Kooperation der Jecken Goten mit der Prinzengarde Vilich-Müldorf

Prinzen- wird zur Ehrengarde

Die Kostüme passen perfekt zusammen: Sowohl die Jecken Goten, als auch die Prinzengarde Vilich-Müldorf tragen Blau-Weiß. Hier sind sie gemeinsam beim Karnevalszug.

Die Kostüme passen perfekt zusammen: Sowohl die Jecken Goten, als auch die Prinzengarde Vilich-Müldorf tragen Blau-Weiß. Hier sind sie gemeinsam beim Karnevalszug.

Beuel/Bad Godesberg. Es war eine Zeit, in der den Jecken Goten fast das Lachen verging. Der Karnevalsverein hatte immer weniger Mitglieder, kaum Nachwuchs. Als dann die Garde komplett aufgelöst wurde, kam die Rettung ausgerechnet von der anderen Rheinseite.

Seit fünf Jahren ziehen die Goten mit der Prinzengarde Vilich-Müldorf durch Sitzungen, zu Zügen und Feiern. Diese Session durften sie erstmals bei der Godesberger Prinzenproklamation gemeinsam einmarschieren. Sobald die blau-weißen Tänzerinnen Godesberger Stadtgebiet betreten, werden sie zur persönlichen Ehrengarde der Jecken Goten. Bis es dazu kommen konnte, mussten allerdings einige Kritiker überzeugt werden. „Das gefiel natürlich nicht jedem“, sagt Haselow. Auf beiden Seiten gab es die Sorge, dass die Vereine daran kaputtgehen würden. Ganz abgesehen von der karnevalistischen Tradition, in die solch eine moderne Kooperation nicht zu passen schien.

„Aber der Zustand, den wir damals hatten, war nicht gut. Es musste sich etwas ändern.“ Haselow hatte Ähnliches in Köln mitbekommen und wollte dasselbe in seinem Verein versuchen. Bei Karnevals-Urgestein und Tänzerin Gabriele Böke traf er auf offene Ohren. „Uns ging es darum, eine richtige Vereinsfreundschaft zu schaffen, bei der alle profitieren“, sagt sie. Doch die möglichen Partner in der Nachbarschaft schieden direkt aus: Die Fidelen Burggrafen und auch die Kleevbotze hatten einen gesunden Verein samt funktionierenden Garden.

Auf der anderen Rheinseite bekam Anja Födisch, die Vorsitzende der Prinzengarde, davon Wind. „Irgendwer hatte gesagt, dass wir dadurch unsere Vereinskasse aufbessern könnten“, erzählt sie. „Und das Geld ist immer ein Problem gewesen.“ Nach den ersten Gesprächen war allerdings klar, dass es nicht um das Finanzielle gehen würde. Die Jecken Goten suchten eine Garde, die sie während der Session und bei den sozialen Aktivitäten wie Jugendfreizeiten und in der Seniorenarbeit unterstützt. Im Gegenzug wollte man sich dafür einsetzen, Auftritte zu organisieren. „Das ist für uns das Wichtigste“, sagt Födisch.

Denn das Karnevalsgeschäft sei für Tanzgarden schwierig geworden. Zum einen gibt es immer mehr Gruppen, die um dieselbe Anzahl von Auftritten buhlen. Oft tanzen die jüngeren Garden aus Vilich-Müldorf beispielsweise in Altenheimen oder Kindergärten umsonst. „Zum anderen wollen Publikum und Veranstalter sehen, wie Mariechen akrobatisch durch die Luft geworfen werden. Das ist mit unserer Mädchengruppe aber nicht so möglich wie bei anderen, die Männer dabei haben.“ Zur Zeit gibt es 95 tanzende Kinder, Jugendliche und junge Damen im Alter von drei bis 28 Jahren, unterteilt in fünf Altersgruppen.

Obwohl die beiden Vereine, deren Farben blau-weiß sind, nun oft zusammen auftreten, bleiben sie eigenständig und souverän. „Das haben wir schon zu Beginn festgemacht“, sagt Haselow. So tauschen sich die Vorstände auch aus, wenn die Mitglieder im jeweils anderen Verein aufgenommen werden wollen. „Dadurch verhindern wir, dass es Abgänge gibt.“ So sind kürzlich zwei Damen bei den Jecken Goten Mitglieder geworden, weil sie an den wöchentlichen geselligen Abenden im Zeughaus teilnehmen wollten. Die gibt es in Vilich-Müldorf nämlich nicht.

Auch wenn es anfangs viel Kritik gab: Mittlerweile hat sich die Kooperation zu einem Modell entwickelt, das Schule machen könnte. „Aber nur wenn die Vereine sich öffnen, etwas Neues ausprobieren und fair zueinander sind“, sagt Anja Födisch. Die Jecken Goten konnten erstmals seit Langem wieder mit einer eigenen Garde bei der Prinzenproklamation einziehen. Und die Prinzengarde so beim Gemeinschaftstanz der Godesberger Garden mitmachen.