60.000 Narren am Straßenrand

Godesberger Konfettizug: Der Polizei platzt der Motor

Säckeweise bringen die jecken Clowns die weiße Pracht unters Volk: Es gibt kaum einen Zuschauer, dem nachher nicht Konfetti aus Haaren und Kragen rieselt.

Säckeweise bringen die jecken Clowns die weiße Pracht unters Volk: Es gibt kaum einen Zuschauer, dem nachher nicht Konfetti aus Haaren und Kragen rieselt.

Bad Godesberg. 60.000 Narren haben in Bad Godesberg einen Zug mit Piraten, Raumschiff und jubelndem Prinzenpaar erlebt. Für ein paar Minuten blieb auf einmal alles stehen: Grund war der geplatzter Motor eines Streifenwagens.

Ausgerechnet der Polizei ist das einzige größere Missgeschick im Bad Godesberger Zug passiert: Als sie an der Spitze über den Theaterplatz fuhr, platzte beim Streifenwagen der Motor. Es dauerte etwas, bis das Technische Hilfswerk die Ölspur beseitigt hatte, alles stand still.

Als es weiterging, machten die Bruchpiloten vom Plittersdorfer Kamellebomber vor, wie es geht: Die Hände in Bewegung halten und kräftig Gummibärchen unters Volk werfen. Andere schmissen Konfetti aus Taschen und Eimern.

Am Anfang lieferten sich zwei Schiffe eine Aufholjagd: die „Maria“ mit dem Lannesdorfer Kinderdreigestirn samt den Fidelen Möhne als Piraten, dahinter das Raumschiff Enterprise, auf dessen Brücke sich die grünen Offiziere von Robinson Wellfit knubbelten. Sie hatten im Frachtraum lila Schokolade von der Milchstraße fürs Bodenpersonal gebunkert.

Für Sicherheit sorgten unzählige Polizisten und die Helfer bei den Rettungskräften. Schon früh versperrten Lastwagen die Zufahrtsstraßen nach Bad Godesberg, so dass die Autofahrer Umleitungen fahren mussten.

Das ganze Konzept ging auf, so dass Zugleiter Thomas Wedde äußerst zufrieden war. Die neue Anordnung der Gitter auf dem Theaterplatz sorgte dafür, dass dort nicht so viele der 60 000 Jecken zuschauten wie etwa an der Koblenzer oder Alten Bahnhofstraße – dort gab es keine Absperrung. Auf dem Platz moderierten Hans-Christoph Schäfer und Norbert Hengstler vom Godesberger Motor-Club. „Ich lebe seit Juni in Thailand und bin extra hergekommen“, sagte Hengstler. Rosenmontag geht's schon wieder zurück.

Mit einem Knopf im Ohr stand Wolfgang Schumer am Rand. Dass das aber eine Attrappe war, entlarvte der Schriftzug „Säckuritie“ auf seiner schwarzen Jacke: „Damit bin ich einmalig“, meinte er. Für Aufsehen sorgte ein Mann mit gruseliger Maske und Gummimesser als Chucky, die Mörderpuppe. Das fanden nicht alle toll, er machte manchem Kind sogar Angst.

Für pure Begeisterung am Karneval stand dagegen die Bananenflanke aus Bonn/Rhein-Sieg, ein Fußballverein für geistig Behinderte. „Wir sind das erste Mal auf Einladung des Festausschusses Godesberger Karneval dabei“, sagte Regina Häseler. Die Jüngsten sind sechs Jahre alt, Melina ist 21: „Es ist etwas Besonderes, mit den bunten Menschen mitzugehen“, sagte die begeisterte Fußballerin.

Bei den Fidelen Burggrafen war um 2.30 Uhr noch Holland in Not, weil ihnen 40 ihrer 70 Wagenengel abgesagt hatten. „Die wollten mehr Geld“, meinte Tanzoffizier Dirk Müller. Dank eines Aufrufs von Kommandant Alo von der Kall und einer nächtlichen Telefonkette fanden sich bis zum Zugstart an der proppenvollen Kurfürstenallee 60 Leute als Ersatz.

Alle Prunkwagen konnten mit. Dazwischen spielte der Musikkreis Holpe die „Superjeilezick“. Holpe? Wo ist das denn? Die Antwort gab Lukas Kade mit einer Landkarte auf seinem Bollerwagen: in der Nähe von Waldbröl.

Bis dahin war noch kein Pferd zu sehen. „Das wäre mir gar nicht aufgefallen“, sagte Flachlandtiroler Stefan. „Die haben eigentlich immer dazugehört. Es wird immer mehr reglementiert.“ Bei der Allgemeinen Karnevalsgesellschaft Prinzengarde (AKP) zog wegen der neuen Auflagen für Reiter ein Trecker einen Trabi mit der Kutsche dahinter: „Wir haben ein Pferd, das fährt“, meinte der Kutscher. Zwei Kaltblüter waren bei den 125 Jahre alten Stadtsoldaten doch dabei – kurz vor dem Wagen mit dem jubelndem Prinzenpaar.