Beueler Stadtsoldaten

Das Kindercorps wird 80 Jahre alt

Beuel. In dieser Session marschierten zur Proklamation von Wäscherprinzessin Franzi I. 74 Pänz auf die Bühne des Brückenforums. Die Truppe feiert in dieser Session 80-jähriges Bestehen.

Die Nachwuchsförderung hat sich fast jeder Verein im rheinischen Karneval auf die Fahne geschrieben. Es wird viel getan, um jungen Menschen das Brauchtum schon von Kindesbeinen an nahezubringen. Einen über die Grenzen Bonns besonders anerkannten Job leistet das Beueler Stadtsoldaten-Corps. Neben dem eigenen Musikzug zählt das Kindercorps zu den Aushängeschildern der Rot-Blauen.

1938 saßen einige Altvordere des Corps zusammen und überlegten, was man mit den eigenen Kindern in der Karnevalszeit machen könnte. Die „Gründerväter“ stöhnten damals: „Uns Fraue sinn op Wievefastelovend außer Rand und Band und mir müssen op die Pänz oppasse“. Was lag da näher, als der Gedanke, „de Pänz“ während der Karnevalszeit einer oder mehreren Personen anzuvertrauen. Ob des männlichen Weitblicks und der Bequemlichkeit wurde das Kindercorps der Beueler Stadtsoldaten gegründet.

Wegen des nahenden Zweiten Weltkriegs konnte sich die neuen Abteilung nur kurze Zeit entwickeln. Doch 1949 wurde es reaktiviert. Mit rund 20 Kindern wurden wieder Tänze einstudiert und an Karneval durch die Straßen marschiert. Der damalige Leiter war Michael Schell. Die 1950er und 1960er Jahre prägten der Wirtschaftsaufschwung und damit verbundene gesellschaftliche Veränderungen. Das Freizeitangebot für die Jugend wuchs, und besonders englische und amerikanische Musik waren „in“.

Manche Kinder hatten es in der Schule oder im Freundeskreis nicht leicht, ihr Hobby „Kindercorps“ angesichts des musikalischen Trends zu vertreten.

1967 übernahm Egon Peffekoven, der 2017 verstorbene Ehren-Kommandant des Corps, das Kindercorps und entwickelte es stetig weiter. Er hatte damals folgende Idee: Wer ins jugendliche Alter gekommen und über das Kindercorps hinausgewachsen war, nicht nach Hause zu schicken, sondern für das große Corps zu werben. Er gründete das „Kadettencorps“ – auch für Mädchen ab 16 Jahren – gegen erbitterten Widerstand einiger aktiver Väter. Heute ist diese Gruppe immer noch aktiv und der Infanterie angeschlossen. Die Jungen in dem Alter konnten wählen zwischen Musikzug und Tanzgruppe. So wurde die Lücke zwischen Kindercorps und großem Corps geschlossen. Heute wechseln Jahr für Jahr auf diesem Wege einige Jugendliche ins große Corps, so dass dort Dank der Idee von Egon Peffekoven keine Nachwuchssorgen mehr bestehen.

Nach der Wahl zum Kommandanten des Gesamtcorps übergab Egon Peffekoven ein ansehnliches Kindercorps mit rund 40 Kindern an Rolf Ludwig. Ab Anfang der 1990er Jahre übernahm Hans Murmann die Leitung. Bald schnellte die Zahl der Kinder auf 63 hoch, die auch bei heißen Sommertemperaturen und anderweitigen Angeboten – Fußball, Ballett, Judo, Musikschule – regelmäßig zu den Proben erschienen. Von 2002 bis 2014 war Doris Schumann Leiterin des Kindercorps, das sie vorher bereits sieben Jahren als Betreuerin unterstützte.

Seit 2014 ist Nadine Eckert Leiterin des Kindercorps. Mit ihrem Team ist sie das ganze Jahr über für die Kinder und mit den Kindern im Einsatz, von wöchentlichen Proben, Wochenendtouren, Grillfesten und ähnlichen Veranstaltungen bis hin zum Spalierstehen bei der Hochzeiten aktiver Kameraden. Während der Session absolviert das Kindercorps rund 40 Auftritte und nimmt mit dem großen Corps an drei Karnevalszügen teil.

Informationen zum Kindercorps nach einer E-Mail an kindercorps@ beueler-stadtsoldaten.de