Alaaf statt Abrissbirne in Bad Godesberg

Gäste bejubeln neues Prinzenpaar Thomas II. und Dorothée in der Stadthalle

Am Freitagabend bejubelten rund 750 Gäste das neue Bad Godesberger Prinzenpaar Thomas II. und Godesia Dorothée in der Stadthalle.

Am Freitagabend bejubelten rund 750 Gäste das neue Bad Godesberger Prinzenpaar Thomas II. und Godesia Dorothée in der Stadthalle.

Bad Godesberg. Am Freitagabend bejubelten rund 750 Gäste das neue Bad Godesberger Prinzenpaar Thomas II. und Godesia Dorothée in der Stadthalle.

Da haben die Godesberger ja noch mal richtig Glück gehabt: Im letzten Moment verhinderten die Karnevalisten, dass Bob der Baumeister mit viel Getöse bei der Proklamation die Abrissbirne schwang und die Stadthalle dem Erdboden gleich machte. Die Schweißperlen wichen alsbald den Freudentränen: Jubelnd feierten die mehr als 750 Jecken am Freitagabend bei der Proklamation ihr neues Prinzenpaar. Thomas II. (Wedde) und Godesia Dorothée wollen in ihrer Session „Ob Theater, Oper oder Hall, Jodesbersch fiert op jede Fall!“ alles geben.

Genügend Fans haben sie schon: So trugen ihre Freunde von ihrem Heimatverein Blau-Gold Muffendorf leuchtende Zylinder und begrüßten die beiden mit Konfettikanonen und einem Transparent. Dazu regnete es auch noch Strüßjer vom Elferrat. Der Triumphmarsch der beiden wollte einfach kein Ende nehmen, weil Thomas II. einfach jede, die sich ihm in den Weg stellte, bützte. Seine Godesia stand ihm da kaum nach, tanzte neben Küsschen links und rechts auch noch.

Dabei hätte den Tollitäten der kleine, freundlich lächelnde Handwerker aus dem Kinderprogramm tatsächlich fast noch einen Strich durch die Rechnung gemacht: Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke, ein Wolf im Schafspelz. Madame Bob wollte sich da wirklich nicht von einem „Mann in historischem Fummel“ – Festausschusspräsident Armin Weins – aufhalten lassen, bezeichnete die Tollitäten sogar abfällig als „Dornröschen und ihr Märchenprinz“.

Politik aufs Korn nehmen

Der Narrenschreck im Blaumann schwärmte schon von einem Zoo im Kurpark mit fast ausgestorbenen Polittieren wie dem Merkelino und dem Seehoferlein. Oder kommt doch eine neue Mehrzweckhalle neben den Teich, wo „Was Ihr wollt“ und Schuberts „Unvollendete“ gegeben werden? Selbst ein Abklatsch vom Kölner Dom wäre denkbar: „Einen Erzbischof haben wir schon. Da braucht man sich keinen neuen »rauszu-Picken«“, so der scheinheilige Arbeiter aus dem Rathaus, der von Temposündern im Straßentunnel Fotos machen will, um die Leute auf Facebook bloßzustellen. Diesem lärmenden Bürgerschreck legte Weins dann sein Handwerk und riet: „Mach dich auf der Bühne mal nützlich.“ Siehe da: Bob verwandelte sich justament in die zahme Simone, die Prinz und Godesia mit den Insignien der Macht ausstattete. So wurde durch den Gemeinschaftstanz aller Vereine das Kriegsbeil endgültig begraben.

„Nutzbare Räume für alle Vereine werden rar“, nahm der Prinz Bezug aufs Sessionsmotto und trat für eine offene Stadtkultur ein, in der der Karneval alles verbindet. Dorothée wollte schon 1994 Godesia werden, „es kam aber zunächst kein netter Prinz daher...“, verriet sie – bis Thomas zu Blau-Gold kam. Die beiden machten allen im Saal ein ganz persönliches Geschenk: 1000 von Familie und Freunden handgefertigte Stoffkonkarden, die als Vorläufer des Ordens im 18. Jahrhundert im rheinischen Karneval das Militär persiflierten. An den Tischen lagen auch noch Postkarten mit dem Konterfei der Majestäten und Sehenswürdigkeiten Godesbergs, die die bunt kostümierten Jecken in alle Welt verschicken sollen. Besonders klasse: die vielen Frank Zappas mit schwarzen Schnäuzern und aufblasbaren Gitarren zu Ehren von Rocker Thomas II.

Die Politik aufs Korn nahm et Rumpelstilzje als Ersatz für den erkrankten Guido Cantz und berichtete von den neuesten Skandalen aus dem Märchenwald. Das Publikum erlebten tolle Auftritte der hiesigen Garden und ein erlesenes Sitzungsprogramm: Wicky Junggeburth erinnerte an den Karneval von früher, während Dave Davis die Fans von Stand-up-Comedy bediente. Viel Musik und Formationstänze rundeten alles ab. Am Samstag ist dann das Kinderprinzenpaar an der Reihe.