Liküra-Zug in Beuel

Julia I. tanzt zu Südtiroler Klängen

Beuel. Der Liküra-Zug mit seinen 111 Gruppen lockt Tausende auf die Straßen. Auch ein Pappmaché-Eiffelturm geht mit.

Da hat die Liküra-Prinzessin mal wieder geradezu unverschämtes Glück gehabt: Kurz bevor ihr Karnevalszug startete, hörte es auf zu nieseln, kurzzeitig brach sogar mal die Sonne zaghaft durch die Wolken. Das sei bislang immer irgendwie gut gegangen, sagte Julia I. Sie war gut gelaunt, freute sich auf ihren großen Tag und hatte spektakuläre musikalische Begleitung vor dem Prunkwagen. Die Musikkapelle Natz aus Südtirol, begleitet von der Apfelkönigin Theresa Schleichtleitner ersetzte das dezimierte Musikcorps der Liküra-Ehrengarde und hatte extra für diesen Anlass auch einige rheinische Karnevalslieder einstudiert.

Die Südtiroler, die das erste Mal überhaupt einen Karnevalszug begleiteten, wirkten zum Teil etwas eingeschüchtert von dem Rummel an der Königswinterer Straße, wo sich wieder endlos viele Menschen versammelt hatten. Aber sie kamen sehr gut an. Marion Müller, Chefin des Liküra-Festausschusses, freute sich über den Besuch und hoffte, dass die Südtiroler noch mal wiederkommen. Auf jeden Fall versuche man einen Gegenbesuch in deren gut 800 Kilometer entfernte Heimat zu organisieren.

Hamburger als Leuchtturm

Nicht ganz so weit war Matze Finck gefahren, um den Liküra-Zug zu sehen, aber auch Hamburg ist ja nicht um die Ecke. Er und sein Kumpel Kai Franz hatten sich als Leuchttürme verkleidet. Finck kommt schon seit 18 Jahren ins Liküra-Land. Die Geschichte dahinter: „Ich habe Kai als Liküra-Eingeborenen in Südfrankreich kennengelernt. Er hat mich hierher eingeladen.“ Das hatte ihm so gut gefallen, dass er gerne wiedergekommen ist. Normalerweise seien sie zu fünft, sagte Franz, aber die Gruppe sei durch Krankheit dezimiert worden. 111 Gruppen zogen an ihnen vorbei, und auch an Einhorn Silvia. Wobei: Gleich nach dem Reitercorps der Beueler Stadtsoldaten, die den Zug anführten, klaffte eine große Lücke. „Der Zug läuft schleppend an“, kommentierte sie, während ihre Kinder sehnlichst auf Kamelle warteten. Aber Silvia blieb gelassen. „Das Leben ist halt kein Ponyhof.“

Aber dann kamen die anderen Gruppen doch. Wie gewohnt war die Gruppe des Therapiezentrums mit den Bewohnern mit Behinderungen weit vorne, sie präsentierten sich „bunt wie die Welt“. Sehr kreative Kostüme hatten sich die Bewohner der Holzjass in Ramersdorf ausgedacht: Sie gingen als Zauberwürfel und hatten auch einen entsprechenden Bagagewagen gestaltet, einer der besonderen Hingucker des Zuges. Die Fußgruppe „Wer kütt, der kütt“ ging als schräger Zirkus mit Löwen im Käfig und zwei Gewichthebern.

Schräger Zirkus mit Löwen

Natürlich waren auch die Clochards mit ihrem Pappmaché-Eiffelturm dabei, dieses Mal aber nicht als einzige Gruppe mit Frankreichbezug. Getreu dem Motto der Wäscherprinzessin feierte das Alte Beueler Damenkomitee die 50-jährige Städtepartnerschaft des Stadtbezirks mit Mirecourt und hatte die Kostüme an die französische Flagge angepasst. Daneben sah man Ritter, Flamingos, Turtles, weibliche Nussknacker vom Damenkomitee Seerosen von der Maar, Junggesellen in Sträflingsoverall und Fußballer auf einer rollenden Ritterburg. Die Kühlekovvere Jonge un Mädche hatten den Hühnerhof aufgemacht, und Die von der Jallusstroß in Küdinghoven brachten den Wilden Westen in den Liküra-Staat – mit Kaktee und wandelndem Lagerfeuer.

Die Jecken feierten friedlich und ausgelassen, die Polizei hatte nichts zu vermelden. Natürlich war auch das Liküra-Kinderprinzenpaar Phillip I. und Sophia I. dabei und gut gelaunt. Sie konnten es kaum erwarten, dass ihre Eisenbahn endlich losfuhr und sie Kamelle werfen durften. Schließlich setzte sich auch Julias Wagen in Bewegung. Ihre Lieblichkeit konnte sich von den Jecken bejubeln lassen und feierte nach dem Zug beim Schwof in der Löwenhöhle der Liküra-Ehrengarde, der Tiefgarage der Firma Elektro Lindner, weiter. Dort wird am Dienstag ab 17.30 Uhr die Session beendet.