Leiser Karneval

Selbst die Aegidienberger Tollitäten kommen im Räuberzivil

AEGIDIENBERG. Die KG Klääv-Botz setzt auf Entschleunigung und probiert ein neues Sitzungsformat aus – mit Erfolg. Die Stimmung bei "Us d'r Bütt" ist super.

Statt lautstarker Party lieber „back to the roots“: Nostalgie- und Flüstersitzungen sind im Kölner Karneval mehr und mehr im Kommen. „Da simmer dabei, dat ist prima“, dachte sich die Aegidienberger Karnevalsgesellschaft (KG) Klääv-Botz und lud erstmals zu „Us d'r Bütt“ ein – zu einer Sitzung im neuen Format, die den Namen „Sitzung“ auch verdient: gemütlich, mit ein bisschen Klaaf und „was fürs Auge“, mit vielen heimischen Kräften auf der Bühne und in der Bütt.

„Karneval klassisch und entschleunigend, ohne Pomp und Radau“, wie es KG-Präsident Oliver Fröhlke beschrieb. Einige wenige ausgesuchte Gäste aus der Region wie die Poppelsdorfer Schloßmadämchen, das Duo Knubbelefutz und Schmalbedaach sowie Thomas Cüppers als Et Klimpermännche machten das Rezept perfekt.

Es war ein Wagnis

Ein gewisses Wagnis war es schon, zu einer Sitzung unter der Woche einzuladen. Gespannt hatten die Verantwortlichen daher darauf gewartet, wie die neue Veranstaltung wohl angenommen wird – vor allem, da es in Aegidienberg im vergangenen Jahr keine Prunksitzung gegeben hatte. Doch kaum angekündigt, war das Interesse groß – zumal es anstatt des Eintrittsgeldes einen Mindestverzehr gab.

So freuten sich dann nicht nur Prinz Mirko I. und Aegidia Bettina I. riesig, „in so viele Gesichter schauen zu können“. Da das Ganze ja auch ohne „Pomp“ ablaufen sollte, hatten die Tollitäten ihr Ornat an diesem Abend zu Hause gelassen und mischten sich im „Räuberzivil“ unter ihr närrisches Volk.

Selbst den Elferrat hatte man durch Pappkameraden ersetzt – die echten Mitglieder waren zum Arbeitseinsatz hinter die Kulissen abkommandiert. Auch wenn es eine Sitzung der leisen Töne war, die Stimmung an den langen Tischreihen war bestens und ganz und gar nicht leise.

Dinner for Eleven

Schon der „Aperitif“ vor dem eigentlichen Sitzungsbeginn hatte den Jecken bestens gemundet: Präsident Fröhlke bat zum „Dinner for One“ oder besser gesagt zum „Dinner for Eleven“. Dabei kümmerte er sich ebenso hingebungsvoll um das leibliche Wohl der Papp-Elferräte auf der Bühne, wie in dem Originalsketch Butler James um seine Miss Sophie.

Im Anschluss gehörte die Bühne dem Spielmannszug und den Fünkchen der KG. „Wir haben hier in Aegidienberg so viel zu bieten“, schwärmte Fröhlke angesichts der vielen kleinen Mariechen und Tanzoffiziere, die mit strahlenden Gesichtern ihre Tänze präsentierten. „Was die Kleinen auf die Bühne bringen ist schon allerhand.“

Dem standen natürlich auch die Großen in nichts nach: Im Laufe des Abends begeisterten auch die Bergfunken, die Ehrengarde und die Prinzengarde mit ihren Darbietungen. Eigens aus dem Tal angereist war der Bad Honnefer Damenchor: 17 augenscheinlich sehr betagte, aber auch sehr fidele und sangeslustige Damen, die „voller Anmut, voller Zier“ auf der Bühne höchst vergnügliche Leedcher anstimmten – ein gelungener nostalgischer Gegenschlag gegen den Partykarneval mit seinen Drums und Beats.

Die Anmut ihrer Vorgängerinnen war den „Putzfrauen us Jillienberg“ zwar abhanden gekommen, dafür konnten die beiden aber zum großen Vergnügen des Publikums vortrefflich lästern und stänkern, zum Beispiel über die Männergrippe. Auch vor dem Thema Wechseljahre machten Elfriede Becker und Ulrike Jüngst nicht halt.

Eine Herausforderung für die Lachmuskeln war außerdem der Auftritt von Vadder Hein (Berthold Wallau) und seinem ziemlich blauen Schlumpf Bernie (Bernhard Ulbig), die das aktuelle Alltagsgeschehen in Aegidienberg aufs Korn nahmen.