Rosenmontagszüge im Drachenfelser Ländchen

Bunt, kreativ und mit politischen Spitzen

Im klassischen Clownskostüm: Die Fußgruppe des Heimatvereins Niederbachem beim Rosenmontagszug. FOTO: SCHMELZEISEN

Im klassischen Clownskostüm: Die Fußgruppe des Heimatvereins Niederbachem beim Rosenmontagszug.

GIMMERSDORF/VILLIP/NIEDERBACHEM/PECH. Wer muss am Rosenmontag bis nach Köln, Mainz oder gar Düsseldorf fahren, wenn er doch in Gimmersdorf, Villip und Niederbachem das Gleiche haben kann?

Die richtige Antwort auf diese Frage fanden gestern Tausende Jecke, die bei den vier Veedelszügen im Drachenfelser Ländchen die Straßen säumten.

Gimmersdorf

Den Anfang machten um 11.11 Uhr die Gimmersdorfer. Vor allem die Lokalmatadore der örtlichen KG Grün-Gold drückten dem Zug ihren Stempel auf. So winkte die Kindergarde vom Wagen, den sie mit eigens gemalten Bildern geschmückt hatte. In gepunkteten Röcken zogen die Mädels der Jugendgarde hinterdrein. Den Preis für die schönste Kostümierung verdienten sich die Damen der Gimmersdorfer Lindenblüten, die Kamelle und Blümchen unters jecke Volk brachten.

Von einer Gruppe gekrönter Sträflinge wurde "Ulis Extrawurst" durch das Dorf gezogen - offenbar eine Reminiszenz an den im offenen Strafvollzug befindlichen Präsidenten des FC Bayern München. Ebenfalls mit von der Partie: ein Wagen mit der "Liga der Wachtberger Umgekippten" sowie der Wagen des Ließemer Dreigestirns, Guido I., Adi I. und Kim I. Gleich einem ungeschriebenen Motto prangte vom Wagen von "Hönis Spritzbud'" der Spruch: "Der Klügere kippt nach!".

Villip

Bunt, kreativ und auch ein wenig politisch war der Karnevalszug in Villip: Dort sammelten sich die Jecken am Kirchplatz und ließen den Bewunderern die Chance, schon vor dem Zug einen Blick auf die Kostüme zu erhaschen. Gegen "Pegida" stellte sich eine Gruppe, die stattdessen "Wachtberger Eierköpfe für ein buntes Universum" forderte. Kostüme aus dem Fernsehen hatten es den Jecken angetan: So liefen hinter dem aus dem Kinderfernsehen bekannten Igel "Mekki" außerdem die Fantasiefiguren "Minions" aus dem Film "Ich, einfach unverbesserlich" beim Zug mit. Die Gruppe aus vier Familien hatte das Motto der "Minions" mit einem "Wir" leicht abgeändert und forderte, gerade im Karneval so genommen zu werden, wie man nun mal sei.

Einen Dankesgruß gab es ebenfalls in Filmkostümform: Die Pecher Schmölzje dankten ihrem Förderer und Bäcker "Charly" als "X-Engel für Charly" und hatten auch den aus dem Film bekannten silbernen Stuhl dabei. Die "Villiper Holzköpp" hatten ihr traditionelles Boot dieses Jahr zum Wikingerschiff umgebaut. Internationalen Besuch hatte der Villiper Rosenmontagszug aus der Schweiz. Bereits zum zweiten Mal besuchten die "Wyland Gugge Andölfia" aus dem Züricher Weinland Villip und brachten Instrumente zum Zug mit, die sie laut und fröhlich klingen ließen. Die KG Gemütlichkeit Rot-Weiß Villip, die auf das klassische Clowns-kostüm setzte, sowie die Junioren- und Prinzengarden des Vereins rundeten den ausgelassenen Zug im Sonnenschein ab.

Niederbachem

Mit einem hübschen Wortspiel schritten die Kinder aus Niederbachem beim Rosenmontagszug ganz vorne weg über die Mehlemer Straße: Zum Motto "Forsche Forscher forschen forsch" hatten sich die Kleinen sowie ihre Eltern und Erzieher in weiße Kittel gehüllt und warfen kräftig Kamelle. Überhaupt musste man zu Beginn des Zuges fast Sorge haben, dass die Jecken auf der Konrad-Adenauer-Straße von dem Wurfmaterial nichts mehr abkriegen, so begeistert warfen die Fußgruppen und Wagen ihre Süßigkeiten. Die KG Rot-Gold Niederbachem, deren Motto in dieser Session "Ob Knaatsch oder Knies, de Fastelovend mäht uns keiner mies" ist, stellte sich mit drei Prunkwagen auf.

Der der Kindergarde war mit kleinen Papierröschen geschmückt, die ägyptische Ornamente und ein Bild der Kleopatra ergaben; der Vorstand bewegte sich auf einem märchenhaften Wagen mit dem Froschkönig und der goldenen Kugel und der Senat im klassischen Prunkwagen. Insgesamt 19 Gruppen waren beim Niederbachemer Zug dabei. Politisch wurde es eher nicht, laut wurde die Forderung des Godesberger Motorclubs "Save the Ring", gemünzt auf den Verkauf des Nürburgrings mit der Forderung "Legenden verkauft man nicht" und eine Veräppelung der Maut mit dem Aufruf: "Vignettenpflicht für Fußgänger". Obwohl es ausgelassen zuging, bot der familiäre Zug reichlich Platz am Straßenrand für Jecke mit kleinen Kindern, und auch wenn ein Wagen es anders verkündete, schien alles in geregelten Bahnen zu verlaufen: "Tschüss Niveau, bis Aschermittwoch".

Pech

Am frühen Rosenmontagmorgen trieb ein Bär sein Unwesen im Wachtberger Ländchen. Zuerst wurde er in der Nähe seines Winterquartiers, in der Gaststätte Küpper gesichtet. Von da aus zog er mit seinem Gefolge lärmend die Pecher Hauptstraße entlang. Wer nun einen echten Bären im Ländchen fürchtet, der kennt die Tradition des Eazebären noch nicht. Der sogenannte Erbsenbär entstammt einem Fastnachtsbrauch zur Winteraustreibung und erfreut sich in Pech einer langen Tradition. Seit den 1950er Jahren kümmert sich der Pecher Sportverein um dieses besondere Brauchtum.

Sein Name geht auf das ehemalige Kostüm aus Erbsenstroh zurück. Der Eazebär zieht traditionell mit seinem Gefolge von Haus zu Haus und spielt den Bewohnern Streiche. Der Schabernack der Truppe konnte einst nur mit Essensspenden abgewendet werden. Heutzutage werden stattdessen Geldspenden gesammelt, die beispielsweise dem Kindergarten oder dem Sportverein im Dorf zugutekommen.