Wurfmaterial auf Bonner Karnevalszügen

Chips und Popcorn statt Karamellbonbon als Kamelle

Bonn. Das Wurfmaterial hat sich im Laufe der Karnevalsgeschichte stark geändert. In Bonn bestellt allein der Festausschuss 7100 Kilo.

Am Anfang war das Karamellbonbon. Das hat eine lange Geschichte, und im Karneval spielt der kleine süße Plombenzieher eine ziemlich wichtige Rolle. Während in der guten alten Zeit noch Helfer des Prinzen die Geschenke an die närrischen Untertanen persönlich überreichten, ist die Kamelle heute etwas ganz anderes. Das darf man ruhig wörtlich nehmen.

Blümchen fürs wohlgesonnene Volk

Während die Kölner ihren Karneval schon 1823 reformierten, durften die Bonner überhaupt erst 1843 wieder den Karnevalszug veranstalten. Und dafür guckten sie sich bei den Nachbarn in Kölle auch die schöne Sitte des Verteilens von Süßigkeiten ab. Dort nämlich zog der Prinz, der damals noch "Held Karneval" hieß, auf einem Triumphwagen in die Stadt ein, und Adjutanten verteilten Bonbons und Blümchen als Geschenke an das wohl gesonnene Volk - am liebsten an die "schönen Damen".

In der Zwischenzeit hat sich einiges geändert. Die Karamelle-Manufakturen sind verschwunden, und aus dem vornehmen Überreichen von Geschenken ist ein wahrer Hagel an "Wurfmaterial" geworden. Wer jemals am Zoch in Kessenich teilgenommen hat, der vom noch-Bonner Unternehmen Haribo dominiert wird, der weiß, was mit diesem Ausdruck gemeint ist. Emsige Sammler kommen gut und gerne auf mehrere große Taschen voll "Kamelle" beziehungsweise Gummibärchen und Lakritze.

Das meiste Material für den Bonner Rosenmontagszug stellt der Großhändler Metro mit Sitz in Sankt Augustin. Die Gesamtmenge aller Waren, die am Rosenmontagszug aufs wohlwollende Volk niedergehen, ist schwer zu ermitteln, weil nicht alle Teilnehmer ihr Wurfmaterial von der Metro beziehen.

Aber aus den wenigen Zahlen, die in Erfahrung zu bringen sind, lässt sich einiges errechnen. "In der Karnevalszeit gehen aus dem Metro-Großmarkt etwa 600 Europaletten mit Süßwaren an die Karnevalsvereine allein in der Region Bonn. Bei einem Ladevolumen von circa zehn bis 15 Paletten pro Lkw entspricht das rund 50 Lkw-Ladungen", teilt die Pressestelle des Unternehmens mit. Und weiter: "Schätzungsweise 60 Prozent dieser Ware wird beim Bonner Rosenmontagszug verbraucht, der Rest bei den Veedelszügen."

1500 Kilo für den Prinzenwagen

Die Zahlen decken sich mit den Infos, die aus dem Festausschuss Bonner Karneval vorliegen. Dessen Pressesprecher Ralf Birkner erklärt, dass "7100 kg über den Festausschuss bestellt werden", und dass von dieser Menge "circa 1500 kg für den Prinzenwagen" vorgesehen sind. "Dazu kommen noch Kamellespenden, die der Festausschuss erhält."

Solche Sachspenden kennen die Jecken am Zoch nur zu gut. Kleine Schnapsfläschchen, bedruckte Werbeartikel und immer wieder auch Papiertaschentücher. Die werden vornehmlich von den beiden großen Geldhäusern der Region, der Sparkasse und der Volksbank, mit Logos bedruckt und den Vereinen zur Verfügung gestellt. Was sonst noch an Werbegeschenken zum Wurf kommt, das obliegt der fantasievollen Akquisition der Vereine. Non-Food-Artikel zweiter Wahl oder Ausschussware sind hier besonders beliebt.

Aber das gute alte Karamellbonbon, dass dem Ruf nach "Kamelle" den Namen gibt, hat weitgehend ausgedient, wie Ralf Birkner vom Festausschuss bestätigt: "Man sieht, was die Menschen aufheben und was liegen bleibt - dazu zählen auch die klassischen Bonbons". Das bestätigt auch die Metro, die erklärt, "dass die Nachfrage nach Bonbons und Non-Food-Artikeln rückläufig ist. Dafür sind beispielsweise Chips, Weingummis und Popcorn gefragter."