Weiberfastnacht in Bonn

Jecke Wiever in den Bonner Stadtteilen außer Rand und Band

Gielgen. Draußen war es klirrend kalt, drinnen wohlig warm: Tausende närrische Weiber feierten ausgelassen in den Sälen und Hallen von Bonn, Beuel und Hardtberg.

Der Platz im Saal der Lambertusstube hätte locker für eine Tanzgruppe gereicht, war Werner Krämer, Präsident der Showtanzgruppe Sternschnuppen Bockeroth, überzeugt. Aber die Veranstalter der Weibersause der Laach Duwe der Großen Dransdorfer Karnevalsgesellschaft hatten vorsichtshalber nur den Auftritt von Solomariechen Johanna Nietzer gebucht.

Wenn sie nächstes Jahr wiederkommen dürften, dann gerne mit mehr Leuten, so Krämer. Neben den Besuchern aus Bockeroth kamen die Herseler Rheinland Fanfaren, ansonsten gab es hauptsächlich Programm aus eigenen Reihen. Renate Wolf und Regina Bourry gaben ein Zwiegespräch als Dame und Bäuerin zum Besten, daneben führten die Frauen einen Sketch rund um Sparmaßnahmen im Altenheim und Tänze unter dem Motto „Dschungelfieber“ zur Filmmusik von „König der Löwen“, „Dschungelbuch“ und „Madagaskar“ auf. ⋌

Die mit rund 450 Besuchern größte Weibersause im Hardtberg bot das Damenkomitee Blau-Weiß Duisdorf auf. Dort gaben sich die Tanzgruppen die Klinke in die Hand – farblich passend die Siegburger Funken Blau-Weiß und die Alten Kameraden aus Oberkassel. Die kamen mit ihren parodistischen Tänzen sehr gut an, besonders ihr Beinahe-Striptease animierte das weibliche Publikum.

Eine tolle und akrobatische Show boten auch die Dürscheder Mellsäck und die Streetdancer Antweiler. Auch ein Hingucker war der hauseigene Auftritt der Blau-Weiß Dancer. Musik steuerten Joker Colonia und Six Pack bei. Mit Achnes Kasulke als „letzte Putzfrau vor der Autobahn“ und Prinz Beukelaer der Erste von der Rolle als betrunkene Tollität kamen zwei Redebeiträge auf die Bühne. ⋌

Ungewohnt, nämlich mit einer Schweigeminute, starteten die Röttgener Karnevalisten in ihre Weiberfastnachtssitzung. Sie gedachten damit der kürzlich verstorbenen Anna Maria Esser, Senioren-Maikönigin, Ehrenvorsitzende des Festausschusses und laut Kassenwart Stefan Zimmermann „die gute Seele des ganzen Ortes“. Es sei nicht leicht, parallel zu dieser Sitzung ihre Beerdigung zu planen, meinte er. „Aber ich glaube, es wäre das Schlimmste für sie zu wissen, dass sie nicht stattfindet.“

Deshalb hatte der Röttgener Festausschuss die Zähne zusammen gebissen und eine gemütliche Veranstaltung mit Musik von der Domstadtbande, De Kläävbotze und anderen in der Turnhalle der Schlossbachschule zusammengestellt. Ein Redebeitrag kam von den Beckendorfer Knallköpp, und neben der Prinzengarde Weiß-Rot Röttgen und deren Showtanzgruppe marschierten auch die Bonner Stadtsoldaten auf. Für deren Tanzpaar Vivien Eichhorn und Werner Fuchs war es der letzte gemeinsame Auftritt bei einer Sitzung.

So viele krankheitsbedingte Ausfälle hatten die Lustigen Bucheckern zu beklagen, dass Präsidentin Marlies Stockhorst dankbar war, dass die Weiberfastnachtssitzung im Haus der Springmaus überhaupt stattfinden konnte. Alles andere wäre schade gewesen, alleine schon wegen des Auftakt-Tanzes: Als Motto hatte sich das Damenkomitee die 80er-Jahre ausgesucht, und dazu gehörte natürlich auch eine Lambada-Choreografie im schrägen Look eines modisch fehlgeleiteten Jahrzehnts.

Die Bucheckern zogen Lindenstraße und Schwarzwaldklinik genauso durch den Kakao wie die Spielshows Dalli Dalli, Was bin ich, Wetten dass und die Aerobic-Welle à la Jane Fonda. Zwischendurch traten Andreas Etienne, Michael Müller und Andrea Frohn mit Ausschnitten aus ihrem Programm „Kollegen: Eine(n) trifft's immer!“ auf. Die rund 300 Gäste sollten bei einer Quizshow passende Fragen beantworten.

„Pretty in Pink“ lautete das Motto der Fidelen Reisetanten, und folgerichtig begrüßten die Mitglieder des Damenkomitees ihre Gäste als knallbunte Flamingos zur traditionellen Damensitzung im Pfarrzentrum Pützchen. Gleich zu Anfang trat „Pressetante“ Beatrice Bowe-Stodollik gemeinsam mit Sonja Hacks auf die Bühne, um als Professor Dr. Flamina und derb auftretende Flamburga dem Publikum die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die „Phoenicopteridae“ zu vermitteln.

Wie fast alle Beiträge hatten die Damen auch die einleitende Büttenrede selbst geschrieben. Nach einem bewegenden Geburtstagsständchen für Obermöhn Ina Harder folgte eine Nummer mit „Annemie Plüschprumm“ alias Beuels Vize-Bezirksbürgermeister Ralf Laubenthal, dessen blauer Kittel den perfekten Kontrapunkt zur Kostümierung der Damen bot. Bevor die Gruppe „Schäng“ am Abend den musikalischen Schlusspunkt setzte, suchte Heidi Flamingo noch „Pötzjes next top model“.

Dass sie auf der letzten Sitzung des Damenkomitees „Appelkörner“ den Bonner Oberbürgermeister auf der Bühne begrüßen durfte, hätte sich Präsidentin Trudi Böning sicher nicht träumen lassen: So ganz freiwillig war der Besuch Ashok Sridharans denn auch nicht, denn nach dem Rathaussturm hatten Wäscherprinzessin Franzi I. und Obermöhn Ina Harder den Verwaltungschef kurzerhand entführt und mit zu den Damen in die Gielgener Kneipe „Treffpunkt Rosen“ genommen. So voll des Lobes über seine Geiselnehmerinnen war der OB, dass der Verdacht nahelag, er leide unter dem Stockholm-Syndrom, demzufolge sich Geiseln oft mit ihren Entführern identifizieren. 37 Jahre lang veranstalteten die „Appelkörner“ ihre Damensitzung: Leider sei es die letzte Sitzung, weil man keinen Nachwuchs finde, so Sprecherin Uschi Wollsiefen.