33. Möhnenempfang im Kreishaus

Landrat Jürgen Pföhler wollte das Bützen verweigern

Gute Laune war Trumpf beim Möhnenempfang im Ahrweiler Kreishaus.

Gute Laune war Trumpf beim Möhnenempfang im Ahrweiler Kreishaus.

AHRWEILER. Ach herrje: Möhnentreffen mit Ordensverleihung und jeder Menge Bützjer – ist das alles nicht mehr möglich? Landrat Jürgen Pföhler befürchtete das, wie er den gut 200 närrischen Weibern aus allen Teilen des Ahrkreises am Montagabend kundtat. Der Grund: „MeToo“ und die damit verbundene "Anklage-Hysterie".

Als das Kreisoberhaupt dann aber in die durch seine Worte hervorgerufenen traurigen Augen der „Schönsten der Schönen“ blicken musste, schmolz er förmlich dahin und revidierte seine Position. „Ist aber alles nicht so ernst gemeint, was ich jetzt sage“, ließ sich Pföhler ein Hintertürchen offen und bestach mit seinem Gedicht. Da war zu hören, er habe vorab schon von den Möhnen geträumt, wolle mit ihnen feiern bis tief in die Nacht und jede einzelne zum Abendessen bei Kerzenschein bitten. Und was er nicht schaffe, sollten seine Vertreter Horst Gies, Fritz Langenhorst und Friedhelm Münch übernehmen. Die standen ob der anstehenden närrischen Aufgaben Gewehr bei Fuß. Das „Hahnenquartett im Korb“ war gerüstet für die „jecken Wiever“ aus 30 Möhnengesellschaften und -vereinen des Kreises, von denen übrigens auch die CDU Frauen-Union eine zu sein scheint, zumindest ist diese Dauergast beim Möhnentreffen.

Zum Defilee bei Frikadellen und Sekt machten sie alle dem Landrat die Aufwartung, um den Orden des Kreises zu empfangen und mit allerlei Geschenken zu antworten. Und natürlich mit einem Bützje. Dabei zeigte sich einmal mehr die Größe des Kreises, denn neben jeder Menge „Alaaf“ war so manch ein „Helau“, „Ojööh“ oder auch andere jecke Schlachtrufe zu hören. Aus allen Teilen des Kreises waren die Möhnen angereist, dabei waren Wölle Möhne, Bottermaatsmöhne und Grüne Waldmäuse. Sie alle versuchte der Landrat um den Finger zu wickeln, als er meinte: „Noch eine Nacht zuvor im Traum, sah ich vor mir – man glaubt es kaum – viele Dutzend hübsche Damen fein. Es gab Gesang und es gab Wein …  Ihr ward es, liebste Möhnen, die ich sah: liebreizend anschmiegsam, ganz wunderbar.“ Das ging natürlich runter wie Öl.

Für jecke Unterhaltung zwischen den Defilees sorgten tanzend die Dorfgarde aus Nierendorf und die Red Hot Maries aus Birresdorf. Wie „Marienchentanz“ theoretisch geht, verriet „Et Funkenmariechen“ in Person von Andreas Marquardt. Der Landrat mußte die urkomischen Verbiegungen mitmachen. Und für die Stimmungsband „Jeckediz“ war es leichtes Spiel, den ehrwürdigen Sitzungssaal, in dem sonst der Kreistag tagt, zum Kochen zu bringen. Schnell waren die einleitenden Worte Wahrheit geworden: „Wir wollen mit euch klönen, bützen und schunkeln, bis ihr nach Hause fahrt im Dunkeln. Pure Langeweile bestimmte unser Leben, aber jetzt bringt ihr den Saal zum Beben.“