Männerbund aus dem Rheinland

Die Müldorfer Bottemelech's Jonge sind mehr als nur eine Karnevalsgruppe

Die Bottemelech's Jonge bei einem Auftritt in Oberkassel: Gregor Kess (von links), Fax Jerschabek, Dennis Schmedt, Fritz Meffert, Helmut Sauff, Christian Friederich, Arnulf Zormeier und Rudi Blank.

Die Bottemelech's Jonge bei einem Auftritt in Oberkassel: Gregor Kess (von links), Fax Jerschabek, Dennis Schmedt, Fritz Meffert, Helmut Sauff, Christian Friederich, Arnulf Zormeier und Rudi Blank.

Beuel. Die Bottemelech's Jonge haben nach dem Gewinn des „Närrischen Löwen“ noch viel vor. Die in die Jahre gekommene Boygroup versteht sich selbst als weit mehr als eine Karnevalsgruppe.

Vor noch gar nicht so langer Zeit, da gab es in Kneipen Stammtische, an denen sich jüngere und ältere Männer regelmäßig trafen, über Gott und die Welt fachsimpelten oder einfach nur Karten spielten. Und es gab noch etwas: Jede Gemeinde, jedes Dorf hatte seinen Spitznamen weg. Die Hangelarer wurden die „Hangelörer Morre“, die Geislarer „De Jeese“ genannt, und die wiederum nannten die Müldorfer die Bottemelech’s Jonge.

„Wieso das so ist, kann heute nur noch spekuliert werden“, sagt Helmut Sauff, ein Müldorfer Urgestein. „Vielleicht kommt es daher, dass früher hier jeder auf seinem Grundstück verschiedenste Haustiere hielt. Darunter waren auch Ziegen, die unter anderem Milch gaben.“ So war es dann nicht verwunderlich, dass ein Stammtisch der heutigen Dorfschänke diesen Namen abbekam: „De Bottemelech’s Jonge“. 1981 gründete sich daraus, aus einer Bierlaune im Karneval, ein lockerer Männerbund mit Sinn für Humor, Heimat, Tradition und, wie könnte es im Rheinland anders sein, Gesang. Und jetzt, 37 Jahre später, wurde diese Boygroup mit dem „Närrischen Löwen“ der Stadt Bonn ausgezeichnet.

Die Jonge kümmern sich um viele Dinge im Dorfgeschehen. So führten sie am Kirmessonntag einen Köttzug an, dessen Erlös in den Erhalt der Mühlenbachhalle floß. Dank ihrer Mithilfe konnte das Ehrenmal auf dem Friedhof sowie das Heiligenhäuschen an der Burbankstraße renoviert werden. Dabei ließen sie auch eine Pieta für das Häuschen anfertigen, da das Original gestohlen wurde. Zur Bonner 2000-Jahr-Feier stifteten sie einen Brunnen, der auf dem Platz vor der Dorfschänke steht. Dort stellen sie alljährlich einen stattlichen Weihnachtsbaum auf.

Musikalischer Bauerngesang

Und dann ist da noch die Sache mit dem Gesang. Nach eigener Auskunft machen die Jonge musikalischen Bauerngesang, zwei- oder dreistimmig, manchmal auch noch vielstimmiger. Unter der Leitung von ihrem „Musikdirektor“ und Ehren-Bottemelech’s-Jong Gregor Kess sollen sie tatsächlich ihren Gesang stetig verbessert haben.

„Egal wo wir auftreten, wir singen immer live“, sagt Helmut Sauff, der Ober-Jong der Truppe. Dicke Trumm und Akkordeon sind stets dabei, wenn sie ihre kölschen Lieder zum besten geben. Ihr Markenzeichen ist ihr äußeres Erscheinungsbild:

Obwohl die Bottemelech’s Jonge mit dem „Närrischen Löwen“ ausgezeichnet wurden, fühlen sie sich nicht als reine Karnevalsgruppe. „Nur etwa ein Viertel unserer jährlichen Auftritte sind im Karneval“, berichtet Sauff. Einer darf sich über den Löwen besonders freuen: Gregor Kess. Er erhielt diese Auszeichnung bereits zum zweiten Mal, denn er wurde schon im vergangenen Jahr mit seiner Gruppe „Die Drei.1“ ausgezeichnet.

Auch wenn die Jonge wie alle älteren Boygroups über Nachwuchssorgen klagen, ist es nicht so einfach, als neues Mitglied aufgenommen zu werden. Ein Bottemelech’s Jonge kann nur werden, wer nach einjähriger Probezeit einstimmig gewählt wird, wer die Taufe am Mühlenbach überlebt und danach noch ein Glas Buttermilch verköstigt. Getauft wird er mit einer alten Kelle, der „Addelskell“.

Gut, früher wurde diese für Jauche benutzt. Aber das war noch die Zeit, als man Ziegen für die Milch in Vilich-Müldorf hielt.