Im Honnefer Kursaal brodelt das jecke Leben

Prunksitzung der ältesten Karnevalsgesellschaft Halt Pol zündet erneut ein Narren-Feuerwerk der Superlative - Bütten-Asse, Tanzcorps und Musikgruppen

Bad Honnef. In Köln heißt es: "Use Dom, der isse su schön, da werden sogar die Müsje hillich." In Bad Honnef dürfte spätestens am Donnerstag nach einer kurzen Nacht eine andere Formulierung die Runde gemacht haben: "In usem Kursaal, da isset su schön, da werden sogar die Müsje verdötscht."

Wenn? Ja, wenn sie denn reingepasst hätten, die Mäuschen. "Ich bin froh, dass ich einen reservierten Platz habe", scherzte prompt ein bestens aufgelegter Präsident Jörg Pütz am Elferratstisch beim Anblick der wogenden Masse bunt kostümierter Jecken.

Der Chef der ältesten Bad Honnefer Karnevalsgesellschaft, der KG Halt Pol, und sein vor und hinter den Kulissen emsig arbeitendes Team hatten allen Grund, sich zu freuen: Halt Pol ruft, Bad Honnef kommt - und im ausverkauften Kursaal brodelt nach der fulminanten Mädchensitzung auch bei der Prunksitzung das jecke Leben.

"In der Kürze liegt die Würze", das haben sich die Halt Pöler auf die Fahne geschrieben, angesichts der extrem kurzen Session. Würze, ja, davon gab es jede Menge an diesem Abend, der mit dem Einzug des Elferrates, flankiert vom Corps der Altstädter Köln von 1922, startete. Von Kürze allerdings war da keine Spur: Fünf Stunden dauerte das Spitzenprogramm, das die Jecken weiß Gott nicht nur mit der Vorfreude auf das Sahnehäubchen "De Räuber" bei der Stange und, wie es sich gehört, schunkelnd, und tanzend in Bewegung hielt.

Apropros "weiß Gott": Himmelwärts ging es mit der Stimmung im Saal, als - ein Trumpf von Literat Jens Wilke gleich zu Beginn - "Ne bergische Jung" die Bühne erklomm. Dass dieser Joachim Kardinal Meiner allzu gerne mit närrischem Augenzwinkern begegnet, ist bekannt. Dass das Jöppchen, das Diakon Willibert Pauels über sein kölsch-katholisches Schwarz stülpte, beim erzbischöflichen Oberhirten als "Lappenclown" durchgeht, mag auch noch sein.

Doch nicht mit dem "bergischen Jung": "Ich muss sie enttäuschen, Herr Kardinal, ich gehe in diesem Jahr als Domfenster", meinte das jecke Schlitzohr - und postwendend gab es die erste Rakete des Abends.

"Blom und Blömcher" schlossen da nahtlos an, ebenso einer der närrischen Köln-Exporte überhaupt, "Et fussich Julche". Das Energiebündel wirbelte in den Saal, fotografierte rechts und links "alles fürs Internet" und erklärte seinen verdutzten "Motiven": "Ich muss doch zeigen, ob das Publikum zu gebrauchen ist oder ob man es in der Pief rooche kann."

Klar, dass sich die Honnefer das nicht zweimal sagen ließen: Von der ersten bis zur letzten Note der jecken Straßenfeger war der "Kursaal-Chor" nicht zu bremsen. Marita Köllner dankte es mit einem Super-Vortrag, mit Autogrammen sogar auf Clowns-Hosen - und mit einem Blick unter die rote Perücken-Haartracht, als sie "Mongolen-Fürst" Jürgen Kutter selbige überstülpte.

Lokalmatadore sind sie, und längst ein Export, auf den die Halt Pöler nicht nur nach Worten von Präsident Pütz, der selbstredend nicht den Dank an alle Sponsoren vergaß, ohne die "solche Veranstaltungen nicht möglich wären", zu Recht stolz sind: "De Huusmeister vom Bundesdaach", so lautet seit 14 Jahren das Alter Ego von Axel Foppen und Frank Fander, die einmal mehr gekonnt die Politik auf die Schippe nahmen, ihr gar spitzbübisch die "Schuld" gaben an der kurzen Session: "Wir sollen wohl nicht so viel feiern, sondern tun, was die Deutschen am besten können: Kühme."

Davon konnte im Kurssaal keine Rede sein. Musik, Musik, Musik - während es im Saal mit "De Boore" sowie nach der Pause mit dem Einzug der Kölner Funken Artillerie blau-weiß von 1870 zackig weiterging, sammelte sich im Foyer schon die nächste Könner-Truppe: Akrobatischeres als von Sr. Tollität Luftflotte gibt es selten zu sehen auf den Bühnen der Region.

Apropros sehen: Dass der Elferrat beim "Stippeföttche" der Blau-Weißen begeistert mitmachte und dem Saal kurzerhand geschmeidig die Kehrseiten zuwandte, sorgte beim Organisations-Trupp an der Tür weniger für Unruhe, mehr für Vergnügen.

"Pack die Nummer weg, die sehen jetzt doch nix", lautete schmunzelnd der Hinweis, während sich ein weiteres Bühnen-As bereitmachte: "Dä Blötschkopp" Marc Metzger, ein Comedian, so das neudeutsche Wort, der wahrlich seinesgleichen sucht - und bei dessen Auftritten es sich stets empfiehlt, nicht just dann den Weg durch den Mittelgang anzutreten.

Noch einen draufzusetzen auf so ein Programm, da braucht es in der Tat die "Räuber". Gesagt, getan. Und das Fazit? Da empfiehlt sich eine Anleihe bei "Ne bergische Jung": "Kein Volk hat es so verinnerlicht wie der Rheinländer: Es heißt nicht entweder oder, sondern immer sowohl als auch." Ganz genau: Sowohl eine kurze Session - als auch ein Narren-Fest der Superlative bei Halt Pol!