Zeughaus der Beueler Stadtsoldaten

So war die Nostalgiesitzung des General-Anzeigers

Beuel. Es ist ein Karnevalsabend der Generationen: Die jüngste Künstlerin auf der Bühne ist gerade mal drei Jahre alt, der älteste Jeck ist 89. Ein wunderbarer Abend in Zeughaus der Beueler Stadtsoldaten!

Hans Remig wankt langsam durch den schmalen Gang zwischen den Tischen. Über die rechte Schulter hat er einen Feuerwehrschlauch geworfen. Zur Uniformjacke trägt er eine Jeanshose, unter dem schwarz lackierten Feuerwehrhelm gucken seine schlohweißen Haare hervor. Ja, man sieht dem Büttenredner seine 89 Jahre an. Trotzdem zieht es ihn auf die Bühne. Und wenn er denn oben ist, lässt der erste Witz nicht auf sich warten. Mit Wasser wollen er und seine Kameraden nicht mehr löschen. „Stattdessen nemme mir Benzin. Dat is zwar teuer, brennt ävver uch besser!“, ruft er ins Mikrofon. Das Publikum brüllt vor Lachen. Innerhalb von 30 Sekunden hat Remig den Saal bei der zweiten Nostalgiesitzung des General-Anzeigers im Zeughaus der Beueler Stadtsoldaten auf seiner Seite. Das Motto: „Unsere Wahl – jung un ahl“. Und so wechseln sich den ganzen Mittwochabend junge und alte Künstler ab.

Die Jüngste ist gerade mal drei Jahre alt: Maximilia Weber, diesmal als kleiner Clown mit Latzhose unterwegs, singt bei den Bönnschen Pänz von Joe Tillmann. Ob ein so kleines Kind überhaupt auf die Bühne gehört? „Natürlich, sie hat den Karneval von der Familie vorgelebt bekommen“, sagt Tillmann. Ihre beiden Brüder Dominik und Florian singen ebenfalls die bönnschen Lieder. Und so verlangte sie schon mit zwei Jahren nach Karnevalsklassikern wie „Ene Besuch em Zoo“. Für Tillmann ein Paradebeispiel, wie die Tradition, von der immer häufiger gesagt wird, dass ihr der Nachwuchs fehle, weiterlebt. „Das Problem ist, dass die Kinder so viel zu tun haben, dass nur Platz für den Karneval ist, wenn die ganze Familie mitzieht.“ Deswegen sei es umso wichtiger, Kinder und Erwachsene für den Fastelovend zu begeistern.

200 Eintrittkarten waren schnell vergriffen

Das ist laut Hans Hallitzky, der mit Holger Willcke und Ralf Birkner die Nostalgiesitzung organisiert, einer der Gründe, warum die Veranstaltung überhaupt ins Leben gerufen wurde. Aus einer Laune heraus während des Beueler Treffs – der Diskussionsrunde des General-Anzeigers – über Weiberfastnacht war sie entstanden. „Wir waren im ersten Jahr angetreten, um die Büttenrede zu retten“, sagt Hallitzky. Erfolgreich: Die 200 Eintrittskarten waren diesmal binnen weniger Minuten vergriffen.

Die Wortbeiträge nahmen deshalb erneut viel Platz ein. Knubbelefutz un Schmalbedaach mit ihrem musikalischen Zwiegespräch, Büttenredner Willi Armbröster, Lara Mohn mit einem Sketch, Obermöhn Ina Harder sowie die Pänz von Papperlapapp, die mit einer selbstgebastelten Bonner Marine auf die Bühne schipperten. Alle Künstler traten umsonst auf, um die Einnahmen des Abends für einen guten Zweck zu spenden: das Lernpatenprojekt der Beueler Nepomukstiftung.

Fragt man Hans Remig, gehören zum Karneval auch Party und Musik. „Klar war das früher anders, aber der Karneval verändert sich nun mal.“ Dass sich das nicht ausschließt, zeigten Wäscherprinzessin Franzi I. samt Gefolge, der Musikzug der Beueler Stadtsoldaten und die junge Tanzgruppe „Blue-Girls“ mit einer Mischung aus Garde- und Showtanz. Remig wagte auch einen Ausblick. „Die klassische Sitzung gewinnt wieder an Popularität. Und wer es lauter mag, geht eben auf eine Karnevalsparty.“ Der Tradition werde das nicht schaden. „Die hat schon Jahrhunderte überlebt, dann wird sie das sicherlich auch noch schaffen.“