachten sich kringelig, und die Narren kriegten sich nicht mehr ein.

Besonders, wenn dann die beiden Schandmäuler in ihrer leiernden Litanei so richtig schön über die geliebten Nachbarn aus dem Osten herzogen. Beispiel der Mitternachtsmarkt in Ahrweiler.

Neuenahr zeigte nur eine Riesenkerze, Ahrweiler dagegen ein Lichtermeer. Was für ein rasender Beifall. Auch der "Jong usem Levve", - Albert Pollig - in seiner fünften Vorstellung in der Bütt, haute auf die Badestädter drauf Was passiert beim Tag der offenen Tür in Neuenahr? In eine viertel Stunde ist die Stadt leer! Ein oft geübtes Erfolgrezept, das Beifall in Ahrweiler garantiert.

Geburtstag bei der Sitzung feierte Doris Schwertel und kassierte tosenden Beifall in der Bütt als "desillusionierte Frau". Ihr Fazit: "Was konnten die Kerle so verführerisch sein. Heute fällt ihnen gar nichts mehr ein". Der Sitzungspräsident blödelte nicht nur.

Er mogelte auch. "Nur eigene Kräfte" kündigte er und zählte "150 Lück" hinter und auf der Bühne. Doch einer auf der Bühne sorgte für tolle Stimmung, war aber ein waschechtes Kind aus der Domstadt. "Bernie Bass" - Bernd Geller -, "Importware aus Köln", ließ den Saal im churkölnischen Ahrweiler mit seinem Stimmungsliedern kochen.

Mit Schwung und einer tollen Choreografie gelang dies aber auch den "Ahrweiler Stadtmaueredresser" um Peter Höper mit ihrer Tanzshow.

Und weil Musik und Gesang nun mal das Motto war - schließlich hatte der Spielmannszug die Jecken eingangs prächtig eingestimmt - legten die munteren Sänger der "Ahrweiler Jonge" - Wolfgang Geller, Peter Willerscheid, Heinz Rieck, Udo Willerscheid - noch eins drauf auf die überschwappende Stimmungsbrandung.

Ein Aufatmen ging durch die ausgelassenen feiernden Ahrweiler Narren: "Nach langer Entbehrung haben wir wieder ein Funkenmariechen", jubelte Tom Tumbrink aufgeregt.

Und was für eins: Die 14-jährige Helen Hoffmann präsentierte sich mit ihren Tempo-Tanz als ein Riesentalent. Die Fünkchen der AKG begeisterten das Publikum und den Elferrat dermaßen, dass ihnen die erste Rakete gehört und donnernden Beifall heimsten auch die größeren Funken ein.