Zeughaus der Beueler Stadtsoldaten

Alte Beueler Damenkomitee feiert 190-jähriges Bestehen

19.01.2014 BEUEL. Im Zeughaus der Beueler Stadtsoldaten haben gestern Männer höchstens die zweite Geige gespielt. Und das war nachvollziehbar: Das Alte Beueler Damenkomitee feierte 190-jähriges Bestehen, was bedeutet, dass die Weiberfastnacht auf der Schäl Sick genauso alt ist. Also feierten sich die Frauen zu Recht ausgiebig und ließen Männer nur zum Gratulieren zu.

Ob der rhetorischen Dominanz von Obermöhn Ina Harder und Kabarettistin Anka Zink saßen viele Männer mit verschränkten Armen im Publikum und hielten ihr Kölsch warm. Selbst Volker Wagner, ansonsten schlagfertiger Präsident des Bundes Deutscher Karneval, überbrachte nur huldvoll die besten Wünsche von der Dachorganisation und entschwand Richtung pfälzischer Heimat.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch zog sich geschickt aus der weiblichen Umklammerung. Er überschüttete charmant die Frauen mit Lob und gestand am Ende seiner Rede: "Ich bin stolz ein Möhnen-Mann zu sein." Will heißen: Da seine Ehefrau Hanne Hufschmidt Mitglied im Damenkomitee ist und deren Partner einst Möhne-Männer getauft wurden, gestand der OB öffentlich seine Verehrung der Weiberfastnacht ein.

Obermöhn Ina Harder wurde an diesem Festtag gefragt, warum die Weiber so eine krumme Zahl wie 190 Jahre feiern würde, das sei doch kein echtes Jubiläum. Die Antwort der Frontfrau der Weiberfastnacht kam kurz, knapp, aber unmissverständlich: "Weil wir Lust dazu haben."

An diesem Tag standen aber noch andere couragierte Frauen im Mittelpunkt: Ehren-Obermöhn Erna Neubauer und Mathilde Quenel wurden für 50-jährige Mitgliedschaft im Damenkomitee geehrt. Ehren-Obermöhn Evi Zwiebler und Gerda Drossel sind auch schon 40 Jahre beziehungsweise 45 Jahre dabei. Ina Harder bringt es auf 25 Jahre.

Außerdem zeichnete Dieter Wittmann, Präsident des Regionalverbandes Rhein-Sieg-Eifel, noch Patty Burgunder, Renate Sodoge und Erika Heunemann aus. Und Hans Hallitzky war auch ganz schön clever: Statt zu reden, stimmte der Kommandant der Beueler Stadtsoldaten die Hymne der Weiberfastnacht an. 300 Gäste sangen voll Überzeugung: "Mir han en Wäscherprinzessin".

Besonders viel Beifall erhielt - natürlich eine Frau - Lucie Claude. Die Französin aus der Partnerstadt Mirecourt war 1994 Wäscherprinzessin in Beuel und war eigens für den Empfang aus der Vogesenstadt angereist. Es gab ein herzliches Wiedersehen mit der fast 85-jährigen Erna Neubauer und mit dem damaligen Bezirksvorsteher Hans Lennarz. "Er ist mein Papa in Beuel", gestand Lucie.

Die Festrede hielt an diesem Tag Anka Zink. Als gebürtige Beuelerin hat sie Ahnung von der Weiberdomäne und erklärte den Männern: "Jedes Jahr an Weiberfastnacht stellt sich eine seelische Erschütterung bei den Männern ein. Warum? Weil sie zu der Erkenntnis kommen, dass sie an diesem Tag überflüssigen sind." Einige Mitglieder des "Beueler Häärekomitees" nickten anerkennend mit den Köpfen.

Typisch für den Weiberkarneval: Bevor die Frauen im Mittelpunkt standen, haben sie morgens einmal schnell 2500 Brote für die Gäste geschmiert. Apropos Brot: Die Bäckerei Schösser hat ein Möhnenbrot kreiert, dass derzeit im Geschäft in der Hermannstraße gekauft werden kann. 20 Cent des Verkaufspreises stiftet Wolfgang Schlösser an die Beueler Weiberfastnacht.

Info

Weitere Informationen zur Beueler Weiberfastnacht und die Veranstaltungstermine gibt es im Internet unter www.altes-beueler-damenkomitee.de (Holger Willcke)