Das Herz der Prinzessin schlägt für Selhof

Große Selhofer Karnevalsgesellschaft überzeugt mit einem tollen Programm - Willi Reins kehrt in die Bütt zurück

Selhof. Als Rasselbanden-Mädel wirbelte sie schon mit drei Jahren über die Bühne des Saals Kaiser. Nun kehrte sie als Prinzessin zurück. Und die Selhofer feierten sie, als wäre es ihre eigene. Der Besuch Ihrer Lieblichkeit Simone II. (Gerlach) war einer der Höhepunkte der Prunksitzung der Großen Selhofer Karnevalsgesellschaft.

Die LiKüRa-Prinzessin hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz randvollen Terminkalenders dahin zurückzukehren, wo sie 17 Jahre lang ihre Erfahrungen mit der fünften Jahreszeit sammelte. "Es ist ein Traum, hier in Selhof als Prinzessin zu stehen", gestand sie dem enthusiastischen Volk. Ebenso begeistert erinnerte sie an ihre Auftritte mit der Rasselbande und mit dem Tanzcorps der Gesellschaft.

Unten im Saal kletterte derweil Uschi Brodesser auf ihren Stuhl, die Frau, bei der Simone II. die ersten Tanzschritte erlernte, und winkte der närrischen Majestät zu. "Sie hat mir gesagt, genieße die Zeit als Prinzessin, es ist traumhaft schön. Uschi, du hast recht", rief die Regentin ihrerseits von der Bühne aus der ehemaligen Siebengebirgsprinzessin zu.

Vor sieben Jahren hatte es Simone II. zur LiKüRa-Ehrengarde verschlagen. Dort machte sie die Blitzkarriere zur Prinzessin. Aber ihr Herz schlägt auch für Selhof. Das Tambourcorps Frei Weg begleitete auf heimischem Terrain die hübsche junge Dame in ihrem stilvollen Ornat mitsamt dem Gefolge, unter das sich diesmal auch die Eltern und Bruder Markus als Fahnenträger gemischt hatten. Ein Genuss für Selhofs Präsident Stefan Meyer: von Ihrer Lieblichkeit erhielt er den Orden samt Bützchen.

Dass auch ihre Nachfolgerinnen der ganze Stolz der Blau-Weißen sein dürfen, bewiesen die Mädchen eindrucksvoll. Die Rasselbande und die Weißen Sternchen sorgten nach dem Einzug des Elferrats für einen fulminanten Sitzungsbeginn.

Herrlich, wie der Nachwuchs über die Bühne wirbelte. Eine Augenweide. Bemerkenswert auch Tanzoffizier Manuel Hoffmann und Mariechen Jessica Mastallerz mit ihren Hebefiguren. Das Tanzcorps Blau-Weiß der KG bot ziemlich am Sitzungsende einen weiteren Beweis, dass in Selhof eine Talentschmiede in Sachen Tanz steht.

"De Selfe setzen op Jugend", bezog sich Willi Reins gerade auch auf diese Gardemädchen der Gesellschaft. Der 83-Jährige kehrte in die Bütt zurück. "Ich ben ene ahle Böggel, ich wor et lang net me he, de Knoche dun weh", meinte das Selhofer Urgestein, das 1951 erstmals lokale Ereignisse aufs Korn nahm. Auch ihn verabschiedeten die Jecken mit einem dreifachen Selef alaaf.

Noch ein Urgestein wurde hoch zum Elferrat "zitiert". Friedel Faber mit seiner Frau Maria. Da hatten die Narren im Saal das Original, das es als "Selhofer Lexikon" auf den Sessionsorden geschafft hatte, nun auch original vor sich. Heinz Pfälzer, der Ordenmacher der KG Blau-Weiß, stellte ihn dem Publikum humorvoll vor. Faber hatte doppelten Grund zum Feiern: Um Mitternacht konnte er auf seinen Geburtstag anstoßen. Er wurde 76.

Wahnsinnig komisch: Eigengewächs Ulla Efferoth. Die "Klofrau" war schnurstracks im weißen Kittel und mit Gummihandschuhen von draußen auf die Bühne gestürmt. Schnell ließ sie einen "Botze-Knopp" durch die Reihen gehen.

Statt einer Münze hatte ein Kunde damit "bezahlt". Während die Sauberfrau vom WC dem Täter auf der Spur war und noch so einige andere Begebenheiten aus ihrem Arbeitsleben zum Besten gab, mussten die Männer im Saal aufstehen und die Arme hochreißen. Eine Gaudi, aber ohne Erfolg. Zum Trost für die entgangene Entlohnung bekam die "Klofrau" aber noch zwei Bier von der Kellnerin gereicht, die sie unter dem Jubel der Jecken in einem Zug durch die Kehle rauschen ließ.

Raus ging's. Rein kamen noch zwei Selhofer, die eine Klasse-Schau lieferten. Zum Blind-Date hatten sich Uschi Brodesser und Fritz Warnke übers Internet verabredet. Endlich, nachdem der "Fritz" zunächst vergeblich im "Schatten-Room" Keller nach einer Frau Ausschau gehalten hatte. Erkennungszeichen: Rose im Knopfloch. Köstlich, als "Fritz" mit der "einsamen Jungfrau" im Tangoschritt über die Saalbühne schob. Da kullerten die Lachtränen. "So ein Mann, so ein Mann ?"

Und solche Frauen: Die "Old Stars" sorgten auch auf heimischen Parkett für eine Augenweide. Bejubelt wurden ebenso die Klasse-Tanzcorps Rezag aus Porz und die Tanzbärchen aus Rheinbrohl mit Atemstillstandsgefahr fürs Publikum bei Pyramiden und Hebefiguren.

Die "4 Asse" aus Rheinbreitbach, die Krähenfelder, der lustige Rheinfelder, de 5 Flege, Et Schmitzje waren weitere Programmpunkte. Einen grandiosen Abschluss lieferte dann die 150 Mann starke Truppe der Regimentstrompeter aus Eschweiler: "Ja, das ist Karneval ?"