Bonner Stadtsoldaten

2000 Jecke bei Gala-Prunksitzung in Bonn

Bonn. Die Bonner Stadtsoldaten ernennen CDU-Politiker Wolfgang Bosbach zum Ehrenobristen. 2000 Jecke feiern am Sonntag bei der Gala-Prunksitzung.

Wolfgang Bosbach könnte auch gut selbst Büttenredner werden. Er braucht weder ein Redemanuskript, noch ein Pult, um die Karnevalisten zu unterhalten. Gerade hat der CDU-Politiker bei der Gala-Prunksitzung der Bonner Stadtsoldaten den Titel des Ehrenobristen bekommen, Orden sowie Mütze in Empfang genommen, da bringt er die knapp 2000 Gäste mit rheinischem Humor auf seine Seite. "Politiker und Karnevalisten haben in ihren Ämtern viel zu sagen, aber was dabei rumkommt, naja, sie wissen schon..."

Er will aber nicht nur Späße machen. Mit den Karnevalisten verbinde ihn die Liebe zur Heimat und zur Tradition. Die kann Bosbach am Besten am Beispiel seiner einstigen Büroleiterin erklären, die wie der Bundestag von Bonn nach Berlin umziehen sollte. "Ich bot ihr keine Gehaltserhöhung, sondern eine Gage, von der Anna Netrebko und Helene Fischer hätten auftreten können." Doch sie habe abgewinkt winkte ab, weil sie das Rheinland nicht verlassen wollte. Bosbachs Versuche, den Karneval nach Berlin zu importieren, seien unterdessen kläglich gescheitert. "In Berlin feiern sie auch Karneval, allerdings ohne Musik und Stimmung." Wie seine rheinische Art dort ankomme? "Wer in Berlin chronisch fröhlich ist, der macht sich nur verdächtig."

Das dürfte Bosbach aber wenig interessieren, wie der ehemalige Intendant der Deutschen Welle, Erik Bettermann, in seiner Laudatio betonte. "Wolfgang Bosbach war nie ein Parteisoldat. Er hatte immer etwas zu sagen, notfalls auch gegen die Linie seiner Partei", sagte er. Aber nicht nur deshalb habe Bosbach die Ernennung zum Ehrenobristen, zu denen auch Helmut Kohl und Norbert Blüm gehören, verdient. "Er hat sich immer für die Menschlichkeit eingesetzt." Oft ernste Themen, denen er aber im richtigen Moment mit einer gehörigen Portion Humor begegnet sei. Bei den Stadtsoldaten klang das dann so: "Hier im Rheinland ist das Glas nicht halb voll und nicht halb leer. Wir trinken, was wir kriegen!"

Beispielsweise das Wasser von Kölle, das kurz zuvor die Bläck Fööss besungen hatten. Zum knapp achtstündigen Bühnenprogramm gehörten neben dem Aufmarsch des Stadtsoldatencorps samt Kadettencorps sowie dem Einzug des Bonner Prinzenpaars auch Bernd Stelter, Guido Cantz, Cat Ballou und die Bonner Band Querbeat. Dazu tanzten die Höppemötzjer und die Rheinmatrosen. "Das ist das Schöne an dieser Sitzung. Es ist ein traditioneller Karneval, der nicht nur laut ist", sagte Stadtsoldat Urban Brüning, der seit 53 Jahren und bereits in vierter Generation im Corps aktiv ist. Stimmung, aber eben auch ein gewisser Tiefgang, den gerade Bosbach getroffen habe, gehörten für ihn unbedingt dazu.

Und wie sieht das Bosbach? Als früherer Karnevalsprinz seiner Heimatstadt Bergisch Gladbach genau so. "Man muss mit dem Karneval aufwachsen und sich ihm öffnen, um ihn zu verstehen." Deshalb hatte Bosbach zum Schluss seiner Rede neben dem obligatorischen "Dreimal Alaaf" nur noch eins zu sagen: "weiterfeiern!"