Treue Fangemeinde von zehn bis 90

Jodesberger Junge sind eine feste Größe im Karneval. Ihr bekanntester Hit ist "Ons Heimat es Bad Godesberg".

Bad Godesberg. Wenn Toni Schlotterbeck, der seit 35 Jahren mit den Jodesberger Junge auf der Bühne steht, an die skurrilsten Auftritte seiner musikalischen Laufbahn zurückdenkt, fallen ihm unzählige Geschichten ein. Eine Gruppe indischer Studenten und ein schlecht koordinierter Veranstalter sind ihm und seinen Bandkollegen dabei besonders in Erinnerung geblieben.

Schon bei den Pfadfindern hatten Toni, sein Bruder Rolf und Rudolf Bous musiziert. Anlässlich einer karnevalistischen Anfrage gründeten sie Ende 1976 "mit Texten meiner Mutter, einer Gitarre und einem Kofferverstärker" eine Band, die auch mehr als drei Jahrzehnte später aus dem regionalen Karneval nicht mehr wegzudenken ist und die über eine "treue Fangemeinde von zehn bis 90" verfügt.

Seinen ersten Auftritt absolvierte das Trio in der "Gemütlichen Ecke" in Lannesdorf. Das Honorar: 60 Mark. "Im Anschluss haben wir sechs Zehn-Mark-Scheine in die Luft geworfen und uns gewundert, wie man mit so etwas Geld verdienen kann", verrät Schlotterbeck.

Noch in der Frühphase verschlug es die Gruppe nach Südindien, wo sie einer Gruppe Studenten auf einer Silvesterparty das rheinische Liedgut näherbrachten. Schlotterbeck: "Beim Versuch zu schunkeln, sind einige von der Bank gefallen".

Auch aktuell spielen die Musiker zahlreiche Konzerte außerhalb Bonns, allerdings in neuer Besetzung. Nachdem Bous 2002 und Rolf Schlotterbeck 2006 aus gesundheitlichen Gründen ausgestiegen sind und die "Junge" in den vergangenen 15 Jahren immer wieder Verstärkung erhielten, begeistert Frontmann Toni mit Arno und Jürgen Schlotterbeck, zwei Söhnen Rolf's, Oliver Rausch, Harald Beusing, Murphy Mörsdorf und Kai Schronen das Publikum innerhalb und außerhalb der Session.

"Bis vor sechs Jahren waren wir eine Gruppe, aber jetzt sind wir eine Band", erklärt Mörsdorf die musikalische Modernisierung, an der sich jedes Mitglied gleichermaßen beteiligt. Zu hören ist dies auf der aktuellen CD "Schön", an der auch "Höhner"-Mitglied Jens Streifling als Produzent mitwirkte. Und dank der Hilfe mindestens dreier Roadies ist das Ganze auch live in Sitzungssälen, in Kneipen, wie auf der aktuellen Tour durch Bonner Gaststätten, oder auch auf Benefizkonzerten, beispielsweise dem Plittersdorfer Mühlenstraßenfest, zu erleben.

Doch auch in einem leeren Saal haben die "Jodesberger Junge", die in den 35 Jahren unter anderem den Heinz-Rech-Preis für Nachwuchskarnevalisten und den Bonner Löwen gewonnen haben, bereits gespielt. "Bei einem Auftritt in Gießen hatte der Veranstalter das Datum falsch kommuniziert und kein Mensch war da. Dann haben wir mit den anderen Künstlern, dem Koch und den Bedienungen ein Unplugged-Konzert in der leeren Halle gespielt", berichtet Schlotterbeck.

Der Titel ihres bekanntesten Hits lautet "Ons Heimat es Bad Godesberg". Diesen bekamen die musikalischen Botschafter Bad Godesbergs einst von der Familie Schneefeldt geschenkt. Seitdem verbreiten sie "unsere Godesberger Nationalhymne" auch bundesweit. Während die Stimmung in Berlin stets großartig sei und das Publikum in Büsum den "Junge" gerne mit Korn-Bowle in Wassergläsern zuproste, habe man sie und die rheinische Mundart in Heidelberg schlichtweg nicht verstanden, wie sie schmunzelnd gestehen.

Trotz unvergesslicher Momente in fernen Orten achtet die Band darauf, dass die Zahl der Auftritte nicht überhandnimmt. "Wir hatten auch Anfragen, ob wir auf Kreuzfahrten spielen wollen, aber das lässt sich mit unseren Berufen nicht vereinbaren", merkt Frontmann Toni an, der weiß, dass von der Musik alleine die wenigsten Bands der Szene leben können. Darum verdienen die Bandmitglieder ihr Geld als Rechtsanwaltsreferendar, Glas- und Fensterbauer, Reiseverkehrskaufmann oder Verwaltungsangestellter.

Einem derart überschaubaren Publikum werden die "Jodesberger Junge" 2012 wohl nicht mehr gegenüberstehen. Denn im Jubiläumsjahr plant die Band neben der Veröffentlichung einer "Best of"-CD mit neu arrangierten Stücken auch drei besondere Konzerte.

Während der Termin für das Sommerkonzert im Berkumer Steinbruch noch nicht terminiert ist, dürfen sich die Fans auf die Jubiläumsshow am 2. Oktober in der Stadthalle und auf das Silvesterkonzert in der Kleinen Beethovenhalle freuen. Bis dahin sind sie auf den Karnevalsbühnen der Region unterwegs und am Mittwoch um 21 Uhr im "Setzkasten" zu hören.