Sessionsstart der Honnefer Stadtsoldaten

Ein schiefer Knopf kostet einen Kasten Bier

Staats gemacht für die Session: Blitzsauber und adrett präsentieren sich die Stadtsoldaten beim Uniformappell.

Staats gemacht für die Session: Blitzsauber und adrett präsentieren sich die Stadtsoldaten beim Uniformappell.

Bad Honnef. Beim Uniformappell lässt Zeugwart Daniel Behr seine Mannschaft strammstehen - und wehe, er entdeckt einen Makel. Das flüssige Bußgeld wird allerdings später gemeinsam getrunken.

Norbert Grünenwald konnte es kaum erwarten. „Endlich“, jubilierte der Abteilungsleiter des Spielmannszugs der TV Eiche, „endlich ist die lange Wartezeit vorbei.“ Mit seinem traditionellen Uniformappell ist das Stadtsoldatencorps Bad Honnef in die Session gestartet: Nicht am Elften im Elften, dafür aber pünktlich um Elf Uhr Elf marschierte der Spielmannszug durch die Innenstadt zur Gaststätte Vierkotten, wo Grünenwald die Musiker erwartete. „Jungs, das sieht schon richtig gut aus“, begrüßte er sie.

Das sollte es aber nicht gewesen sein mit dem Uniformappell. Der erfolgte vor zahlreichen Karnevalisten, befreundeten Karnevalsgesellschaften sowie vor Bürgermeister und Ehrenstadtsoldat Otto Neuhof – und fiel deutlich strenger als Grünenwalds Begrüßung aus. Bekanntlich erinnern die Soldatenuniformen an Karneval an die napoleonischen Truppen, die einst das Rheinland besetzten. Auf die französische Besatzung antwortete der Rheinländer in der ihm eigenen Art und Weise: Er zog das Militär und seine Riten durch den Kakao.

An jeder Uniform was zu meckern

Mit militärischer Strenge zog Zeugwart Daniel Behr den Appell durch – und fand mit der Willkür eines Militärausbilders an jeder überprüften Uniform etwas zu meckern. Unter dem Gelächter der Zuschauer, darunter Passanten, die sich das Schauspiel nicht entgehen lassen wollten, zählte er auf: „Der Knopf hängt schief – das kostet dich einen Kasten Bier Strafe. Bei dir sind die Orden nicht poliert – ebenfalls ein Kasten. Deine Flöte ist von innen nicht sauber – das macht zwei Kästen.“ Und als er in einem Becken klebende Preisschilder entdeckte, verhängte er gleich fünf Kästen Bier als „Bußgeld“. Man wolle schließlich einwandfrei auftreten – und die fünfte Jahreszeit hindurch auch etwas zu trinken haben.

Die Prozedur ließen die Stadtsoldaten brav über sich ergehen. Eigentlich blieb ihnen aber auch nichts anderes übrig, fand der Uniformappell doch unter den Augen des höchsten Karnevalsrepräsentanten statt: Das Siebengebirgs- Dreigestirn mit Prinz Michael II. (Braun), Bauer Johannes (Hüppeler) und Jungfrau Winni (Winfried Kickartz) ließ sich den Aufmarsch nicht entgehen. Das Trifolium wird in dieser Session von der KG „Halt Pol“ gestellt, die 2018 ihr 144-jähriges (also 100 plus vier mal elf Jahre) Bestehen feiert.

„Mit euch gemeinsam durch die Session zu fliegen, ist für uns eine große Ehre und Freude“, erklärte Michael II. in staatsmännischer Manier und ließ ein dreifaches „Bad Honnef Alaaf“ folgen. Das bekräftigte auch die Vereidigung neuer Mitglieder und die Ehrung von Jubilaren: Stabsführer Herbert Kroppen wurde für 20-jährige Mitgliedschaft mit der silbernen Vereinsnadel ausgezeichnet, Anno Ehrsfeld wurde für 25 Jahre bei den Stadtsoldaten geehrt.

Aber genug der Worte: Moderator Grünenwald überließ das Feld dem Spielmannszug, der einen Einblick in sein breites Repertoire gewährte und die Jecken in der Fußgängerzone zum Schunkeln und Singen brachte. Der Karneval hat Bad Honnef nun endgültig erreicht.