Tausende Jecke feiern

Zugteilnehmer versprühen pure Linzer Lebensfreude

LINZ. Der Rosenmontagszug in Linz besticht durch Farbenpracht und Ideenreichtum der Jecken. Von Steampunkern über Lucky Lukes bis zu Schneemännern ist alles dabei.

Zwei Schimmel hatten die Linzer Wagenbauer vor die zartblaue, alles andere als bescheidene kleine Kutsche gespannt, in der Yvonne I. „vom Rennenberger Tal“ mit ihren Adjutanten Oliver Brockhaus und Thilo Henze an der Einmündung der Martinusstraße ins „Sändchen“ am frühen Nachmittag thronte. Die Zügel hatten sie ihren Kindern Nele und Tjasse anvertraut, während vor dem Gefährt weitere Familienangehörige und Freunde als Löwenzahn mit gelbem Blütenschopf und als Pusteblumen mit silbernen Fallschirmchen Wurzeln schlugen.

Weit über eine Stunde mussten sie warten, bis die übrigen 45 Gruppen und Motivwagen an der Tollität vorbeigezogen waren, wobei die Spontanteilnehmer am Strünzer-Rosenmontagszug nicht berücksichtigt sind, die nur eine Etappe des knapp acht Kilometer langen Zugweges durch die Altstadt mitmachten.

Mehr als 1200 Teilnehmer

Dort hatte man schon seit dem frühen Mittag von allen Seiten Trommeln und Pauken gehört, deren Dröhnen immer wieder von lauten Fanfarenstößen übertönt wurde. Die bunten Corps der Stadt riefen mit ihren Musikzügen zum Sammeln für den zwei Kilometer langen Zug. Weit mehr als 1200 Personen nahmen am Zoch teil, darunter auch viele aus der Umgebung, allen voran die Clowns vom Tambourcoprs Erpel, dem die Steampunker vom Scooter Team folgten.

Für Yvonne I. ins Rennenberger Tal gewandert, ja sogar in dessen Teiche eingetaucht, war der Klaf-Klub Marienberg, um als Wassergötter mit goldenem Dreizack und als Nixen wieder aufzutauchen, während sich die Roniger Veedelsjecken auf eine Zeitreise ins Rokoko begeben hatten. Mit Pfauenfedern am ganzen Körper geschmückt hatten sich die Linzer Möhnen, hinter denen „Herz-Damen“ die Schwere Artillerie ankündigten, deren Senatoren auf dem massigen Kanonenwagen Platz gefunden hatten.

Die „frohsinnigen“ Vettelschosser Junggesellen waren wieder mit ihrem Rockabilly-Pub ins Tal gekommen, während ihre Freunde aus Lorscheid als Footballteam Karten für ihr nächstes Match feilboten. Weniger brachial ging es bei den Charleston-Schönen der Kasbacher Prinzengarde zu, die mit ihren langen, roten Fransenkleidern in die „Goldenen Zwanziger“ entführten. „Mädchen vom Rhein“ führten als Squaws ihre Mustangs im Luftballonformat am langen Zügel mit sich.

Schneemänner, Lucky Lukes und Partisanen

Die „Linzer Mädchen“ hatten sich in Schneemänner mit spitzer Möhrennase verwandelt und zu Kraken mit orangeroten Fangarmen war die Damentruppe der Grün-Weißen Husaren mutiert. Lucky Lukes bevölkerten den Saloon der Leubsdorfer Junggesellen. Schließlich gab es als Verpflegung Bananen und Berliner, Jemös un jett Sößes. Die Truppe des neuen Linzer Lebensmittelmarktes rollte den „Rest vom Fest“ in Einkaufswagen durch die Altstadt.

Die „Partisanen“ beschwerten sich: „In Hauptstadt, Ländle und am Rhein, nichts wird fertig, kann das sein?“ Die Sanierung der K11 fand Platz neben Großprojekten wie dem Berliner Willy-Brandt-Flughafen und Stuttgart 21. Das konnte den Jecken aber nicht die Laune vermiesen, schon gar nicht dem blau-wiessen Jubiläumscorps mit der ersten Linzer Prinzessin. Als die sich endlich auf den Weg zu ihrem jecken Völkchen machen konnte, hatten die Möhnen schon ihre Runde über den Marktplatz gedreht und die Stadtsoldaten sich bereits zum Buttermarkt vorgearbeitet.