Prunksitzung der Großen Erpeler KG

Jecken feiern ihren Prinzen

ERPEL. Bei der Prunksitzung der Großen Erpeler KG geht es um Flachlandtiroler und „Thermomixsorzismus“.

„Brauchtum und Tradition liegen mir am Herzen“, sagte Bernd I. (Walbrück) zu seinem Jeckenvolk bei der Prunksitzung der Großen Erpeler KG. „Weil die sich den veränderten Zeiten angepasst haben, stehe ich, der erste schwule Prinz von Erpel, hier mit meinem Mann Holger auf der Bühne. Danke, dass wir von Euch so genommen werden, wie wir sind!“ Unter riesigem Applaus und den Klängen des Larida-Marschs hatte das Tambourcorps die Tollität zuvor mit ihrem Hofstaat, der Prinzen- und Kindergarde, den Stadtsoldaten um Kommandant Felix Weber und dem Elferrat in die Mehrzweckhalle geführt.

Der Prinz kommt in Gartenschuhen

Zwar hatte der begnadete Dahlien-Gärtner seinen Spaten gegen die Narrenpritsch getauscht. Von seiner Gießkanne aber hatte er sich nicht getrennt. „In dat kleine Täschchen he am Ornat passt doch nichts rein“, erklärte der Prinz seinem Adjutanten Holger. Der hatte Bernd I. schnell noch die Prinzen-Lackschühchen angezogen, war dieser doch in derben, wenn auch roten Gartenschuhen eingezogen. Als traditionsbewusster Narrenführer verkündete Bernd I. dann sein Motto: „Bunt wie 'ne Rähnbooche, so fiere mer Kirmes, Wingfeß und Fastelovend en uns joldisch Erpel am Rhing!“

Nachdem er sein fünfköpfiges Team vorgestellt hatte, nahm er mit seinem Adjutanten beim Elferrat um Präsident Jörg Buchmüller Platz, der als Eisbrecher „Ne Ussjeflippte“ auf die Bühne holte. Nach 30-jähriger Ehe habe ihn seine Frau heute mit Netzstrümpfen, Korsage und Handschellen überrascht. „Fessele mich, und du kannst mit mir machen, was du willst“, habe sie gehaucht. „Und da bin ich zu Euch gekommen!“

„Steh auf, mach laut“, motivierte die Kindergarde beim nächsten Programmpunkt die bunt kostümierte Narrenschar, bevor die Kleine Prinzengarde die Jecken im Saal aufforderte: „Isch will danze, danze met dir!“ Mit einer donnernden Rakete wurden die jungen Gardistinnen verabschiedet, denen Silvia Rings als „Köbinchen“ auf der Bühne folgte. Als Aushilfskellnerin beim Pitter „Om Maat“ plauderte die Nachwuchsbüttenrednerin aus dem Nähkästchen, hatte sie an der Theke doch so einiges aufgeschnappt.

Der Flachlandtiroler

Ans „Bickendörfer Büdche“ entführte die Prinzengarde die Jecken nach dem Auftritt des „Flachlandtirolers“, der seine Erlebnisse aus dem Winterurlaub zum Besten gegeben hatte. Die Handtasche vor der Brust, die Beine in X-Stellung und das dunkle Oval rund um die wenigen, schadhaften „Zäng“ zum überdimensionale Kussmund geschminkt, eroberte dann „Et Tusnelche“ – voraussichtlich das letzte Mal – die Bühne.

„Wenn diese Frau die Krone deiner Schöpfung ist, dann danke ich dir für die Auferlegung des Zölibats“, soll der Pfarrer bei ihrer Hochzeit gesagt haben, ulkte Christel Heck, bevor nach dem Auftritt der „Urselhofer“ Musiker aus Selhof „Oma Finchen“ die Narrenschar unterhielt. „Un isch bin de Weinkönijin un dat at seit zehn Johr“, so das Erpeler Urgestein.

Mit ihren Geschichten vom „Hermännche un demm Maritzebill“, vor allem aber über den „Thermomixsorzismus“ und dessen „Priesterinnen“ strapazierte Claudia Stolte-Herdler das Zwerchfell der Narrenschar so sehr, dass die dringend eine Pause benötigte. Ansonsten hätte sie wohl kaum den Auftritt der „Gulaschkapell“ erlebt, die erst weit nach Mitternacht eine farbenprächtige und höchst vergnügliche Prunksitzung mit ihren heißen Rhythmen beendete.