Thomas I. und Anne-Christin I.

Frisch proklamiertes Prinzenpaar feiert im Maritim

Bonn. Mehr als 2200 begeisterte Narren haben am Freitagabend den triumphalen Einmarsch von Prinz und Bonna in den Saal des ausverkauften Maritim Hotels jubelnd begleitet. So schritten Thomas I. und Anne-Christin I. zu ihrer Proklamation.

Der bönnsche Narrenthron ist wieder besetzt: Prinz Thomas I. (Zimmermann) und Bonna Anne-Christin I. (Mittrich) regieren seit Freitagabend die Jecken in der Bundesstadt.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan stattete vor 2200 Gästen das Prinzenpaar im Hotel Maritim mit den Insignien der Narrenmacht aus. Als der Prinz erstmals den Paias in der Hand hielt, brach großer Jubel aus. Seine Bonna verdrückte Freudentränen.

„Mir all sin Bönnsche“ – das neue Sessionsmotto lässt viele Interpretationen zu: Jeder soll mit jedem feiern, alle Kostümideen sind erlaubt, und vor allem der Gemeinschaftssinn im Karneval soll durch den Leitspruch gefördert werden. Diesen Anspruch lebt das Prinzenpaar in Vollblutmanier vor.

Bestes Beispiel: Direkt nach der Inthronisierung forderte das Prinzenpaar das Publikum zum Swingen und Singen auf. Prinz und Bonna präsentierten auf der Bühne ihren Bonn-Song und ihren Bonn-Tanz – der Saal rockte dabei mit.

Endenich zur Karnevals-Hochburg geadelt

Auch Bonns OB war im Inklusionsfieber: „»Mir all sin Bönnsche« heeß et diss Johr, nur wat dat bedück – is uns dat klor?“ Spontan forderte Sridharan alle gebürtigen Bonner auf, sich von den Stühlen zu erheben. Und siehe da: Fast der ganze Saal stand auf.

Zur Hochburg des bönnschen Karnevals wurde am Freitagabend Endenich geadelt. Zu Recht. Die Bonna wurde dort vor 32 Jahren in eine außergewöhnliche Fastelovends-Famillich hineingeboren: Großmutter Leni Thelen verkörpert ungewollt die Trude Herr von Endenich. Mutter Marion Leyer war selbst vor 20 Jahren Bonna und ist bis heute in vielen Karnevalsrollen zu Hause.

Selbst Ex-Prinz Christoph Schada (2011), der mit seiner gesamten Familie im Saal saß und seinen 51. Geburtstag feierte, erkannte als bekennender Lengsdorfer die Vorreiterrolle des Nachbarortes an: „Endenich ist in dieser Session durch nichts zu toppen, und das liegt an dieser Karnevalsdynastie.“

Vorjahres-Tollitäten fiebern mit

Und wie steht der Prinz als gebürtiger Karlsruher zu dieser Heimatduselei? Antwort: Der 49-Jährige ist über die Jahre zu einem Bonn-Fan mutiert. „Ich liebe die Stadt, die Menschen und die Art, miteinander umzugehen“, sagte der Chef der Tanzschule Lepehne/Herbst.

Die Vorjahres-Tollitäten Dirk II. (Vögeli) und Alexandra III. (Roth) fieberten mit ihren Nachfolgern. Die Ex-Bonna hatte Anne-Christin beim Ordensfest einen kleinen Engel als Glücksbringer geschenkt. Und dieser steckte während der Proklamation natürlich in der Bonna-Tasche.

Im Publikum saßen zwei Jecke, die in Bonn Karnevalsgeschichte verkörpern: Bernd I. und Karin II. (Ehepaar Werner). Sie regierten 1979, im Jahr der Bundesgartenschau. Ihr Motto hieß damals: „Jedem Jeck sing Blömche“.

 

Alle Bilder der Proklamation im Bonner Maritim gibt es hier.

Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst, die gewohnt charmant durch den Abend führte, prostete gegen 23 Uhr ihrem Elferrat – darunter NRW-Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp – zu: „ Ich habe nur in glückliche Gesichter geblickt.“

Gefragt, wie sie sich den Publikumsboom erklärt, antwortete sie bescheiden: „In die Beethovenhalle passten nur 1750 Gäste. Ins Maritim gehen 450 Gäste mehr rein. Außerdem liegt die Proklamation in diesem Jahr nicht in den Schulferien.“

Richtig ist auch: Die Proklamation bietet große Namen (Bläck Fööss, Bernd Stelter, Höppemötzjer) für kleines Geld (Eintritt 30/15 Euro) – also Karneval fürs Volk.

Wichtige Termine des Prinzenpaares: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt die Tollitäten am 19. Februar in der Hauptstadt, der Rosenmontagszug zieht am 4. März durch Bonn.