Vom Elferratstisch aus der Uniform ins Ornat

Aktive der KG Klääv Botz halten die Identität ihrer Tollitäten bis Minuten vor der Proklamation geheim - Oliver I. und Aegidia Andrea I. leben seit "närrischen" elf Jahren in Rottbitze

Aegidienberg. "Das Prinzenpaar ist das A und O im Karneval", stellte Ehrenpräsident Paul Stockhausen fest. Bei der Karnevalsgesellschaft "Klääv Botz" stimmt diese Aussage gleich doppelt, denn die Vornamen des Prinzen und der Prinzessin werden in umgekehrter Reihenfolge genannt.

Tosender Jubel brandete im Bürgerhaus auf, als sich der Vorhang öffnete und die neuen Aegidienberger Regenten auftauchten: Es sind Prinz Oliver I. und Aegidia Andrea I. (Fröhlke). Die Überraschung war den wenigen Eingeweihten bestens gelungen, denn nur Minuten zuvor hatte Oliver Fröhlke, noch am Elferratstisch auf der Bühne gesessen.

Die Auftritte der vereinseigenen Tanzcorps hatte er genutzt, um die Uniform mit dem Ornat zu tauschen. Ähnlich war es auch bei der Prinzessin, die in letzter Minute in ihr prächtiges Kleid geschlüpft war. Von der Bühne stieg das Prinzenpaar hinab in den Saal, um ein Bad in der Menge zu nehmen, Hände zu schütteln und sich umarmen zu lassen.

"Gerhard geht - Oli kommt" begann Prinz Oliver sodann seine Antrittsrede, die er in der Bütt. In launiger Form erzählte er einiges über die Tage vor der Proklamation, über seine Probleme beim Strumpfhosenkauf, von denen ihm zunächst keine zusagte, aber auch über die Reaktion ihrer drei Kinder und der Eltern, die völlig unterschiedlich auf die Regentschaftsankündigung reagierten.

Dann kam der Moment, in dem er mit dem Zepter, dass im der Präsident Udo Krewinkel überreichte, vollends die Herrschaft über die Aegidienberger Narren übernahm. Ihre Regentschaft haben Oliver I. und Andrea I. in einem karnevalistischen Jubiläumsjahr angetreten: Vor elf Jahren sind die beiden von Wuppertal nach Rottbitze gezogen.

1998 trat Oliver Fröhlke in die KG ein, drei Jahre später seine Frau Andrea. Nur einen Monat später, im April 2001, wurde Oliver Fröhlke zum Vorsitzenden gewählt, seine Frau zur Schatzmeisterin. Diese Ämter bekleiden sie auch heute noch. "Die KG Klääv Botz ist etwas ganz Besonderes", lobte die in Himberg lebende Bürgermeisterin Wally Feiden die Vorzüge ihrer Heimatkarnevalisten.

"Sie haben jedes Jahr ein Prinzenpaar, drei eigene Tanzcorps und einen eigenen Spielmannszug, das hat keine andere Gesellschaft in Bad Honnef", untermauerte sie ihre Feststellung und wurde dafür mit dem ersten Orden des Abends belohnt. Auch Pfarrerin Birgit Henschel, die sich schon auf den traditionellen Gottesdienst mit den Karnevalisten in der evangelischen Kirche freut, gratulierte dem Prinzenpaar.

Eine besondere Überraschung hatte Pfarrer Jürgen Erdmann parat: Er lud Tollitäten und Karnevalisten zu einer Sonderführung durch den Kölner Dom ein, bei der sie auch Teile sehen, die den Teilnehmern normaler Führungen verschlossen bleiben. Bereichert wurde die Proklamation von einem bunten Programm, bei dem sich eigene Kräfte und Spitzenkräfte des rheinischen Karnevals ergänzten.

Der Spielmannszug begleitete zum Auftakt den Einmarsch des Elferrates, die Tanzcorps der KG wirbelten über die Bühne, und auch in der Bütt waren eigene Kräfte zu sehen und zu hören. Begeistert empfangen wurden auch die Tänzerinnen der Aegidienberger Sportfreunde. "Die Putzfrau aus Ründeroth" heizte mit ihrer Büttenrede die Stimmung mächtig auf, und der "Tulpenheini" tat ein Übriges.

Mit ihrem Kampf zwischen Klassik und Karnevalsmusik rissen die "Blechharmoniker" die Narren von den Stühlen. Und als die "Funky Marys" ihre Songs anstimmten, ging es endgültig hoch her.