Beethovenhalle in Bonn

Die Ehrengarde verwöhnt 1600 Gäste mit viel Musik

BONN. Kein Cantz, kein Metzger, kein Stelter - dafür jede Menge Musik: Der Blick aufs Programm der Bürgersitzung der Ehrengarde stimmte erst einmal skeptisch.

Doch schnell stellte sich am Samstagabend in der Beethovenhalle heraus, dass Literat Wolfgang Stäblein mutig das richtige Händchen bewiesen hatte. 1600 Jecke, fast alle bunt und fantasievoll kostümiert, erlebten den Brückenschlag von traditionellem zu modernem Karneval - immer mit Bodenhaftung und sehr unterhaltsam. Dabei gab es auch das lang ersehnte Wiedersehen mit den Bläck Fööss.

"Wir sind nach neun Jahren wieder da", sagte Sänger Kafi Biermann - und konnte es selbst kaum glauben. So feierten die Urgesteine der kölschen Mundartband bei der Ehrengarde auch ihr Bühnenjubiläum von närrischen 4x11 Jahren - mit Klassikern wie "Drink doch eine met" (natürlich riefen im Refrain alle laut "Zick, Zick - Zick eröm") und "Ming eetste Fründin".

Schwer hatte es bei dieser Hochstimmung danach Volker Weininger in seiner Rolle als gut angetrunkener Sitzungspräsident, mit dem sich Schultheiß Holger Willcke sozusagen einen Nebenbuhler auf die Bühne geholt hatte. "Wollen Sie im Wahllokal mal Spaß haben? Dann stecken Sie den Kopf aus der Kabine und sagen: »Klopapier ist alle«".

Weiningers Witze waren nicht schlecht, versandeten aber. Stehapplaus bekam dagegen Eisbrecher Jupp Menth in seiner Paraderolle als Kölscher Schutzmann. Er brach eine Lanze für den Dialekt: "In Köln versteht mich kein Minsch me. Do bin ich Ausländer met kölschem Migrationshintergrund."

Sprachen, die jeder versteht, sind aber Musik und Tanz. Damit trumpften bei ihrem Heimspiel die Rot-Weißen auf. Kommandant Thomas Janicke war stolz, als seine Tochter Silke Jünger-Janicke als Mariechen übers Parkett wirbelte, zusammen natürlich mit ihrem Tanzoffizier Daniel Althaus. Der Atem stockte den Zuschauern bei den Rheinmatrosen aus Köln-Mülheim. Die Kerle schmissen drei Tänzerinnen zum Beispiel sternförmig in die Luft.

"Das ist für mich die schönste Sitzung", sagte Judith Leo, die seit 20 Jahren alleine zur Ehrengarde geht, diesmal als Zimmermädchen. "Man wird hier gut aufgenommen", so die 64-Jährige. "Wir sind immer hier. Die Ehrengarde bekommt seit 30 Jahren die Pferde von uns", sagte Patrick Hippe, Juniorchef in Heimerzheim.

Die ganze Truppe hatte sich als Brings im Schottenmuster verkleidet. Hippes Freundin hat den zur Branche passenden Namen Shana Ross. Ihr 24-jähriger Opa Willi Berger war Präsident der Treuen Husaren Köln. Die Hippes und Ross - alle knatschverdötsch.

Der rheinische Karneval ist um viele gute Bands reicher geworden. "Wenn am Himmel die Stääne danze", spielten die Klüngelköpp ihre Hymne, garniert mit einem Saxofon zum Dahinschmelzen. Fetten Bigband-Sound lieferten Kuhl un de Gäng mit der Saalkapelle Markus Quodt.

Aus dem funkigen "Celebration" wurde da "Fastelovend am Rhing". Den Höhepunkt lieferten am Schluss die unzähligen Musiker der Domstädter, die die Dudelsäcke der Rhine Power Pipe Band mitgebracht hatten. Die alten kölschen Leedche sang jeder begeistert mit, bevor er sich im Foyer in die Party stürzte. Drei DJs legten bis tief in die Nacht auf. Wetten, dass Judith Leo nächstes Jahr wiederkommt?

Flöck durch de Ovend: Die Sitzung in Kürze

Der Gag des Abends: "Holländer Heintje sang Lieder, die zu ihm passen - Do laachs do dich kapott, dat nennt mer Cämping" (Klaus & Willi).

Die Zahl des Abends: Sechs Minuten und 17 Sekunden dauert der Ausmarsch der Ehrengarde - ein rot-weißer Tross mit 100 Aktiven.

Hinter den Kulissen: Die Bütt ist frisch gestrichen. Nach seinem Auftritt muss sich ein überraschter Volker Weininger lange die klebrigen Hände waschen. Dann geht es eilig zum Auftritt im Kölner Tanzbrunnen.

Das beste Kostüm: Dieter Ried als Pirat. Der Münchener lebt seit 21 Jahren in Buschdorf.

So geht es weiter: Sternmarsch am Freitag, 30. Januar, ab 19.30 Uhr zum Alten Rathaus; Biwak, Samstag, 31. Januar, ab 10 Uhr auf dem Marktplatz; Kinderkarneval, Samstag, 7. Februar, ab 14.11 Uhr im Vereinshaus Lengsdorf, Im Mühlenbach 14-18.

Wieverfastelovendsfete am 12. Februar, ab 11 Uhr, Zeughaus, Budapester Straße; Traditionsbiwak, Sonntag, 15. Februar, ab 10 Uhr, Markt.