Zoch in Bad Honnef

Comicüsse, Flammentöter und Feuerteufel

Bad Honnef. Durch Bad Honnef hat sich am Sonntag ein närrischer Umzug mit viel Lokalkolorit geschlängelt.

Rhöndorfer Flammentöter im Zoch: Einen Zeitsprung um hundert Jahre gab es am Sonntag im Honnefer Karnevalszug, feiert die Rhöndorfer Feuerwehr doch ihren 100. Geburtstag. In prächtigen Flammenkostümen und in historischen Feuerwehruniformen waren die Rhöndorfer daher zu bewundern. Jüngster Wehrmann im schmucken Anzug war der fünfjährige Simon. Vizebürgermeister Peter Profittlich trug die Ausgehuniform seines berühmten Großvaters Peter Profittlich.

Ein original „Oldtimer“ war auch der Anzug von Walter Bechthold, der vor 50 Jahren in die Rhöndorfer Löschgruppe eingetreten war und den ersten Ausgehmantel seiner Karriere noch einmal angezogen hatte, ähnlich wie der frühere Löschgruppenführer Hans-Heribert Krahe. Auf dem Wagen der KG Ziepches Jecke trugen die elf Senatoren Feuerwehrhelme aus der Gründungszeit der Wehr. Die Aufschrift auf dem selbstgebauten Drehleiter-Wagen erklärte die Aufgabe der Jubilare: „Sick 100 Johr für üch doh!“ Allerdings hatten sich auch drei Feuerteufel – Christa Behr, Mia Olberich und Julia Becker – unter die Truppe gemischt. Wie wertvoll und schön das ist, was die Rhöndorfer Feuerwehr schützt, zeigten die Ziepches-Wagen mit großen Gemälden. Und auf den Buttons, die verteilt wurden, kämpft vor dem Drachenfels der Feuerwehrmann gegen den Drachen.

Bunt natürlich die rund 500 Comicüsse, die wieder mit allen Wagen des Circus Comicus unterwegs waren. Sie neckten die vielen knatschbunt verkleideten Jecken am Zochweg, verteilten Süßigkeiten. Der fliegende Clown schwebte über den Köpfen der Zuschauer. Seifenblasen flogen und die Konfettikanone pustete den Mädels vom Halt-Pol-Damen-Elferrat bei der Vorbeifahrt bunte Tupfer ins Haar. DJ- und Barwagen, Feuerwehrwagen, Grill- und Kinderwagen und auch Hochrad und Oldtimer fehlten nicht. Ohne diese herrlich verdötschte Truppe wäre der Zoch nur halb so schön.

Alle Honnefer Gesellschaften waren dabei. Halt Pol verteilte Würstchen und Suppe aus der Gulaschkanone von Chefkoch Daniel Hübbeler. Um die zweieinhalb Tonnen Kamelle hatten die Halt Pöler geladen. Sämtliche Tanzgruppen der KGs präsentierten sich bis hin zu den Kieselsteinen, die wieder Moulin Rouge von Paris mit sich führten. Herrlich die Steppenfründe, vom kleinen Gorilla bis zum stolzen Löwen. Ihr skeptisches Motto „Honnef – et löwt! – Löwt et?“ Löwenstark auch die Löwenburgschule, die Pänz spielten ersten Schultag. Die Küfer-Jupp-Gäste hatten sich des Geschäfte-Sterbens genommen. Auf ihrem Wagen hieß es „Die Innenstadt is duud, ävver us Küfer Jupp lääv!“ Läden, die es längst nicht mehr gibt, waren rund um den Wagen aufgemalt. Dafür thronte oben das Kiez-Kaufhaus und der letzte Kunde lag auf dem Totenbett. Kommentar: „Die spinne im Rathaus!“

Der Wassersportverein war mit Boot unterwegs: „Loss mer fiere un jet trainiere!“ Beim Allgemeinen Turnverein Selhof hieß es: „Wer den Muskelkater spürt, der hat wirklich trainiert!“ Der TV Eiche turnte im Zoch herum. Den Dragons geht es zwar sportlich nicht so ganz gut, aber mit Humor packen sie auch dieses Tief. Die verteilten Tulpen waren in der Vereinsfarbe Orange. Das Tanzcorps „Sackmarie“, quasi das Männerballett des Zugs, hatte wieder ein Flugzeug geordert. Sie verrieten: „C'est la vie!“

Noch ein Jubiläum: 50 Jahre ist die THW-Jugend. Die Jugendlichen warfen vom Wagen eifrig Kamelle. Das Cura-Krankenhaus war in Candys Wunderland unterwegs – knatschbunt der prächtige Wagen und die Jecken. Die Selhofer Junggesellen waren dabei. Die KJG Bad Honnef forderte: „Laßt die Affen aus dem Zoo!“, die KJG Rhöndorf suchte Walter aus dem Wimmelbuch und die Selhofer waren auf dem Riesenrad. Toll wieder die Jecke Piraten. Der Club im Club durfte zum 25. Geburtstag den Zoch beschließen. Auf ihrem Feuerwehrwagen hieß es: „Wir löschen das Feuer von innen heraus!“ Noch aber brennt das Karnevalsfieber ...