Prinzenproklamation in Linz

Baffy I. tritt in die Fußstapfen von Vater und Großvater

Völlig aus dem Häuschen: Der Strücher Prinz Baffy I. steht auf einem Stuhl und feuert sein närrisches Volk an.

Völlig aus dem Häuschen: Der Strücher Prinz Baffy I. steht auf einem Stuhl und feuert sein närrisches Volk an.

LINZ. Der neue Prinz der Strünzer kommt aus einer durch und durch jecken Familie. Seinen Orden widmet er den Stadtsoldaten.

„Wir haben einen neuen Prinzen!“, verkündete Heike Paffhausen, Präsidentin der Großen Linzer Karnevalsgesellschaft, voller Elan im Hotel Weinstock – doch so laut sie auch rief, gegen den Lärmpegel, den die Strünzer Narrenschar mit ihrem frenetischen Jubel erzeugte, kam sie kaum an. Die Jecken feierten ihren Prinzen Baffy I. „vum Stippeföttche-Corps“, mit bürgerlichem Namen Thomas Baars, der triumphierend die Narrenpritsch in die Höhe streckte. Flankiert wurde der frischgebackene Regent von seinen Adjutanten Ralf „Shelly“ Scheid und Frank „Franky“ Keller.

Ein Kindheitstraum sei in Erfüllung gegangen, bekannte Baffy. „Jetz jeht et loss. Mir drei sinn heiß wie Frittefett op de Session un werden Linz zur Karnevals-Hochburg maache“, versprach er. Zunächst aber verwandelte er mit seinen Begleitern den Saal in einen Hexenkessel mit seinem Stippeföttche-Alarm-Lied „Marie, et litt jet in d'r Luff. Et rösch noh Fastelovend, un dat rösch jot“. Mit einem dreifachen „Linz, Fastelovend un alle Corps – Alaaf!“ hatte Heike Paffhausen die Proklamation eröffnet, nachdem alle Linzer Corps ein- und gleich über den Notausgang der Bühne wieder abmarschiert waren.

So hatten sie Platz gemacht für die Verabschiedung der ersten weiblichen Strünzer-Tollität, Prinzessin Yvonne I. „vom Renneberger Tal“, und deren Adjutanten Oliver Brockhaus und Thilo Henze. „Du hast uns vill Freud un Spass jebracht, hast alles richtich jemaat un die KG weit über die Grenzen des Städtchens toll repräsentiert“, lobte Heike Paffhausen die scheidende Tollität, die auf den Präsidentinnenposten zurückkehren wird.

Jede Menge Bützjer

Zunächst aber musste die Ex-Prinzessin die Bühne für das Corps der Stadtsoldaten um Kommandant Markus Paffhausen frei machen, das anlässlich seines 85-jähriges Bestehens seinen „Jubiläumsprinzen“ in den Saal führte. In einer Art Endlosschleife spielten die Musiker „Ach wär ich nur ein einzig Mal ein schmucker Prinz im Karneval“, denn Baffy I. brauchte – jede Menge Bützcher verteilend – sehr lange, bis er endlich den Saal durchquert hatte und auf der Bühne angekommen war.

Vorzustellen brauchte die Präsidentin den 48-jährigen Sohn von Edith und Rolf Baars, dem Linzer Prinzen Rolf II. aus dem Jahr 1987, nicht. Immerhin gehört der Angestellte der Sparkasse, der in der Filiale Linz arbeitet, schon seit 30 Jahren den Stadtsoldaten an. Die karnevalistische Tradition steckt schon lange in seiner Familie. Einer seiner Großväter regierte als Hans I. „von der roten Aster“ 1950 die Strünzer Jecken.

Auch Baffys Adjutanten sind langjährige Mitglieder des rot-weißen Stadtsoldatencorps und echte rheinische Frohnaturen. Sie mussten ihren Prinzen tatkräftig unterstützen, die Zeichen seiner Macht zu ergattern, die noch in den Händen des alten Dreigestirns lagen. Das war in blau-weißen Ringel-T-Shirts und mit schwarzen Augenmasken als Bankräubertrio in den Saal eingezogen und hatte das Prinzentableau und die Pritsch in der Sparkasse erbeutet. Allerdings hatten die drei das Narrenzepter samt Tresor geraubt, dessen Zahlenkombination Prinz Baffy jedoch schnell entschlüsselte.

So konnte er umgehend sein Sessionsmotto verkünden: „Ob links eröm, ob rächs eröm un dat mit vill Jeföhl, mir fiere Fastelovend mitten im Gewöhl“. Seinen Orden, den er am Proklamationsabend bereits großzügig verteilte, zieren natürlich zwei Stippeföttche-wibbelnde Stadtsoldaten.