Kirche, aber auch Leser verärgert

Bonner Karnevalsorden sorgt für Empörung

Das Kölsch in der Monstranz empört Christen.

Das Kölsch in der Monstranz empört Christen.

Bonn. Der Orden der Karnevalsfründe Durschlöscher ruft die Kirchen auf den Plan. Er zeigt eine Monstranz, in deren Inneren statt der Hostie ein Kölschglas steht – angebetet von durstigen Jecken.

Wie weit dürfen Karnevalisten mit Satire und Persiflage gehen? Wo diese Grenze verläuft, muss immer wieder neu ausgelotet werden. So sorgt der aktuelle Orden der Karnevalsfründe Durschlöscher für Aufsehen – und für Ärger. Er zeigt eine Monstranz, in deren Inneren statt der Hostie ein Kölschglas steht – angebetet von durstigen Jecken. Nachdem der GA den Orden vorgestellt hatte, rief das nicht nur Leser auf den Plan, sondern auch die katholische und evangelische Kirche in Bonn.

„Wie weit soll unsere Gesellschaft noch sinken, was Achtung und Respekt vor den Gefühlen anderer Mitmenschen angeht?“, fragt Leserin Margit Schmitt und spricht von einem „Schandmal-Orden“. Sich im Karneval als Nonne oder Bischof zu verkleiden, findet die 79-jährige Bonnerin nicht so schlimm. Sie sei mit Fronleichnamsprozessionen groß geworden, bei denen die Hostie in der Monstranz zum Segen für den Ort und die Felder durch die Straßen getragen werde. Schmitt findet, man müsse dem Allerheiligsten Respekt und Achtung erweisen. Sie hätte auch etwas dagegen, wenn andere Konfessionen verunglimpft würden.

Fritz Reifferscheid aus Rhöndorf ist der Überzeugung, dass der Kölsch-Orden die religiösen Gefühle katholischer Christen beleidigt. „Wie niveaulos sind diese Karnevalisten, die sich so etwas ausdenken?“, fragt der 76-Jährige. Er würde sich wünschen, dass alle, die diese Monstranz um den Hals tragen, sie wieder zurückgeben.

Provokationen gegenüber Obrigkeiten

Mit „Erstaunen, Entsetzen und auch Empörung“ reagiert Stadtdechant Wilfried Schumacher. „Dieser Orden beleidigt nicht nur meine religiösen Gefühle, sondern gewiss auch die von vielen Katholikinnen und Katholiken in unserer Stadt.“ Karnevalisten würden in der Darstellung nicht Gott anbeten, „sondern beugen ihre Knie vor einem alkoholischen Getränk. Das mag zwar zum Namen ihrer Gesellschaft passen, macht mich aber sehr nachdenklich auch angesichts der vielen alkoholkranken Menschen in unserer Gesellschaft“, sagt Schumacher.

Diese Argumente kann auch Eckart Wüster, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn, „gut nachvollziehen“ und fordert mehr Sensibilität. „Auch ich frage mich immer wieder, warum man in unserer Gesellschaft zunehmend meint, man könne auf den (religiösen) Gefühlen anderer herumtrampeln.“

„Es liegt uns absolut fern, religiöse Gefühle zu verletzen oder deren Symbole zu verunglimpfen“, sagt der Präsident der Durschlöscher, Jürgen Klasen. „Die Bedeutung der Monstranz ist uns wohl bewusst und wird von uns nicht ins Lächerliche gezogen. Bei unserem Orden geht es auch nicht um die Verherrlichung des Alkohols, geschweige denn diesen an Stelle von christlichen Reliquien zu setzen.“ Hier sei gemeint, dass man in der Zeit vor dem Fasten, der Karnevalszeit, die kleinen Sünden oft etwas zu sehr anbete. „Auch ist es im rheinischen Karneval Brauch, alles und jeden aufs Korn zu nehmen und zu persiflieren. Hierzu gehören auch Behörde, Staat und Kirche.“

Jecke Provokationen gegenüber Obrigkeiten gehörten zur Tradition, teilt Ralf Birkner, Sprecher des des Festausschusses Bonner Karneval, auf Anfrage mit. „Dabei muss immer sorgfältig ausgelotet werden, wo Gefühle anderer verletzt werden könnten. Dies gilt insbesondere für den Umgang mit religiösen Themen oder Symbolen.“ Dass das Bier im Karneval eine Rolle spiele, sei sicher nicht alleine die Erfindung der Durschlöscher, meint deren Präsident. Im Übrigen spielt der sättigende Gerstensaft nicht nur an den tollen Tagen bis Aschermittwoch eine Rolle: Im Mittelalter war Starkbier das Fastengetränk der Mönche.