Aegidienbergs Gloria unterm Federbusch

"Wenn du den Präsidenten machst, dann machen wir 'ne Ehrengarde." Sprachen's, vier edle Recken - und Jecken - aus Aegidienberg. Und machten es nun, da der seinerzeitige Vollblut-Prinz ihrer Karnevalsgesellschaft Klääv Botz, Helmut II., zum Präsidenten gereift ist, mit ordentlich Verstärkung durch sechs Gleichgesinnte wahr.

Aegidienberg. "Wenn du den Präsidenten machst, dann machen wir 'ne Ehrengarde." Sprachen's, vier edle Recken - und Jecken - aus Aegidienberg. Und machten es nun, da der seinerzeitige Vollblut-Prinz ihrer Karnevalsgesellschaft Klääv Botz, Helmut II., zum Präsidenten gereift ist, mit ordentlich Verstärkung durch sechs Gleichgesinnte wahr.

Am 12. im Elften wird es eine Premiere für beide Seiten: Wenn Helmut Fuchs im Jahr zwei nach der eigenen Regentschaft bei der Proklamation der Nach-Nachfolger durch das Programm führt, hat die Ehrengarde der KG Welturaufführung. Sie ist etwas dezimiert, diese Truppe, die da am Mittwochabend im Bürgerhaus zur Probe eintröpfelt. Tobias Kessel, der Mann für den Flic Flac, hat sich den Fuß verletzt.

"Schafft der Tobi das? Ist der rechtzeitig fit?" fragt KG-Vorsitzender Heinz Kälber in die Runde. "Klar", kommt es spontan zurück. Und grinsend: "Helmut, kannste dem nicht zur Sicherheit irgendeine Spritze geben?" Helmut Fuchs, Arzt von Profession, verneint lachend, während er mit sichtlichem Vergnügen dem Training der Neun folgt. Spaß, den haben auch die Neu-Gardisten.

Es darf gelacht werden in dieser Runde, für die Sebastian Weber, Martin Heimbach, Dennis Schug und Stefan Stöpel als Jux mit gleichen Verkleidungen als Gardisten bei Sitzungen den Grundstein legten. Prompt kommentieren die Neu-Tänzer, die schon ganz schön in ihre Ausstattung investiert haben, angesichts horrender Preise vorerst aber mit geliehenen Uniformröcken vorlieb nehmen müssen, lachend einen Fauxpas ihres Kommandanten Roland Schramm: Im Eifer des Tanz-Gefechtes will dessen Säbel einfach nicht in den Schaft.

Doch auch die anderen kämpfen mit der Tücke des Objekts, nicht mit dem Säbel - ein solcher ist alleine dem Kommandanten vorbehalten - , sondern mit Holzgewehren, die mal den Hut mit Goldlitze vom Kopf zu fegen drohen, mal bei einer Hebefigur im Weg sind. Und die Horst Schlimbach derart perfekt geschnitzt hat, dass Polizisten bei einer Verkehrskontrolle über eines der guten Stücke auf dem Auto-Rücksitz stolperten.

Und das, nach einer Schrecksekunde, humorvoll nahmen: mit einem aufmunternden "Na, dann fahren Sie mal weiter." "Hier ist die Mitte. Sucht euch Orientierung." Carmen Fraund klopft auf die Bühne genau dort, wo die Vertiefung für das Geländer gelassen wurde. Aus sage und schreibe 26 aktiven Tanz-Jahren, davon 24 Jahre in der Prinzengarde der KG, weiß sie, wie wichtig solche nur vermeintlichen Kleinigkeiten sind, damit eine Formation klappt.

Und siehe da, "ihre" Jungs, Geburtsjahrgänge 1965 bis 1989 und beruflich breit gestreut vom Zivildienstleistenden über Handwerker bis zum Diplom-Physiker, versuchen es erneut. Mit Erfolg. Überhaupt, von kleinen Remplern mit dem ungewohnten rot-weißen Wuschel aus Spezialfedern auf dem Haupt abgesehen, klappt das richtig gut. "Sie schleift uns zweimal in der Woche", sagt Roland Schramm mit Blick auf die zierliche KG-Geschäftsführerin.

Denn wenn die schon nicht selbst die Stiefel schnürt, dann trainiert und choreografiert sie halt. Was der Truppe einiges abverlangt: Eine Trainerin mit so viel Erfahrung baut gerne überraschende, gar akrobatische Effekte ein. Das dicke Kompliment der "Chefin" gibt es, als die Jungs voll auf den "Helenenmarsch" konzentriert sind: "Die machen das sehr gut. Wir trainieren doch erst seit September."

Und fügt verschmitzt an: "Aber nervös sein werden die schon am 12." "Flatterhosen" nennt das lachend Heinz Kälber - ein witziges Bild angesichts des Dehnbarkeitstests, den die Truppe den hautengen Beinkleidern kurz zuvor in der Garderobe mit Handy, Portemonnaie und Schlüsselbund hat angedeihen lassen. Dann wird's ernst: Einmarsch, Aufstellung, Tanz eins, Tanz zwei. Schließlich muss alles sitzen bis zur Proklamation, bei der an eine Tradition angeknüpft wird.

"Die erste Garde der KG waren auch Männer", weiß Helmut Fuchs, der sich über weitere Gardisten freuen würde, wie ihm auch freundschaftliche Kontakte zu den Stadtsoldaten im Tal am Herzen liegen. Derweil erklingt zum x-ten Mal "Preußens Gloria". Und die langen Kääls folgen der zwei Köpfe kleineren Trainerin wie im Gänsemarsch in den Saal. Befürchtungen haben, dass das nicht gefällt, braucht "Aegidienbergs Gloria" sicher nicht.