Vor Prunksitzung im Januar

Fidele Burggrafen entdecken Marsch von "De Uhl"

Alo von der Kall und Volker Michels (rechts) vor dem Porträt des Komponisten und Gründungsmitglieds der Fidelen Burggrafen, Paul („De Uhl“) Wingarz. Dessen Marsch-Noten entdeckte Michels beim Aufräumen.

Alo von der Kall und Volker Michels (rechts) vor dem Porträt des Komponisten und Gründungsmitglieds der Fidelen Burggrafen, Paul („De Uhl“) Wingarz. Dessen Marsch-Noten entdeckte Michels beim Aufräumen.

Friesdorf. Die größte Karnevalsgesellschaft Bad Godesbergs, die Fidelen Burggrafen, warten bei ihrer Prunksitzung am 12. Januar mit etwas Besonderem auf: Ihr Tanzpaar wirbelt bei einem Marsch über die Bühne, den Paul ("De Uhl") Wingarz geschrieben hat.

1892 wurde in der Nähe des Weihers, der größer war als heute und mit Ruderbooten befahren wurde, ein Gasthaus errichtet. 1896 wurde es um ein Bühnenhaus erweitert. Nach dem Abriss der „Kulturscheune“ entstand 1955 an gleicher Stelle die Stadthalle. In ihrem Großen Saal feiern die Fidelen Burggrafen am Samstag, 12. Januar, ihre Prunksitzung. Das diesjährige Motto des Festausschusses Godesberger Karneval könnte dazu kaum besser passen: „Ob Theater, Oper oder Hall, Jodesberch fiert op jede Fall!“. Ergänzt wird das Thema seitens der Burggrafen um die Frage: „Wie wäre es wieder mit der guten alten Kulturscheune?“.

Ob U-Bahn oder Tunnel: Wenn große lokalpolitische Entscheidungen in Godesberg anstanden, gaben die Karnevalisten immer ihren Senf dazu. „Wir wollen einfach verhindern, dass es einen Zeitraum ohne Nutzung gibt“, macht Volker Michels, Präsident der Fidelen Burggrafen, deutlich. Auch unter den Mitgliedern gebe es verschiedene Meinungen, was am besten für Godesberg wäre. Doch in einem seien sich alle einig: „Die Diskussion, wie es nach der Schließung der Stadthalle weitergehen soll, muss jetzt geführt werden“, so Michels. Wenn ein Neubau für Oper, Schauspiel und Konzerte entstehen würde, wäre das ein guter Schritt – zurück zu den Wurzeln.

Diese Balance zwischen Erhalt der Tradition und notwendiger Modernisierung kennen die Fidelen Burggrafen nur zu gut: Ein besonders schönes Beispiel ist das Lied des Tanzpaares in dieser Session. Paul („De Uhl“) Wingarz, Gründungsmitglied der Fidelen Burggrafen, Liedermacher und Komponist aus Godesberg, hatte einen Marsch für die Burggrafen komponiert. „Ich habe den beim Aufräumen zufällig wiedergefunden“, erzählt Michels.

Und so wird am 12. Januar neben Comedygrößen Willi & Ernst und Musikern wie den Domstürmern auch – zwar leicht umgeschrieben – ein Stück Geschichte der Fidelen Burggrafen wieder lebendig, wenn das Tanzpaar genau auf dieses Lied von Paul Wingarz auf der Stadthallenbühne wirbelt. Ein weiterer Grund, warum sich die Burggrafen keine Nachwuchssorgen machen müssen: Karneval im Rheinland trumpft immer noch als Netzwerk für Karriere und Privatleben auf. „Karneval öffnet Türen“, da sind sich Volker Michels Präsident der Burggrafen und sein Vizepräsident Alo von der Kall einig. Während es für hochrangige Persönlichkeiten mal ganz angenehm sein kann, im Grün der Uniformen zu verschwinden, ist es für andere eine willkommene Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.

„Früher hieß es, der Karneval ist der zweite Bildungsweg der CDU“, erinnert sich von der Kall. Er selbst kam spät zu den Burggrafen, war davor lange Jahre bei der AKP. Seit 2007 trägt er die grün-weiße Uniform, 2013 als Kommandant und ganz frisch als Vizepräsident. Volker Michels wurde quasi in den Karneval hineingeboren. Michels Opa war vor 80 Jahren eines der Gründungsmitglieder der Fidelen Burggrafen, Vater Karl-Heinz Michels war selbst Präsident und ist bis heute Ehrenpräsident. Auch Michels Tochter ist in der Karnevalsgesellschaft aktiv. „Aber ich musste mich richtig durchbeißen“, so der Präsident. Ein Klassiker: Der Vater traut es dem Sohn nicht zu, die anderen schließen daraus voreilig, dass die Position nur mithilfe des Vaters erreicht werden konnte. Michels und von der Kall spiegeln treffend wieder, wie unterschiedlich die Wege zu den Burggrafen aussehen können.

„Heute ist es sicherlich nicht mehr so wichtig, Teil des Karnevals zu sein“, glaubt von der Kall. Trotzdem: Jedes Mitglied erfährt die Unterstützung, die ein Verein bieten kann. Maler aus verschiedenen Betrieben helfen beim Streichen der Umzugswagen, dafür gibt es dann vielleicht eine Anzeige in der eigenen Zeitschrift „Burggeflüster“. „Wenn wir Brötchen einkaufen, schauen wir, wo sie besonders beliebt sind“, erklärt von der Kall. Michels ergänzte: „Aber auch Inserenten des Burggeflüsters werden besonders berücksichtigt.“