Mittelpunkte Altstadt und Friedensplatz

Bonner feiern ausgelassen Weiberfastnacht

Bonn. Weiberfastnacht findet in Bonn vor allem in der Altstadt statt. Auch auf dem Friedensplatz steppt der Bär, und auf dem Münsterplatz feiert die Jugend.

Für einen Altweiber-Nachmittag ist es relativ ruhig. Mitunter sogar fast schon gespenstisch ruhig. Zumindest in gewissen Stadtteilen Bonns. Während die Altstadt wie üblich eine Karnevals-Hochburg ist und schon früh die Jecken anzieht, wirken Teile die Innenstadt nahezu ausgestorben, und auch in Poppelsdorf und der Südstadt ist auf den ersten Blick wenig los. Zumindest noch.

„Die kommen alle erst gegen Abend“, verspricht Canan, die im Monte Cristo alles vorbereitet. „Viele unserer Gäste sind vorher noch arbeiten, aber so ab 18 Uhr dürfte es bei uns richtig voll werden.“ Ähnlich sieht es Türsteher Azad, der vor dem BarRoon unter einem Heizpilz sitzt. Drinnen sind immerhin schon rund 100 Leute, für die Uhrzeit eine gute Zahl. „Aber kein Vergleich zu dem, was hier ab 18 Uhr los sein wird. Dann müssen wir auf jeden Fall mit zwei Leuten am Eingang stehen, um die Schlange im Griff zu behalten.“

Ins Bönnsch kommt man gar nicht mehr rein

Ganz anders sieht es rund um den Friedensplatz aus. Hier steppt der Bär, hier tanzt die Maus. „Es kann schon mal eine halbe Stunde dauern, bis man hier reinkommt“, sagt Marcus, der vor dem Sudhaus etwas Luft schnappt. Als ob das gestandene Karnevalisten abhalten könnte. „Die Stimmung ist halt einfach toll hier, und das Gedrängel gehört einfach dazu.“ Auch wenn das nicht jeder haben muss. „Ins eigentliche Bönnsch kommt man ja gar nicht mehr rein, höchstens in das Vorzelt“, erzählt Danny.

„Und wenn man dann auf die Toilette muss, ist das schon ein Problem. In Köln haben die Behörden ja deswegen mehrere hundert Dixieklos aufgestellt, aber hier in Bonn muss man halt entweder Glück haben oder anstehen.“ Aber warum tut man sich das dann an? „Es ist halt cool“, sagt Lena, die mit einer Freundin versucht, ins Bönnsch zu kommen. „Ich war schon letztes Jahr hier und habe unglaublich viele nette Leute getroffen. Ja, es ist eng, aber eigentlich ist das doch egal, so lange die Stimmung gut ist.“

Und die ist tatsächlich gut. Überall. Kurzer Rückblick ins BarRoon. Drinnen legt DJ Borys auf, seit 29 Jahren, wie er sagt. Hier kann man sich noch bewegen, hier kann man noch tanzen. „Ich finde es eigentlich klasse, gerade weil es etwas entspannter ist“, erzählt Oliver, der extra aus Beuel auf die andere Rheinseite gekommen ist. „Vielleicht gehen wir später noch woanders hin, ins Zeughaus oder in den 'Adler', aber erst mal ist es hier schön.“ „So sieht's aus“, stimmt Roland zu, der kurzerhand mal einen ganzen Kölschkranz bestellt und alle in seiner Umgebung versorgt. „Gute Musik, süße Mädels, was will man mehr.“

After School Party im Festzelt

Gut ist die Stimmung auch auf der After School Party im Festzelt auf dem Münsterplatz. Rund 600 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 18 hat Christina Bertram-Meyer vom Jugendamt bis zum späten Nachmittag bereits gezählt. „Das werden noch mehr“, weiß die Abteilungsleiterin aus den Vorjahren. Im vergangenen Jahr musste die Party allerdings wegen eines Sturms kurzfristig abgesagt werden. Alkohol ist wie immer nicht zugelassen, was Yasemin und ihre Freundinnen Vanessa und Samira (alle 14) aus Bad Godesberg nicht stört.

„Wir trinken auch so nie Alkohol“, versichert Vanessa. „Erst war es hier ja ein bisschen langweilig, aber jetzt gefällt es uns richtig gut“, sagt Samira und verschwindet mit ihren Freundinnen auf die Tanzfläche, weil DJ Bamdad Esmaili gerade einen neuen Song spielt. Wie bei so vielen Partys muss sich alles erst eingrooven, müssen die Massen sich versammeln – vor allem in der Karnevalszeit mit ihrer ganz eigenen Dynamik.

Und tatsächlich folgen die Narren-Ströme in Bonn gewissen Gesetzmäßigkeiten. Tagsüber zieht man eben schnell mal weiter, wechselt die Locations, nimmt so viel mit wie möglich. Überall mal reinschnuppern, Freunde treffen und dann zur nächsten Kneipe. Kein Wunder also, dass zum Beispiel die Nasse-Mensa gegen 15 Uhr längst so gut wie leergefegt ist.

„Heute Mittag war sie proppevoll“, erzählt ein Sicherheitsmann. Schade nur, dass die Wahl des besten Kostüms nicht da stattfand. Dabei hat sich die Mensa mit dem Motto „Es war einmal im Märchenwald“ schon etwas Besonderes einfallen lassen und den Saal auch entsprechend geschmückt. Ausgediente Weihnachtsbäume verleihen einen besonderen Flair, dazwischen springen Kobolde, Ritter und der große böse Wolf herum.

Auftakt der närrischen Tage

Doch zumindest die Studierenden sind schon längst anderweitig unterwegs. Vor allem in der Altstadt. An Weihers Eck steigt traditionell eine Straßenkarnevalsparty, eine ideale Gelegenheit für all jene, die in die Musiktruhe oder ins Dubliner's nicht reinkommen oder reinwollen. Immerhin, im Stachel ist noch etwas Platz. Ungewöhnlich, meint Türsteher Frank. „Vielleicht sind bei dem Wetter viele nach Köln gefahren“, mutmaßt er. „Und es ist ja auch so, dass vor dem Beueler Rathaus erstmals bis in die späten Nachmittagsstunden hinein gefeiert wird. Wenn da ein paar Tausend Jecken sind, dann fehlen die natürlich bei uns. Ich gehe aber davon aus, dass sich das bald ändern wird.“

Tatsächlich wird es nach und nach voller. „Jetzt geht's los, wir sind nicht mehr aufzuhalten“, ertönt aus den Lautsprechern. Ein vielversprechender Song, vor allem für den Auftakt der närrischen Tage. „Wir werden natürlich bis Dienstag durchfeiern“, sagt auch Ronny, der mit einer Gruppe von Freunden im Stachel sitzt. „Wir sind uns nur noch nicht so ganz sicher, ob wir Rosenmontag eher hier in Bonn oder doch lieber in Köln feiern werden, das entscheiden wir wahrscheinlich ganz spontan. Jetzt genießen wir erst einmal den Abend. Später müssen wir noch ein paar Freunde aufsammeln, die ins Namenlos gegangen sind, und dann werden wir mal schauen, wo wir weiter Party machen können.“