Jecker Empfang in der Alten Rotation

Großer Aufmarsch der Tollitäten

Bonn. Ein solch besonderes Gipfeltreffen von Tollitäten im General-Anzeiger hat es noch nicht gegeben. In der Alten Rotation der Zeitung treffen sich Dutzende Prinzessinnen, Prinzen und Dreigestirne aus Bonn und der Region.

Gleich drei Beueler Mädche standen am Dienstag gemeinsam auf der Bühne der Alten Rotation in Dransdorf. Das war zum Ersten Wäscherprinzessin Luisa I. und zum Zweiten ihre Schwester, die als Katja II. den Bockerother Karneval aufmischt (natürlich samt ihrem Prinzen Daniel II.). Die Dritte im Bunde war Bonna Patty I., die es in dieser Session von der schääl Sick nach Bonn verschlagen hat. „Beuel ist eine richtige Prinzenschmiede“, sagte sie und meinte damit das Alte Beueler Damenkomitee, aus dem alle drei Prinzessinnen hervorgegangen sind.

„Bei solchen Empfängen erlebt man ein 'Bonn met Hätz' “, spielte Prinz Mirko I. auf das bönnsche Sessionsmotto an. Er freute sich, wie so viele, ein bisschen mit anderen Tollitäten plauschen zu können – es waren übrigens mehr als 30 Prinzessinnen, Prinzen und Dreigestirne aus dem gesamten GA-Verbreitungsgebiet. Die bewährten Moderatoren, Verlegerin Bettina Neusser und Redakteur Holger Willcke, werden vor lauter überreichter Orden wohl wieder tagelang Muskelkater im Nacken haben. Die Gäste bekamen – Ehrensache – auch den Herzorden der Zeitung. Den überreichte die neunjährige Leonie, ein echter Karnevalsjeck.

GA-Urgestein Hans Föhmer erinnerte sich genau an den ersten Tollitätenempfang: „Den hatte ich 1983 eingeführt.“ Bis heute kommt der 91-Jährige immer noch gerne vorbei. Premiere hatte das weibliche Dreigestirn aus Heisterbacherrott, wo eine Frau als Mann regiert: Prinz Goldi. Anja Goldschmidt hat Jungfrau Birgit und Bauer Elke an ihrer Seite und immer ihre Prinzenkinder Moritz (1) und Luis (5) dabei. „Der Kleine war zehn Wochen alt, da musste er schon mit zum Karneval“, sagte Goldi, deren Schlachtruf „Quietsch – Fidel“ lautet.

Die Blauen Funken aus Rheinbach-Oberdrees versuchten derweil zu schunkeln. „Wir sind nicht im Takt“, meinte Mariechen Annemarie. War zum Glück ja auch kein Auftritt. Den hatte dann später ihre Prinzessin Tamara mit Jungfrau Jessica und Bauer Carina, die stolz auf das 60-Jährige ihres Karnevals sind.

Bei seinem Heimspiel sagte Prinz Tony I. aus Dransdorf nur „Tach zesamme“, um den höheren Redeanteil seiner Tanja I. zu überlassen. Melanie I. aus Buschdorf war es wichtig, dass in der Session auch die kleinen Vereine beachtet werden. Aufmerksamkeit bekam die Zwei-Mann-Kapell des General-Anzeigers mit Jörg Manhold und Michael Lehnberg: Sie spielten den Gassenhauer wie „Mer schenken dä Ahl e paar Blömcher“ und ihren eigenen Song „Ich weiß et nit“.

 

Zum ersten Mal war auch der Fußballverein TSV 06 aus Siegburg-Wolsdorf beim Tollitätenempfang. „Unser Verein besteht nun seit 111 Jahren, und wir dachten uns, diese jecke Zahl sei ein schöner Grund, um ein Prinzenpaar zu stellen“, sagte Hofdame Nadine, die ein historisches Kostüm trug. Ein Kleid samt Strohhut, wie es bei den Damen vor 111 Jahren in Mode war.

Prinz oder Prinzessin im Karneval zu sein, ist leider kein Vollzeitjob. „Wenn ich nicht gerade in meinem Ornat stecke, arbeite ich in einem Malerbetrieb“, sagte Prinz Daniel I. aus Siegburg. Wie viele Urlaubstage sein Prinzsein beansprucht, wusste er gar nicht genau. „So was macht man nur einmal im Leben, da will man natürlich auch nichts verpassen“, meinte er.

 

LiKüRa-Prinzessin Kim I. hat während ihrer Regentschaft einen ganz besonderen Begleiter: ein großes weißes Sparschwein mit Blumenverzierung und rosa Krönchen. „Ich verzichte auf Blumen und Geschenke, bitte dafür aber um eine kleine Unterstützung meiner Spendenaktion für krebskranke Kinder“, sagte die Studentin, die sich schon auf ihren Zug freut.

Während es draußen langsam dunkel wurde, hing der Himmel in der Alten Rotation voller Orden: Weit mehr als 111 Karnevalsauszeichnungen blinkten wie Sterne über den Köpfen der Tollitäten – und nächstes Jahr werden es noch viele mehr sein.