GA-Redakteurin läuft beim Zoch mit

Der Bonner Rosenmontagszug aus der Fliegerperspektive

Bonn. Zwischen den farbenfrohen Clowns des Circus Comicus hat GA-Redakteurin Sabrina Bauer den Rosenmontagszug begleitet und ihn einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebt

Den Circus Comicus erkennt man schon von weitem: leuchtend bunte Kostüme, Konfettiregen, ein historisches Feuerwehrauto aus dem Jahr 1938 und natürlich der fliegende Clown an der Angel. Seit mehr als 30 Jahren gehen die Mitglieder des Bad Honnefer Karnevalsvereins als eine der größten Wagen- und Fußgruppen im Bonner Rosenmontagszug mit. Ich mische mich an diesem besonderen Tag unter die Clowns, Zirkusdompteure und Feuerwehrmänner. "Wir sind bunt und chaotisch, und wir leben den Straßenkarneval", sagt Tim Wehdeking, Zugleiter und Zweiter Vorsitzender.

Gleich mit acht Wagen und mehr als 100 Teilnehmern gehen die Bad Honnefer an den Start und haben für die Zugaufstellung in der Noeggerathstraße fast eine ganze Straße für sich allein. Um 12 Uhr füllt sich der Treffpunkt zunehmend. Die Musikanlagen drehen auf. "Polka, Polka, Polka" hallt durch die Häuserzeile. Konfettikanone und Bar werden befüllt und die fahrbare Würstchenbraterei angeheizt - für Verpflegung unterwegs ist bestens gesorgt. Ausgestattet mit roter Karohose, Brokatjacke und bunter Federboa falle ich unter den farbenfrohen Kostümen nicht mehr auf. Bevor es losgehen kann, bekomme ich aber noch das fehlende Detail - die typische Comicus-Schminke. Dennoch: Verglichen mit den anderen Clowns wirkt mein Auftritt geradezu normal. Die Jacken, Hosen und Röcke sind überwiegend selbstgenäht, kein Kostüm gleicht dem anderen. An einem Zylinder pinnt der Spruch "Make Stippeföttche great again".

Den "Circus-Direktor" und ersten Vorsitzenden, Jürgen Lemke, erkennt man an seinem leuchtenden Pelzmantel. Insgesamt 270 Lichter - drei Lichterketten - hat er von Hand eingearbeitet. Dazu trägt er eine bunt verzierte Narrenkappe.

Auf Augenhöhe mit Prinz und Bonna

Damit ich den Zug auch wirklich einmal aus einer anderen Perspektive erlebe, werde ich zum fliegenden Clown. Mit dem Okay der Zugleitung gibt es auch für mich das Okay, an die Angel zu gehen. Viktoria Müller und Nina Tiedemann helfen mir, in das schwere Geschirr zu steigen. Mit mehreren Karabinerhaken werde ich an dem Drahtseil gesichert. "Alles klar?" Ein kurzes Kopfnicken, und der Seilzug hebt mich in die Lüfte. Als der Traktor anfährt, bekomme ich ordentlich Schwung, fliege nach vorne und merke, wie die Sicherungsschlaufen mich wieder abfangen. "Die Beine hoch und übereinanderschlagen", lautet der Ratschlag der erfahrenen Fliegerinnen - "und den Schwung mitnehmen".

Der Traktor biegt mit mir um die Ecke auf die Thomastraße - direkt am Wagen des Prinzenpaares vorbei. Auf Augenhöhe mit Prinz Dirk II. und Bonna Alexandra III. schwebe ich auf den Pfauenwagen zu. Dann geht es auf die eigentliche Zugstrecke. Die Zuschauer am Rand jubeln mir zu, Kinder rufen nach Kamelle. Mit jedem Meter wird die Koordination einfacher. Immer in Reichweite gehen Tiedemann und Müller vor mir, um mir Schwung zu geben, mich abzubremsen oder wieder zu drehen. An der Münsterstraße ist mein Ausflug viel zu schnell vorbei, und es wird gewechselt - der Posten des Fliegers ist schließlich beliebt.

Um den Überblick zu behalten, begleite ich Jürgen Lemke und Philipp Müller auf ihrem Wagen. Die kleine Plattform lässt nicht viel Bewegungsfreiheit zu, dafür ist der Ausblick von dort oben grandios: Der Comicus schlängelt sich durch die bunte Masse auf dem Münsterplatz. "Bei schönem Wetter ist das toll", ruft Lemke mir zu und wirft eine Handvoll Kamelle.

Die Clowns verzaubern ihre Zuschauer

Ab dem Marktplatz geht es für mich in den Fußgruppen weiter, die sich zwischen den Wagen verteilen. Hier gehen ganze Generationen mit. Ein kleines Kind döst mit Gehörschutz, andere haben bequem im Bollerwagen Platz genommen. Eine der jüngsten Teilnehmerinnen ist Henriette mit gerade einmal acht Monaten. Ihre Mutter Leonie von Johnston wohnt mittlerweile in München, aber für den Karneval und den Comicus zieht es sie jedes Jahr zurück ins Rheinland. "Man trifft hier so viele, die weggezogen sind, aber wiederkommen für Karneval", sagt auch Tiedemann.

In den unterschiedlichen Abschnitten des Zugs wechselt die Atmosphäre. In der Heerstraße blieb der Tross kurz stehen. Aus den Häusern dringt laute Musik. Für eine kurze Zeit vermischen sich Zuschauer und Teilnehmer zu einer tanzenden Menge. Luftblasen steigen von einer selbstgebastelten Maschine in den blauen Himmel auf. Wer laut "Kamelle" ruft, bekommt von einem der Clowns einfach mal eine rote Nase verpasst oder eine Handvoll Konfetti ins Gesicht. Wie im Zirkus verzaubern die Clowns ihre Zuschauer und entlocken ihnen immer wieder ein Lachen. An der Dorotheenstraße ist der Zauber viel zu früh vorbei. "Die Leute waren gut drauf, ein super Publikum", sagt Lemke am Ende zufrieden. Nach dem Zug feiern die farbenfrohen Clowns einfach weiter - aber wieder in ihrer Heimat - im Kursaal in Bad Honnef.