Rokoko-Karneval beim Zoch in Oberkassel

Wie im Rokoko: Die "jecken Höhner" entführen mit ihren Kostümen in den historischen Karneval.

Wie im Rokoko: Die "jecken Höhner" entführen mit ihren Kostümen in den historischen Karneval.

Die Hunnen aus Unkel trafen auf die Preußen aus Oberkassel - die Musiker des Rejiments-Spielmannszuges der Alten Kameraden hatten sich in diesem Jahr Spitzhelme aufgesetzt.

Oberkassel. Die Hunnen aus Unkel trafen auf die Preußen aus Oberkassel - die Musiker des Rejiments-Spielmannszuges der Alten Kameraden hatten sich in diesem Jahr Spitzhelme aufgesetzt.

Es blieb aber alles friedlich unter den Pavillons auf dem Hof des Ehepaars Engel, wo sich die Kameraden seit 2004 regelmäßig vor dem Oberkasseler Zug zum Aufwärmen treffen. "Das ist ja wie eine Ehe", stellte Hausherrin Marlis Engel fest. "Wir sind im verflixten siebten Jahr. Wenn die sich nicht benehmen, müssen wir uns trennen", scherzte sie.

Bei leckerer Erbsensuppe und warmen wie kalten Getränken füllte sich der Biwak langsam. Alle Gäste wurden vom Oberkasseler Viergestirn begrüßt. Kinderprinz Eric I. (9) und seine Prinzessin Sarah II. (10) haben ihre Pagen David (10) und Sophie (9) einfach in den Tollitätenstatus erhoben. "Wir haben schon im Kindergarten immer zusammen gespielt", teilte der Prinz mit.

Fotos Bilddoku Jede Menge Bilder vom Zug in Oberkassel

Am Freitag hatten sie ihre alte Kita Power Pänz besucht und waren herzlich empfangen worden (siehe auch "Narrenspiegel"). "Da denkt man zurück und merkt: Der Kindergarten ist doch schöner", meinte Eric. Schöner als was? "Als die Schule natürlich", so die Prinzessin. Sie freuten sich auf die vielen Kamelle, die sie werfen durften. "Hoffentlich ist noch genug übrig am Ende", so der Prinz. "Ich esse so gerne."

Was allerdings keineswegs bedeutete, dass sich das Kinderprinzenpaar beim Zoch zurückhielt - im Gegenteil: Die beiden Nachwuchstollitäten schaufelten die Kamelle nur so unter ihr jeckes Volk, das sich am Straßenrand bei strahlendem Sonnenschein dicht an dicht drängte. Doch bevor sich der Prunkwagen der beiden in Bewegung setzte, hatte sich der bunte Veedelszug schon weit durch den Ort geschlängelt.

Und belegt: Um den närrischen Nachwuchs muss man sich in Oberkassel keine Sorgen machen. Gleich drei Kindergärten - der katholische Kindergarten und dessen Förderverein, der Taubenschlag und die Power Pänz - waren mit eigenen Fußgruppen dabei. Dabei machten die Don Camillo Kids als Piraten die Straßen unsicher und hatten sogar internationale Unterstützung angefordert: Sie wurden verstärkt von Gästen aus Norddeutschland, Frankreich und sogar Australien, die den richtigen Schwung beim Kamellewerfen schnell heraus hatten.

Die Taubenschläger waren hingegen gleich unter den Meeresspiegel abgetaucht und feierten in der Unterwasserwelt. Und die Power Pänz marschierten vor dem Prinzenpaar, schließlich ging nicht dieses, sondern auch die beiden Pagen dort in den Kindergarten. Aber nicht nur auf den Nachwuchs konnte Zugleiter Robert Pohl bauen.

Insgesamt waren es rund 800 Teilnehmer, die den Narrenzug ausmachten. Fünf Musikgruppen sorgten für den richtigen Takt und beste Stimmung am Straßenrand. Ein echter Farbtupfer: "De Jecke Höhner", die unter dem Motto "Rokoko in Kaassel" venezianisches Flair verbreiteten, während die Mitglieder der Jesus-Maria-Josef-Junggesellen-Schützenbruderschaft "no 41 Joahr" die Kaasseler Brauerei wieder aufleben ließen und den Gerstensaft auch großzügig an - erwachsene - Zugzuschauer verteilten.

Den Schlusspunkt bildete der Elferrat der KG Kaasseler Jonge, der alle Zuschauer zum Familienkarneval in die Jupp-Gassen-Halle einlud. Aber so schnell ging das nicht. Denn auch das hat in Oberkassel Tradition: Kaum war der Zug an den Zuschauern auf der Königswinterer Straße vorbei gezogen, strömten die Jecken durch die Seitenstraßen zur Adrianstraße - um pünktlich zum Eintreffen des ersten Zugwagens wieder parat zu stehen, den Schlachtruf "Kamelle" auf den Lippen. Es gibt eben Dinge, die sind so schön, dass man sie nicht oft genug sehen kann.