International Telekom Beethoven Competition Bonn

Die Entscheidung fürs Finale

Wettbewerbsteilnehmer Ronaldo Rolim mit dem Cellisten Emil Rovner.

Wettbewerbsteilnehmer Ronaldo Rolim mit dem Cellisten Emil Rovner.

Bonn. Nach einem Halbfinale auf hohem Niveau stehen die Finalisten für das Finale des Beethoven-Wettbewerbs am Samstag fest: Tomoki Kitamura, Ho Jeong Lee und Alberto Ferro.

Je weiter der Beethoven-Wettbewerb der Telekom in Richtung Zielgerade vorrückte, um so schmerzlicher wurden die Verluste. Hatte nicht der Franzose Tanguy de Williencourt „Isoldes Liebestod“ von Richard Wagner in der Bearbeitung von Franz Liszt so todessehnsüchtig schön gespielt? Oder der Russe Georgy Voylochnikov, der es 2015 ja bis ins Halbfinale geschafft hatte, nun bei seinem zweiten Anlauf Beethovens Pastoral-Sonate D-Dur op. 28 in klassischer Schönheit präsentiert? Fürs Halbfinale reichte das nach Meinung der Jury-Mehrheit nicht, also gehörten sie zu jenen, die vorzeitig den Weg nach Hause antreten mussten. Ein kleiner Trost: Künstler wie diese beiden sind Repräsentanten des insgesamt sehr hohen Niveaus des diesjährigen Wettbewerbs.

Unter die letzten Sechs schaffte es hingegen der 21-jährige Pole Jakub Kuszlik. Für ihn hat sich also die Mühe der Vorbereitung gelohnt. Schließlich muss jeder Teilnehmer Stücke fürs Halbfinale und für das Finale vorbereiten. Pflicht ist im Halbfinale ein Kammermusikwerk von Ludwig van Beethoven. Als Partner hatten sie diesmal den Cellisten Emil Rovner nach Bonn verpflichtet.

Mit dem Professor aus Dresden haben die Halbfinalisten den Schlusssatz samt vorausgehendem Adagio aus Beethovens später Duo-Sonate in C-Dur op. 102 Nr. 1 einstudiert. Kuszlik stellte die Herausforderung an den Anfang seines gut einstündigen Programms, fand aber nicht zu einer wirklich gemeinsamen Sprache mit dem Cellisten. Dafür aber gelang ihm eine hinreißende, im Adagio sehr gesangliche Darstellung von Beethovens Klaviersonate in f-Moll op. 2 Nr. 1. Die Werke der klassischen Moderne, die sie ins Halbfinalprogramm einbauen müssen, waren in seinem Fall Béla Bartóks „Im Freien“ und Prokofjews dritte Klaviersonate. Man hörte, wie er selbst in den perkussiven Abschnitten immer noch Schönheit und Eleganz zu entdecken suchte. Mithilfe der Partitur von John Coriglianos „Fantasia on an Ostinato“ von 1985 zeigte er eine sehr fein nuancierte Anschlagskultur.

Der 26-jährige Japaner Tomoki Kitamura hatte sich eine etwas andere Programmdramaturgie zurechtgelegt – mit Beethovens Kammermusikwerk als krönendes Finale. Zuvor gab er ebenfalls, wie verlangt, Proben aus der klassischen Moderne, der zeitgenössischen Musik und von Beethoven zum Besten. Seine hoch entwickelte Anschlagskultur konnte man in Arnold Schönbergs op. 19 bewundern. Mit Beethovens nicht so oft zu hörender Klaviersonate in Fis-Dur op. 78 gewährte er schön ausgearbeitete Einblicke in lyrische Klangwelten des Komponisten.

Mit der Cellosonate kam er schon besser zurecht als zuvor Kuszlik; die Harmonie, die der 31-jährige Brasilianer Ronaldo Rolim und Rovner in ihrem Spiel im Anschluss ausstrahlten, erreichte aber Kitamura im Duo-Spiel noch nicht ganz. Überhaupt überzeugte Rolim im Saal der von mehreren Hundert Musikliebhabern besuchten Telekom-Zentrale. Gerade auch in seiner klaren und lebendigen Interpretation der Beethoven'schen Sonate in F-Dur op. 20 Nr. 2, aber auch in Prokofjews virtuoser achter Klaviersonate.

Der Frauenanteil lag bei drei zu 24

Mit drei zu 24 war der Frauenanteil in diesem Jahr sehr gering. Eine von ihnen hat es ins Halbfinale geschafft: die 31-jährige Südkoreanerin Ho Jeong Lee. Fabelhaft, wie sie mit eisernem Zugriff Prokofjews sechste Sonate spielte, wie souverän sie die op. 2 Nr. 1 von Beethoven anging und im Zusammenspiel mit Rovner agierte. Als großartiger Kammermusiker erwies sich schließlich auch der 29-jährige Brite Ashok Gupta. Von Beethoven spielte er die zwischen „Waldsteinsonate“ und „Appassionata“ komponierte Sonate in F-Dur op. 54, deren antiheroischen Tonfall er mit schönster Sachlichkeit zelebrierte. Großartig seine virtuose und präzise Interpretation von Bartóks Klaviersonate. Mit dem Nocturne Nr. 8 des in Amerika populären Lowell Liebermann zeigte er, dass man auch heute noch gefühlvoll und tonal komponieren kann.

Nach Filippo Gorini 2015 zählte in diesem Jahr mit Alberto Ferro erneut ein Italiener zu den Top-Favoriten. Er enttäuschte auch am Donnerstagabend nicht. Weder als Kammermusiker noch als Solist mit Beethovens op. 20 Nr. 2. Großartig auch die Perfektion, mit der er Anton Weberns Variationen op. 27 phrasierte. Und nach Bergs Sonate mit Fabian Fiorinis „Tears of Lights“ ausdrucksvoll Tontrauben in die Tasten hämmerte. Seinen Sinn für strukturelle Klarheit demonstrierte er eindrucksvoll in den virtuosen Stürmen von Dmitri Schostakowitschs Klaviersonate op. 12. Und zog souverän ins Finale. Und mit ihm Tomoki Kitamura, Japan, und Ho Jeong Lee, Südkorea.

Das Finale findet am Samstag, 9. Dezember ab 19 Uhr im Telekom Forum, Landgrabenweg 151, statt. Karten gibt es bei Bonnticket. Die Live-Übertragung kann auf der Homepage des Wettbewerb verfolgt werden.