Weniger Sitzungen

Weiberkarneval in Bad Godesberg in der Krise

Das war einmal: Mädchensitzung der Stadtsoldaten in der Stadthalle. Erstmalig findet dieses Sitzung in diesem Jahr nicht mehr statt.

Das war einmal: Mädchensitzung der Stadtsoldaten in der Stadthalle. Erstmalig findet dieses Sitzung in diesem Jahr nicht mehr statt.

Bad Godesberg/Wachtberg. Nur noch zwei große Sitzungen gehen in diesem Jahr an Weiberfastnacht in Bad Godesberg über die Bühne. In Wachtberg sind die Feiern jedoch beliebt wie eh und je.

Mit der Weiberfastnacht beginnt die Hochphase der Session – normalerweise, denn in diesem Jahr müssen mehrere Bad Godesberger Karnevalsvereine ausgerechnet am Donnerstag auf ihre traditionsreichen Veranstaltungen verzichten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Im Ländchen sieht es allerdings ganz anders aus.

Die Damensitzung der Karnevalsgesellschaft Fidele Möhnen aus Lannesdorf könnte in diesem Jahr vielleicht zum letzten Mal stattfinden, da der Dorfsaal verkauft werden soll. Solange der neue Käufer nicht feststeht, könnten keine Aussagen über die Zukunft der Veranstaltung getroffen werden, sagt Vorsitzender Oliver Brenner und räumt ein: „Einen anderen Saal zu finden, wird für den Verein sehr schwierig sein.“

Die KG Kleffbotze haben die Reißleine gezogen, weil ihnen die Servatiushalle für die Damensitzung an Weiberfastnacht nicht mehr zur Verfügung steht. Die Schulleitung hat Eigenbedarf angemeldet, weil die Servatiusschule an dem Tag selbst Karneval feiert und die anderen Räume dafür nicht ausreichen. KG-Chef Wolfgang Krüger zeigt sich enttäuscht über den Ausfall der Veranstaltung. Wie bei anderen Hallen gelte auch bei der Servatiushalle die Regel, dass sie nur Dritten überlassen werden kann, wenn sie nicht sportlich oder schulisch benötigt wird.

Keine Besserung für nächste Session

Nächste Session sieht es nicht besser aus. Um eine erneute Kollision mit der Schule zu vermeiden, wollen die Kleffbotze die Wiever für den 2. Februar einladen. Doch da schunkeln auch die Wiesse Müüs im Hotel Maritim. Krüger befürchtet, dass seine Sitzung „zum B-Programm“ verkomme. Trotzdem läuft der Kartenvorverkauf schon, wenn auch „um einiges schwächer als sonst“, so Krüger. Was die Zukunft bringt, weiß er noch nicht. Er blickt allerdings auf eine Erfolgsgeschichte zurück: Die Weiberfastnacht der KG Kleffbotze war 30 Jahre lang ausverkauft. Die Konkurrenz durch große Vereine wie die Wiesse Müüs wird vom Festausschuss Godesberger Karneval bestätigt.

Die Platzhirsche haben mehr Besucher, mehr Geld und können so bekanntere Künstler einladen als die kleinen KGs. Das allgemein gesunkene Interesse am traditionellen Sitzungskarneval verstärke den Abwärtstrend. Laut Festausschuss bestehe die Schwierigkeit darin, dass die jüngere Generation einen Partykarneval bevorzuge und ein großes Angebot an Tanz- und Musikveranstaltungen auch außerhalb der eigentlichen Karnevalszeit gewohnt sei. Das bestätigen auch die Godesberger Stadtsoldaten, die – wie berichtet – erstmals ihre schwach nachgefragte Mädchensitzung aus dem Kalender gestrichen haben.

 

"Karneval war ein soziales Event"

Bei der Allgemeinen Karnevalsgesellschaft Prinzengarde (AKP) gehört die Damensitzung schon lange nicht mehr zum Programm – so wie seit fünf Jahren die Prunksitzung. Vorsitzender Louis Salz erklärt das mit einer Mischung aus nachlassendem Interesse des neuen Publikums am Sitzungskarneval, den immer teurer werdenden Gruppen und einem Überangebot an Veranstaltungen. „Daher ist es schwer, als kleiner Verein mitzuhalten“, sagt Salz. Auch gebe es keine starke Kundenbindung mehr: „Karneval war ein soziales Event“, erklärt er.

Karnevalisten gingen nicht nur zu einer Sitzung, sondern zu mehreren und trafen dort ihre Bekannten. Heute pickten sich die Besucher nur bestimmte Veranstaltungen heraus. Wegen der jüngeren Leute gehe bei den Veranstaltungen der Trend weg von Rednern und Tanzgruppen hin zu Musikgruppen. Die Prinzengarde habe diese Tendenz schon vor einigen Jahren für sich erkannt und deshalb den jährlich stattfindenden Maskenball auf der Godesburg eingeführt.

"Viele wollen eher feiern"

„Es ist nicht immer einfach mit den jungen Leuten, viele wollen eher feiern“, sagt Obermöhn Karin Hermann von den Berkumer Möhnen aus Wachtberg. Doch deren Programm begeistert Jung und Alt, was der gute Kartenvorverkauf beweist. Den Erfolg ihrer Weiberfastnachtssitzung erklärt Hermann auch mit der dörflichen Struktur Wachtbergs: „Man kennt sich und kriegt viel mehr mit“, sagt sie. Auch bei den anderen Wieversitzungen im Ländchen wird weiterhin gern gefeiert und gelacht.

Doch gänzlich verzichten müssen die Bad Godesberger auf Sitzungen nicht. Nicht nur die Lannesdorfer Möhnen, auch die Muffendorfer Bergfunken feiern wie gewohnt in der Kleinen Beethovenhalle.