Kinderzug in Selhof

Zug macht Selhof zum neuen Cape Canaveral

SELHOF. Der traditionelle Kinderzoch in Selhof war auch dieses Jahr wieder der Knaller - es startete sogar eine Rakete zum Mars. Das Dreigestirn war allerdings geschrumpft.

Die KJG Selhof zieht es ins All. Cape Canaveral oder Baikonur? Ach was, der Weltraumbahnhof der Zukunft liegt in Selhof. Die Katholische Junge Gemeinde des Ortes zündete beim Kinderkarnevalszug am Rosenmontag ihre erste Rakete. Und damit kennen sich Karnevalisten bekanntlich aus.

Bis ins Detail hatte die KJG ihre Mission geplant. Die Astronauten steckten in weißen Weltraumanzügen, startklar für Expeditionen zu fernen Planeten. Auf die Abschussrampe der Trägerrakete, die steil zum Himmel ragte und schon unter Dampf stand, hatten Max Raffauf, Christopher Irmgartz und Torsten Wolf himmlische Gemälde gesprayt: Marsmännchen und den Mars, Raketen und weit unten auf der Erde auch die Pfarrkirche Sankt Martin. Und damit die Marsbewohner wissen, wer da angeflogen kommt, stand auf der Rakete „KJG Selhof“. Ob die Selhofer Jugendlichen später auf dem roten Planeten auch Karneval feiern?

Halt Pöler verteilen Berliner

Glücklich und schwerelos wie im Weltraum kann sich jedenfalls das Siebengebirgs-Dreigestirn während dieser tollen Tage fühlen. Mit Einschränkung: Beim Siebengebirgszug hatte Bauer Johannes noch mit Prinz Michael II. und Jungfrau Winni Kamelle geworfen. Danach verordnete ihm der Arzt wegen eines grippalen Infekts für den Rosenmontag Bettruhe. Und so fehlte er in Selhof auf dem Prunkwagen der KG Halt Pol.

Prinz Michael hatte sicherheitshalber gegen die Kälte dicke Skisocken über seine weißen Strumpfhosen gezogen. Zusammen mit der Jungfrau bombardierte er die vielen hübsch verkleideten Jecken am Zochweg mit Süßigkeiten, ehe das geschrumpfte Dreigestirn dann auch beim Kinderkarneval auftauchte. Die große Truppe der Halt Pöler verteilte außerdem traditionell in Selhof Berliner an die Jecken am Straßenrand. 2000 Stück brachten sie unters Volk, die Pölchen reichten sie vom Jugend-Wagen herunter.

War das nun Majestätsbeleidigung? Ach was, Siebengebirgs-Prinz Michael sah es gelassen, dass der ATV Selhof, der jecke 111 Jahre alt ist, Alternative Tollitäten mit Verein (ATV) inthronisiert hatte – mit den Vorstandsmitgliedern „Prinz“ Florian Hambuch, „Ab-Bauer“ Michael Blank und „Aerobic-Jungfrau“ Olaf Beddies. Ihre Bilder zierten den Wagen des Turnvereins, der mit rund 60 Sportlern am Zoch teilnahm. Boxer mit blauen Augen und roten Nasen waren dabei, und an einem Barren ließ der ATV die Puppen turnen. Beide Kindergärten waren mit großen Gruppen mit von der Partie. „Kiga Sankt Martin im Zauberwald“: Kinder, Eltern und Erzieher zogen als Zauberer, Feen und Drachen durch Selhof. Bollerwagen waren als Zauberwald mit Bäumen hergerichtet.

Bilderbuch-Hüte für die Erwachsenen

Die Kita Unterm Regenbogen hatte sich Kinderbuch-Helden gewidmet: Luis kam als kleiner Vampir „Brave Socke“, Andreas als Froschkönig, Marit als Pippi Langstrumpf. Es gab Einhörner und Jim Knopf und andere Figuren. Die Erwachsenen trugen raffinierte Bilderbuch-Hüte. Allen voran: das Tambourcorps Frei Weg Selhof. Die Musiker in ihren höfischen Gewändern sorgten für die jecken Tön' nach Noten.

Und den Ton beim Zoch gab die Große Selhofer Karnevalsgesellschaft Blau-Weiß um Präsident Stefan Meyer an, alle trugen Musketier-Outfit. Die Rasselbande hatte einen neuen Bagagewagen für die Kamelle. Premiere beim Zoch feierten die Schelleböömsche, die neue Tanzgarde der KG. Am Schluss: Riesenkamelleschlacht für alle Pänz.