Prunksitzung der Stadtsoldaten

Festival mit Schmitze Billa und der leev Marie

Bonn. 1750 Gäste haben bei der Gala-Prunk-Sitzung der Bonner Stadtsoldaten eine gelungene Mischung aus traditionellem und modernem Karneval erlebt.

Mit einem Tanzcorps aufzutreten, hat viele Vorteile: Die Bühne füllt sich in Nullkommanix, Tanzoffiziere und Mariechen sehen super aus, manche der Letzteren fliegen ab und an wild drehend und schraubend durch die Luft, und die Leute sind aus dem Häuschen. Ja, selbst, wenn die Gardisten der Bonner Stadtsoldaten krumm und schief zum Stippeföttche antreten und das Tanzpaar Vivien Eichhorn und Werner Fuchs zur Hochform auflaufen. So muss das sein im Karneval und vor allem bei der Gala-Prunk-Sitzung der stolzen Bonner Truppe, dessen Kommandant Ralf Wolanski am späten Sonntagnachmittag 1750 Gäste im Hotel Maritim begrüßte.

„Die Starterlaubnis ist erteilt“, so der Kapitän der KG Sr. Tollität Luftflotte, deren tänzerischer Flug nach Brasilien über Köln-Bickendorf führte. Auch die Grün-Weißen Funken vom Zippchen und die Rheinveilchen zeigten ihr Können, als ob die Akrobatik ein Leichtes wäre. Tradition statt reiner Party: Das ist den Stadtsoldaten wichtig, wie es Schultheiß Willi Baukhage gerne und häufig betonte. Die Mischung macht’s.

Dieser Spagat gelang: Redner vom alten Schlag wie et Klimpermännche Thomas Cüpper fanden leicht aufmerksame Zuhörer. Ein überzeugter Karnevalist: „Weihnachten ist auch immer schön, aber es stört deutlich in der Session“, meinte der kleine Mann mit der Quetsch vor dem runden Bauch. „Da erfolgte die Zustellung der Schwiegermutter um Punkt 13.12 Uhr.“ Das Ergebnis des Feiertags: „Frauen können reden ohne Thema, Männer können trinken ohne Durst.“ Bei Klassikern wie et „Schmitze Billa“ und „Einmal am Rhein“ sangen und schunkelten die Jecken. Beim „Heimweh nach Köln“ wollten sie sich schmachtend mal wieder zo Fooß“ in die Domstadt aufmachen. Zum Glück ging aber keiner.

Nach ihrem Auftritt griffen sich das Bonner Kinderprinzenpaar Vin-Luca I. und Lara I. im Foyer Bernd Stelter ab, der den beiden eine Widmung in ihre Tagebücher schrieb – unter den Argusaugen eines Minikadetten, der ehrfürchtig zum dem großen Mann aufblickte. Die Wahl des neuen Bundespräsidenten hatte Stelter mal nicht aktuell in seine Rede eingebaut. „Obwohl, aus »Lasst uns mutig  sein« könnte man gut »Lasst uns lustig sein« machen“, meinte er vor dem Auftritt und spielte auf die Worte von Frank-Walter Steinmeier an. „»America first« ist doch furchtbar. Da ist es doch toll, dass CDU und SPD was gemeinsam machen.“ In seiner nicht weniger politischen Rede („meine beste“) bekamen Trump, Putin und die Briten gehörig einen übergebraten.

Die hohe Politik in Berlin war letztlich auch Schuld daran, dass die Stadtsoldaten in diesem Jahr keinen Ehrenobristen ernennen konnten. Das soll 2018 nachgeholt werden. Dafür hat die Truppe nun ein paar neue Ehrenleutnants: Hermann Wittenburg, Lutz Persch, Jürgen Winterwerp und Prinz Mirko I., der mit seiner Bonna Patty auf der Bühne stand.

Das gefiel auch Anno Rheineck, der mit 25 Mitstreitern vom Graurheindorfer Männergesangverein Cäcilia an den Tischen 324 und 325 saß. „Wir sind genauso alt wie die Stadtsoldaten. Stammen von 1872.“ So bestehen hier Bande, beide Vereine ziehen im Advent durch Bonner Seniorenheime, um den Bewohnern Freude zu bereiten.

„Die elektronische Musik haut immer rein“, meinte Otto Vierhoch (81), dem „Leev Marie“ von den Paveier trotzdem gefiel und er auf seinem Stock dazu Gitarre spielte.

Selbst die Sanitäter ließen sich neben der Pflicht von den zu Recht umjubelten Liedern der Bläck Fööss und dem herrlichen Blödsinn von Marc Metzger anstecken. Der Blötschkopp setzte prompt die Kindertollitäten in den Elferrat - nach dem Motto "Kinder an die Macht". Lara I. schubste dabei sogar den Sitzungspräsidenten vom Thron und überreichte dem Redner am Ende einen Orden.

„Zum Glück muss ich morgen nicht arbeiten“; meinte Michaela Döring aus Swisttal. Wie schon so oft, feierte sie mit einer Freundin bei den Stadtsoldaten. Lange – wie all die anderen, die am Montagmorgen erst mal nicht raus mussten.