Frauen brachten den Stein ins Rollen

Vom Damenkomitee "Obstblüte" zur KG Rot-Gold - Närrische Feier zum 50. findet im Henseler Hof in Niederbachem statt

Wachtberg-Niederbachem. Am Anfang stand die "Obstblüte", die jedoch nicht im Frühling, sondern im kalten Winter ausbrach. "Obstblüte" nannte sich ein Damenkomitee, das sich im Januar 1953 in Niederbachem gegründet hat. Eine Laune war es wohl, die elf junge Frauen dazu brachte, den Karneval in Niederbachem ins Leben zu rufen.

Sie wollten an den Abenden, die ihre Männer als aktive Sänger bei Proben des Männergesangvereins Concordia verbrachten, nicht untätig zu Hause sitzen.

Damit beginnt die Erfolgsgeschichte der KG Rot-Gold Niederbachem. Die närrischen Gründungs-Weiber fackelten nicht lange: An Weiberfastnacht 1953 führten sie den ersten "Zoch" in Niederbachem durch und ernannten auch gleich ein Tanzmariechen: Marie-Luise Hüllen.

Im folgenden Jahr gaben elf Sänger der Concordia die karnevalistische Antwort auf den Coup der Damen und gründeten die KG Rot-Gold, aber nicht als Konkurrenz, sondern um das Damenkomitee zu unterstützen.

Im selben Jahr wurde die närrische Welt in Niederbachem noch bunter, das heißt: vierfarbig. Denn die "Obstblüte" nannte sich in Damenkomitee Grün-Weiß um. Auf den ersten Sitzungen trug die Damenwelt Dirndl und grün-weiße Schiffchen.

Im Laufe der Zeit aber verschmolzen die beiden Gruppierungen in der KG Rot-Gold, die Farben Grün und Weiß verschwanden per Beschluss 1979 aus dem Vereinsleben, aus dem Damenkomitee wurde der Damen-Elferrat, der bis heute neben Senat und Vorstand ein unverzichtbares Gremium in der KG bildet.

Die Geschichte der KG ist aber nicht nur eine der Farben, sondern auch der verschiedenen Lokalitäten. Stationen waren bis 1973 das Vereinslokal "Ley", die Gaststätte "Zettelmeyer" und das Casino der Reitschule Rodderberg.

Die Session 1973 wurde erstmals in einem beheizten Festzelt durchgeführt. Was als Provisorium gedacht war, entwickelte sich zu einem 22-jährigen Dauerzustand, der erst mit dem Bau des Dorfsaals Henseler Hof ein Ende fand.

Ein wichtiges Datum der Vereinsgeschichte markiert das Jahr 1974. Das Niederbachemer Männerballett mit dem Namen "Baachemer Kruttlabbesse" wurde gegründet. Der Name bedeutet im Hochdeutschen soviel wie "Die Krautjungen aus Niederbachem" und spielt auf die fünf Krautfabriken an, die in den 70er Jahren in Niederbachem beheimatet waren.

Die "Kruttlabbesse" sind eine eingeschworene Truppe, die mit zierlichen Trippelschritten und klassischen choreographien Persiflagen auf "Schwanensee" und ähnliches bieten. In der Damenwelt Niederbachems gelten vor allem die Auftritte an Weiberfastnacht als Knüller.

Die Ensemblemitglieder sprechen von sich selbst übrigens ganz selbstverständlich von "Ballerinen". Wichtige Gruppen im Verein sind außerdem die Frauentanzgruppe sowie die Kindertanzgarde mit Bambini-, Mini-, Maxi- und Showtanzgruppe.

Ein eigenes Kapitel der Vereinsgeschichte bilden auch die selbstgestalteten Karnevalswagen, Blickfang in jedem Karnevalszug. 1981 zum Beispiel wurde der Rolandsbogen nachgebaut.

Die laufende Session wird als Jubiläumssession zum 50-jährigen Bestehen ausgiebig gefeiert. An diesem Sonntag steigt ab 16 Uhr die große Prunksitzung mit Spitzenkräften des rheinischen Karnevals. Die Sitzungsleitung hat Erich Jürgen Koch.

Am Donnerstag, 27. Februar, eröffnet Monika Trimborn um 15 Uhr die Weiberfastnachtssitzung des Damen-Elferrats. Für Samstag, 1. März, um 20 Uhr laden die Rod-Goldenen zur "Saturday-Night-Feber-Party" zum Abtanzen zur Musik der 70er und 80er ein.

Am Rosenmontag, 3. März, startet um 14.11 Uhr der Zug ab Mehlemer Straße/Göllesheimer Weg. Danach trifft sich Jung und Alt zur "Megaparty" und Disco bei freiem Eintritt. Sämtliche Saal-Veranstaltungen finden im "Henseler Hof" statt.