Erste Bilanz zu Rosenmontag

250.000 Jecke säumen den Bonner Zugweg

Großer Andrang herrscht am Zugweg wie hier auf Marktplatz und Sternstraße.

Großer Andrang herrscht am Zugweg wie hier auf Marktplatz und Sternstraße.

BONN. Organisatoren, Polizei und Feuerwehr haben eine erste Bilanz zum Rosenmontag in Bonn gezogen. Erneut haben alkoholisierte Jugendliche in der Nordstadt Probleme bereitet. Die Sanitäter hatten hingegen wenig zu tun.

Einen „wunderbaren Zug“ meldete Zugleiter Axel Wolf um 18 Uhr auf der Pressekonferenz von Organisatoren, Polizei und Feuerwehr zum Rosenmontagszug. Zwar ging es unter den frischen Eindrücken des Unfalls auch um die neuesten Nachrichten aus der Dorotheenstraße. Dann aber überwog die Erleichterung darüber, dass der Zwischenfall glimpflich verlaufen war. Und: „Es waren deutlich mehr Menschen unterwegs als im vergangenen Jahr“, sagte Axel Wolf und legte sich auf die Zahl von 250.000 Zuschauern fest.

Gemessen daran erlebten die haupt- und ehrenamtlichen Helfer der eingesetzten Sanitätsdienste, die in vier Unfallhilfsstellen und zwölf mobile Sanitätstrupps eingeteilt waren, einen bemerkenswert ruhigen Tag. Die Bilanz bis 18 Uhr: „Ambulant zu versorgen hatten wir 37 Personen, darunter vier alkoholbedingt und eine unter 18 Jahren“, sagte Pressesprecher Heiko Basten. Zudem hätten die regulären Rettungsdienste elf leichte Verletzungen zu behandeln gehabt. Basten: „Schlimmeres als Schnittwunden war nicht dabei.“

Etwas durchwachsener fiel indes die Bilanz der Bonner Polizei aus, bei der Hauptkommissar Klaus Kapellner das jecke Treiben als Einsatzleiter begleitete. Die Sicherheitskräfte seien „auf die bekannten Brennpunkte vorbereitet gewesen“, wo es denn auch zu kleineren Einsätzen gekommen sei. Einigen „alten Bekannten“ hatte die Polizei bereits vorab deutlich gemacht, dass der Bonner Straßenkarneval diesmal ohne sie stattfinden wird. Kapellner: „Es gab 64 Bereichsbetretungsverbote.“ Die vier Personen, die sie am Montag nachweislich verletzten, werden sich nun dafür verantworten müssen. Ad hoc sprachen die Beamten außerdem 30 Platzverweise aus.

 

Besonders im Blick hatten die Sicherheitskräfte auch in diesem Jahr neuralgische Punkte in der Nordstadt. Konkret nannte Kapellner das Umfeld der Marienschule an Max-, Heer- und Vorgebirgsstraße, wo jüngere Leute „alkoholbedingtes Aggressionsverhalten“ an den Tag gelegt hätten. Für die Polizei kam das offenbar nicht unerwartet. Insgesamt sechs Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Auch verdeutlichte Kapellner, dass die zweite Hälfte des Zugwegs von den Ordnungshütern als die problematischere angesehen und entsprechend behandelt wird. Wie auch während des Zuges zu erkennen war, hatten sich im genannten Areal zahlreiche Uniformierte positioniert – was wiederum, ebenso erkennbar, vom offen zur Schau getragenen Cannabiskonsum entlang des Zugwegs an der Heerstraße nur wenige Konsumenten abhielt.

 

Renitenz oder gar Angriffe gegen Beamte, so Kapellner, habe es nicht gegeben. Auch lagen der Bonner Polizei bis zum frühen Abend keine Anzeigen oder Informationen über unerwünschte Grapschereien oder schwerere sexuelle Übergriffe vor.

Auf die Terrorprävention unter dem Eindruck islamistischer Anschläge wie in Nizza und Berlin habe man sich konsequent vorbereitet. Angesichts des polizeilichen Großaufgebots in Köln mit mehreren Tausend Beamten wirkt die Polizeipräsenz von 350 Beamten auf den Straßen Bonns vergleichsweise bescheiden. Im Großen und Ganzen bleibe der Bonner Rosenmontagszug in der Innenstadt „ein heiteres und fröhliches Zusammentreffen“, so der Einsatzleiter.

Das hörte auch Zugleiter Wolf gerne, der abschließend noch einmal betonte: „Der geringe Kräfteeinsatz bei einer so großen Veranstaltung spricht für Bonn und den Rosenmontag.“