190 Jahre Rosenmontagszug

Bonna Sibille wurde wie eine Königin hofiert

Stolz präsentieren die beiden Autoren Heinz Erdmann (2.v.l.) und Marcus Leihfeld ihr Buch zusammen mit Festausschuss-Präsidentin Marlies Stockhorst (r.) und Gabriele Heix von der NRW-Stiftung.

Stolz präsentieren die beiden Autoren Heinz Erdmann (2.v.l.) und Marcus Leihfeld ihr Buch zusammen mit Festausschuss-Präsidentin Marlies Stockhorst (r.) und Gabriele Heix von der NRW-Stiftung.

Bonn. Der Festausschuss Bonner Karneval hat sein Buch über 190 Jahre Rosenmontagszug in Bonn präsentiert. Es habe mehrere Jahre gebraucht, für das Buch über 190 Jahre Rosenmontagszug in Bonn zu recherchieren, sagte Marcus Leihfeld.

Mit den beiden Historikern vom Festausschuss Bonner Karneval standen auch dessen Präsidentin Marlies Stockhorst und die Regionalbotschafterin der fördernden NRW-Stiftung, Gabriele Heix, auf der Treppe des Alten Rathauses. Selbst der mit vielen Geschichten des Bonner Karnevals vertrauten Stockhorst konnte das über 200 Seiten umfassende Buch ihrer beiden historisch versierten Vereinsmitglieder noch Neues vermitteln. „Ich konnte gar nicht glauben, dass 1936 auch Panzer im Rosenmontagszug mitfuhren, oder dass Anfang der 1960er Jahre auch die Bundeswehrkapelle beteiligt war“, wunderte sich die Präsidentin über Details aus dem soeben veröffentlichten Buch.

„Der Rosenmontagszug ist immer auch ein Spiegel seiner Zeit gewesen“, sagte Leihfeld, der bereits über den Kölner Karneval in der Nazizeit promovierte. Während sein Co-Autor Erdmann sich vor allem mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzte, war Leihfeld für die Jahre davor zuständig. Mit bereits über 40.000 digitalisierten Zeitungsausschnitten über den Bonner Karneval, die im Archiv des Festausschusses vorhanden sind, gelang ein schneller Einstieg in die Historie, aus der sich dann jedoch viele Verästelungen ergaben, die aufwendige Nachforschungen im Bonner Stadtarchiv und dem Landeshauptarchiv in Koblenz nach sich zogen.

Leser des Buches werden dabei vielleicht ähnlich freudige Überraschungen erleben, wie Erdmann, der auf einem Schwarz-Weiß-Foto von 1950 seinen Vater auf dem Kutschbock des Zugwagens des damaligen Präsidenten entdeckte. Vor allem lässt sich in dem sehr ausführlichen und überaus reich mit schwarz-weißen und farbigen Fotos und Illustrationen ausgestatteten Buch ablesen, was die Menschen zu der jeweiligen Zeit bewegte.

Das reicht von lokalen Themen wie der Kloake, die sich in den 1840er Jahren an der Poppelsdorfer Allee befand und in der damaligen Zeit ein großes Ärgernis für die Bonner war, bis hin zu großen politischen Ereignissen wie der Einigungsbewegung zum Deutschen Reich, die sich 1870/71 in den Rosenmontagszügen wiederfand und kritisch kommentiert wurde. Auch die Frauenemanzipation in den 1880er Jahren wurde figürlich mit einem Mann dargestellt, der sich unter dem übergroßen Pantoffel einer Frau befand. Noch 1929 war in der Satzung der Veranstalter der Satz zu lesen, dass sich „Frauen jeglicher Art“ nicht an dem Rosenmontagszug beteiligen dürften.

Seit dem ersten Rosenmontagszug von 1828 war die Teilnahme von Frauen verboten. Erst unter den Nationalsozialisten wurde das Verbot wegen der Verachtung von Homosexualität aufgehoben. Bis dahin wurden Bonna und auch die Tanzmariechen von Männern dargestellt. „Die Nazis hatten eine andere Vorstellung davon, wie ein Mann zu sein hat“, sagte Leihfeld, der neben seiner Promotion über diese Zeit auch eine Ausstellung über den Karneval im Kölner NS-Dokumentationszentrum mitkuratiert hat. 1935 war im General-Anzeiger zu lesen: „Die Rolle der Bonna übernahm in diesem Jahr zum ersten Mal ein echtes Bönnsches Mädchen. Es war Frau Sibille Bois. (…) Aber unserer Bonna Sibille ist es zu danken, dass in Zukunft diese Rolle immer nur von einer Frau verkörpert wird. Wie eine Königin fuhr Bonna Sibille durch die Straßen unserer Stadt.“

In der historischen Betrachtung von 190 Jahren Rosenmontagszügen in Bonn kann auch Stockhorst noch Ideen und Anregungen für die Zukunft finden. Sie ist fasziniert davon, wie viele bildende Künstler sich in der Vergangenheit mit Plakaten und Wagenentwürfen für den Karneval ein- und auseinandergesetzt haben. „Das würde ich mir auch für die heutige Zeit wünschen“, sagt die Festausschuss-Präsidentin. Leihfeld ergänzt, dass es sich damals um so berühmte Künstler wie Carl Nonn oder Emil Krupa-Krupinski von der Düsseldorfer Kunstakademie handelte, was Stockhorst zu dem Fazit brachte, dass ein „Back to the roots“ („Zurück zu den Wurzeln“) nicht falsch sein könne.

„D’r Zoch kütt! 190 Jahre Rosenmontagszug in Bonn“ von Karl-Heinz Erdmann und Marcus Leihfeld ist für eine Schutzgebühr im Haus des Karnevals, Hohe Straße 81, oder als kostenloser Download im Internet unter www.karneval-in-bonn.de erhältlich.