Weiberfastnacht

Beueler Zug zieht Tausende bei strahlendem Sonnenschein an

Närrisches Treiben beim Karnevalsumzug in Beuel.

Närrisches Treiben beim Karnevalsumzug in Beuel.

Beuel. Mehr als 2800 Menschen sind beim Weiberfastnachtszug in Beuel mitgelaufen, darunter auch die Josefschule mit 300 Teilnehmern. Tausende Menschen verfolgten das närrische Spektakel.

Bären sind starke Wesen, eigentlich. Aber manchmal hilft alles nichts, da rollen die Tränen. So erging es dem fünf Jahre alten Lars in seinem Braunbärkostüm am Rande des Beueler Weiberfastnachtsumzugs auf der Siegburger Straße. Die Puppe, die er gefangen hatte, war einäugig. Das nahm den Jungen dermaßen mit, dass er sich erst von einem erwachsenen Zugteilnehmer trösten ließ. Und zwar mit einer Puppe, die keinerlei organischen Makel hatte. Nur eine kleine Episode am Rande, die in großes Glück mündete.

Die Sonne lachte, Wäscherprinzessin Franzi I. hatte sich nach eigenen Angaben „3000 Millionen Lagen Wäsche“ angezogen, um den kalten Temperaturen zu trotzen. Auch ihre beiden Wäscherinnen strahlten über das ganze Gesicht, als es dann um 9.45 Uhr endlich losging und sich der Tross in Bewegung setzte. Man war gut vorbereitet für diesen Tag. Zugleiter Joachim Mertens hatte immerhin 2396 Meter Zuglänge im Schlängelkurs durch die Beueler Straßen zu navigieren. 2843 Menschen liefen mit, 42 Zuggruppen und sechs Musikkapellen. Nur selten taten sich Löcher im Beueler Fastnachtsumzug auf.

Darunter waren rund 300 Teilnehmer von der Josefschule. Eigentlich geht die Schule nur alle vier Jahre mit, aber zum 200-jährigen Bestehen hatte man die Teilnahme um ein Jahr nach vorne geschoben und war aus dem üblichen Turnus ausgeschert. „Für ein Jubiläum darf man den Rhythmus auch mal unterbrechen“, sagte Schulleiter Sascha Zuber. Die goldenen Rettungsfolien, mit denen sich Schüler, Eltern und Lehrer in Schale geworfen hatten, glitzerten fein und knisterten. Grundschüler Linus trug dazu einen schicken Turban. Es ging bunt zu: Sowohl an den Straßen als auch im Zug selbst. Die Fidelen Reisetanten trugen Prinzessinnenkronen und Pinguinmasken auf ihrem Wagen, die Nixen vom Märchensee aus Oberkassel gingen als Paradiesvögel verkleidet. Die Liküra-Ehrengarde sorgte mit tänzerischen Einlagen für Schunkeleien.

Im vierten Jahr begleitet Joachim Kiefer die Sambatruppe der Integrierten Gesamtschule Beuel auf folgende Weise: Er fährt auf einem seltsamen Gefährt voran. Zwei Damenfahrräder hat er mittels Eisenstangen verschraubt und verbunden. Ein eigenwillig zusammengeschustertes Tandem, dem er just für diesen Beueler Karnevalsumzug neue Radmäntel spendiert hat. „Fährt gut und muss in den nächsten Tagen noch zwei Züge in Schwarzrheindorf und in Liküra mitmachen“, sagte Kiefer. Seine Sambabegleiter heizten übrigens noch lange nach Ende des Zuges in der Oberen Wilhelmstraße mit schnellen Rhythmen dem jecken Volk ein.

Als nähbegabt entpuppte sich die Jeckentruppe vom Sankt Adelheid-Gymnasium. Unter der Leitung der Unterstufenkoordinatorin Ute Lindner hatten Eltern und Schüler ihre Kostüme von eigener Hand hergestellt. Die Lehrer schlufften als Schlafmützen durch die Straßen, während die Kinder als Aufgeweckte folgten. Das Motto lautete: „Usjeschloofe, objeweck – mir sin radedoll un jeck!“ Eine feine Ironie, für die die elf Jahre junge Franziska aus der sechsten Klasse „mit viel Spaß“ einige Stunden an der Nähmaschine zugebracht hatte. Zuschauerin Lieselotte Stark, die nebst ihrer beiden Kinder an der Oberen Wilhelmstraße den Zug singend und tanzend willkommen hieß, war ganz begeistert ob dieser Kostüme. „Wer sich selbst auf die Schippe nimmt, ist im Karneval richtig aufgehoben“, sagte sie.

Mit bundespolitischer Botschaft war das St. Josef Hospital unterwegs, dessen Teilnehmer im Zug als Ritter und Hofdamen verkleidet waren. Die Botschaft dahinter: Wenn die Krankenkassen weiter so schlecht für Leistungen zahlten, „kommt das Mittelalter wieder“. Die Beueler SPD erinnerte an die Schließung der Schwimmhalle Beueler Bütt. Lauter heulende Schwimmerinnen und Schwimmer mit roten Badekäppchen saßen auf dem Mottowagen in einer Holzbütte. Darüber erhebt sich eine Schwimmerin auf dem Sprung in die Wanne. Sie trägt einen Badeanzug in den Farben der schwarz-grün-gelben Ratskoalition. In der Bäderfrage liegen Koalition und Opposition über Kreuz. Letztere will die alten Bäder erhalten, die Koalition setzt auf zwei Schließungen und den Bau eines neuen Schwimmbades.

Die jecken Wiever vom hellije Tünn aus Niederholtorf hatten sich zu ihrem 55-jährigen Bestehen in Torten verwandelt. Zuckersüß einerseits und andererseits warm haltend durch dicken Kunststoff legten die Damen rund um die Präsidentin des Damenkomitees Holtorf, Doris Rütt, den Zugweg zurück. Seit 1992 sind sie mittlerweile dabei. Nach dem Straßenkarneval genehmigten sich die Wiever ein Glas Sekt. Verdient hatten sie es sich.