Weiberfastnacht in Bonn

Wäscherprinzessin Ariane I. stürmt das Beueler Rathaus

Beuel. Die Wäscherinnen haben das Beueler Rathaus gestürmt. Vor Hunderten Schaulustigen haben sie die Bürgermeister ausgetrickst. Und plötzlich stand Ariane I. auf dem Balkon.

Diese Franzosen. Kaum sind hübsche Frauen in ihrer Nähe, schmelzen sie dahin. Frauenversteher halt. Kein Wunder, dass die beiden Wachposten (in Wirklichkeit zwei Männer vom Bürgerverein Vilich-Müldorf in frankophiler Uniform) beim Rathaussturm kläglich versagen, als ihnen das Damenkomitee Sankt Josef, aus deren Reihen Wäscherprinzessin Ariane I. stammt, auf die Pelle rückt. Aus dem Effeff setzen die Wiever die „zwei aus dem Panoptikum“ außer Gefecht. Die echten Kameraden aus Mirecourt, die anlässlich 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Beuel dieses Mal mit von der Partie beim Weiberfastnachts-Spektakel auf der Schäl Sick sind, können nicht einspringen. Sie sind mittendrin im Weiberfastnachtszug durch Beuel.

Doch Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus stecken die Schlappe schnell weg. Schließlich steht ihnen noch der Junggesellenverein Vilich-Müldorf für die Rathausverteidigung zur Seite. „Alles starke Jungs“, ruft der OB trotzig in die Menge. Da können die als „lecker Weinträubchen“ kostümierten Moderatorinnen Martina Déus und Silvia Kluth nur müde lächeln. „Ihr Männer macht doch jedes Jahr denselben Fehler“, sagen sie und machen damit lange vor dem Ende des Zugs unter tosendem Applaus der Jecken auf dem Rathausplatz klar, wer am Ende in Beuel wieder das Sagen haben wird.

An ihrem Ehrentag haben die Wiever nicht nur Frau Sonne auf ihrer Seite. Auch Klomann Motombo Umbokko alias Comedian Dave Davis entpuppt sich nach und nach als gar nicht so große Stütze für den OB & Co. wie gedacht. Aber dazu später mehr.

Jedenfalls geben sich Sridharan und Déus siegessicher. „Die Wäscherprinzessin hat sich vertan. Sie ist nach Bonn und nicht nach Beuel gefahren“, versucht Déus die Tausenden von Narren, die inzwischen ausgelassen auf dem Rathausvorplatz feiern, wieder nach Hause zu schicken. „Die räumt mein Stadthaus auf“, ruft der OB hinterher.

Putzfrau Annemie (Vize-Bezirksbürgermeister Ralf Laubenthal) solle mal besser das Beueler Rathaus schrubben, damit an Aschermittwoch alles wieder schön glänzt. Doch weil Annemie nicht gründlich genug putzt, rufen der OB und Déus Motombo raus. Ein Fehler: Kaum sind Wäscherprinzessin Ariane I., ihre Wäscherinnen Lisa und Katrin sowie Obermöhn Ina Harder vorgefahren, ist Motombo hin und weg. „Bitte ein Bützchen, dann triffst du immer ins Schwarze“, witzelt er, und tatsächlich lässt sich die Obermöhn nicht zweimal bitten. „Was sind das denn für Pappnasen da oben auf dem Balkon?“, ruft sie sogleich mit energischer Stimme und eigentlich ist ab da jedem klar: Das nimmt für Sridharan und Déus kein gutes Ende. Zumal die Obermöhn Petra Sridharan im Schlepptau hat und die Frau des OB keinen Zweifel daran lässt, dass sie dieses Mal ganz mannhaft auf der Seite der Wiever stehen wird.

Und die sind ganz schön sauer: Eigentlich sollte Ariane I. bei ihren Auftritten 13 Sterne ergattern, um ausnahmsweise einmal ohne Sturmangriff an den Rathausschlüssel zu gelangen. Doch der letzte Stern blieb ihr verwehrt: Stattdessen glänzt er weithin sichtbar am Rathausbalkon. „Wie unfair“, schimpft Harder, um dann doch ihr entzückendstes Lächeln aufzusetzen. Entsprechend dem charmant klingenden Motto der diesjährigen Weiberfastnacht in Beuel, „3 x Alaaf un Bonjour, Beuel is jeck met Mirecourt“, will sie ausnahmsweise mal nicht die Keule rausholen. „Wir haben ein Geschenk mitgebracht“, säuselt Harder stattdessen. Und zwar die Glocke, die Anfang des 19. Jahrhunderts aus Schwarzrheindorf nach Frankreich gelangte, weil sie dort als Kanone für Napoleons Artillerie eingeschmolzen werden sollte. Doch stattdessen kam sie nach Mirecourt, um Jahre später wieder nach Beuel zurückzukehren – der Beginn der Freundschaft zwischen Beuel und Mirecourt.

Was für ein Geschenk! „Mich kann nix schocke, außer diese Glocke“, entfährt es Motombo, und jetzt sind auch OB und Bezirksbürgermeister neugierig geworden. Während sich die beiden zu Harder & Co. gesellen, um einen Blick auf die Glocke zu werfen, steigt Ariane I. heimlich in die Kiste mit der Glocke und schwebt mit ihr nach oben auf den Rathausbalkon. Sridharan und Déus bemerken unter lautem Gejohle der Narrenschar, die Glocke ist in Wirklichkeit ein trojanisches Pferd, und geben sich geschlagen. Über ihren Köpfen nimmt die strahlende Ariane I. den Schlüssel an sich und hält ihn in Siegespose in die Menge.

Damit läutet die Wäscherprinzessin das Ende eines knatschverdötschten Vormittags und den Auftakt für eine Riesensause im und um das Beueler Rathaus herum ein. Bereits ab dem Morgen haben sich die Jecken zur Musik von Dancing Sound, Lupo, Rabaue und der Micky Brühl Band in Stimmung gebracht. Zeremonienmeister Christian Siegberg kann aufatmen. Kaum einer der Narren ahnt, wie viel Aufwand erforderlich ist, damit beim Rathaussturm auch ja alles klappt. Hut ab, der Mann und sein Team haben ganze Arbeit geleistet. Manchmal sind Männer eben auch für etwas zu gebrauchen...