Karneval in Altenahr

Sturm auf das Café Haag

ALTENAHR. Jecken fahren ihre Kanone vor dem Altenahrer Rathaus auf und zwingen den Bürgermeister schnell zur Aufgabe.

Das Café Haag ist seit gestern Morgen fest in Narrenhand. Denn der Altenahrer Verbandsbürgermeister, Achim Haag, hatte gemeinsam mit seiner Beigeordneten Ingrid Näkel-Surges erst gar nicht versucht, das Rathaus am Roßberg zu verteidigen. Denn erstens waren mehr als 100 Narren aus allen Korporationen von Lind bis Dernau und Kalenborn bis Kessling unter klingendem Spiel aufgezogen, und zweitens hatten die Hönninger einmal mehr ihre schwere Kanone auf das Verwaltungsdomizil gerichtet.

Zwei Schüsse genügten nach anfänglichen Ladeschwierigkeiten, denn das Pulver musste vom Regen des Weiberdonnerstags etwas abbekommen haben. Doch dann ergab sich Haag: „Jetzt, wo das Pulver ist trocken, kommt rein und lasst die Bude rocken.“ Große und kleine Tollitäten, Standartenträger, Musketiere und Spielleute mussten jedoch zuerst drei Treppen hochschnaufen, ehe im Ratssaal dann der Bär steppte. Und Achim Haag, wie gewohnt als Chefkoch des Cafés Haag unterwegs, dem Reimen frönte.

Und durchaus aus dem Alltag eines Bürgermeisters plauderte: „Wenn das Karnickel hat die Krätze und der Nachbar ist am hetze, wenn ein Verein wird ein Jahr alt oder eine Wildsau stirbt im Wald, wenn ein Bürger mal wird hundert, wenn der Sportverein gewinnt, was manchen wundert, bei allen Anlässen bitte sehr, muss der Bürgermeister her.“ Bürgermeister sein von Kalenborn bis Cassel ist also kein Zuckerschlecken, doch „der schönste Job“, den sich der 60-Jährige seit mehr als 20 Jahren denken kann. Allen Jecken gab er die Ehre, selbige taten es umgekehrt. Und warben für die zahlreichen Züge, die am Wochenende durch die Dörfer der Verbandsgemeinde Altenahr ziehen. Wobei Freisheim es sich nicht nehmen lässt mit seinen Ortsteilen Berg und Krälingen gleich drei Zöch aufzufahren. Damit jeder Jeck an jedem Hochtag des Fastelär einen hat. „Jüngste“ im Reigen der Tollitäten waren übrigens Prinz, Bauer und Jungfrau aus Altenburg. Sie wurden erst Donnerstag proklamiert.