Tolle Stimmung in Liküra

So jeck war der Liküra-Zoch

Liküra. 111 Gruppen bewegen sich in fantasievollen Kostümen durch Limperich, Küdinghoven und Ramersdorf. Die Liküra ist fröhlich und gerührt zugleich.

Kim I. war richtig gerührt, als sich ihr Prunkwagen endlich in Bewegung setzte: 110 Gruppen hatten ihr vorher die Aufwartung gemacht. Tolle Stimmung, viele Jecke am Straßenrand, auch das Wetter spielte am Sonntagnachmittag mit. „Ich habe allen gesagt, sie müssen fleißig austrinken und aufessen“, sagte die 66. Liküra-Prinzessin beim Liküra-Zug. Und dann begann ihre Fahrt durch Limperich, Küdinghoven und Ramersdorf.

Auf der Königswinterer Straße drängten sich die Leute. „Das ist viel mehr Publikum als letztes Jahr“, fand Gerd Mainzer, Wachleiter des Polizeipräsidiums in Ramersdorf. Dazwischen hatte sich Familie Zoidl aufgestellt: zwei große und zwei kleine Kölner Dome. Die Kostüme waren selbst genäht, sie hatten sie 2016 auf dem Zug in Lohmar in der Kindergartengruppe getragen, erklärte Verena Zoidl. „Wir gucken, wenn es trocken ist, immer den Likürazug, weil er so schön ist“, sagte sie.

Zu diesem Eindruck trugen viele Gruppen mit kreativen Kostümen bei, etwa die Eskimos der Laach Duuve vom Berg, die ihren kleinen Wagen hübsch mit Fellen dekoriert hatten. Oder die Gruppe „Et hätt och schlimmer kumme könne“, die als Popeyes unterwegs waren. Die KG Rot-Weiß Limperich, der auch Kim angehört, hatte sich unter dem Motto „Multikulti überall, im Liküra-Karneval“ in unterschiedliche Landesflaggen gehüllt. Geburtstagstorten, Pharaonen, Zwerge, Putzfrauen, ehemalige Liküra-Prinzessinnen, etliche Wagen: Es war ein sehr bunter Zug.

Anne (7) sammelte eifrig Kamelle, denn am Rosenmontag kommt sie da nicht zu: „Ich gehe im Zug in Eitorf mit.“ Sie liebt Karneval, hatte auch schon überlegt, zu den Beueler Stadtsoldaten zu gehen – eine Karriere, die dort beginnt, kann bis zur Bonna führen, wie aktuell Patty I. beweist. Unweit davon wuselte und alberte Clown Maya (9) herum. Um lustig zu sein, brauche sie eigentlich kein Kostüm. „Ich darf als Clown aber noch mehr Quatsch machen!“ Sie ist die Tochter des Westfalen. „Als Zugezogener muss man sich erst mal an den Karneval gewöhnen.“

Eine Zuschauerin stellte zufrieden fest, dass die Gruppen in diesem Jahr mehr große Kamelle warfen und weniger von den kleinen, die sowieso meistens liegenblieben. Ein anderer Besucher mochte diesen Zug, weil die Leute nicht so aggressiv aufs Kamellesammeln fixiert seien – beim Rosenmontagszug in Bonn habe er schon erlebt, dass Erwachsene Kindern die Süßigkeiten wegschnappen.

Mainzer bestätigte: „Das ist ein sehr friedlicher Zug, sehr familiär.“ Die Sicherheitsvorkehrungen seien eigentlich nicht notwendig: Gut 150 Polizisten sorgten für einen ruhigen Verlauf, und alle Zufahrten zum Zugweg waren durch quer gestellte Fahrzeuge von THW und das Abfallunternehmen Bonnorange versperrt, eine Folge des Terroranschlags in Berlin. Die Polizei vermeldete anschließend: keine besonderen Vorkommnisse.