Kritik am Service

Karnevalsstimmung bei Jeck im Sunnesching in Bonn

Bonn. Karnevalsstimmung im Sommer - beim Festival "Jeck im Sunnesching" wurde am Wochenende in der Bonner Rheinaue begeistert gefeiert. Alle 20.000 Karten wurden verkauft. Zufrieden waren jedoch nicht alle.

„Das hier kann mit Karneval absolut mithalten“, findet Julia Winkler. Verkleidet als Ninja Turtle besuchte sie am Samstag gemeinsam mit ihren Freundinnen das Sommerfestival Jeck im Sunnesching in den Bonner Rheinauen. Schon am späten Vormittag kocht die Stimmung auf der Blumenwiese. Eine Gruppe in „Wo ist Walter“-Kostümen sprang, lautstark mitsingend, im Takt der Musik. „Das beste ist, dass man sich bei dem Wetter viel besser verkleiden kann, weil man keine Angst haben muss sich den Hintern abzufrieren“, findet Kerstin Bagger. Die Bonnerin besuchte das Festival zum ersten Mal und hat sich von einer Freundin überzeugen lassen. „Ich war auch schon vor drei Jahren in Köln dabei“, verrät Nadine Nordmann. Sie liebe einfach den Karneval.

So wie Nordmann geht es vielen: Jeck im Sunnesching in Bonn war, wie auch in den Jahren davor, ausverkauft. 20.000 Karten waren am Freitag, zwei Tage vor dem Event, restlos verkauft worden.

Die ursprüngliche Idee zum Festival wurde von der Gaffel Brauerei in Köln ins Leben gerufen. Immer mehr Gastronomen machten mit und füllten die lange Lücke zwischen Beginn und Ende der fünften Jahreszeit. 2016 ebneten die Initiatoren den Weg vom kleinen Festival zum Großevent. Zum zweiten Mal fand es parallel zur Veranstaltung im Kölner Jugendpark auch in Bonn statt - in diesem Jahr erstmals in der größeren Rheinaue auf der Blumenwiese. „Wir sind jetzt doppelt so groß“, so Jochen Gasser, Veranstalter des Sommerfestivals. Jeck im Sunnesching ist zur Marke geworden. Viele Besucher tragen die rote Pappnase mit Sonnenbrille, das Logo des Festivals, auf Schweißbändern, T-Shirts, Turnbeuteln und Hosenträgern.

"Kein Karneval im Sommer"

150 Ordner sorgen für die Sicherheit der Besucher, regeln die Anfahrt mit Bus, Bahn, Auto oder Fahrrad. „Nur zehn Prozent der Besucher kommen mit dem Auto, ein Bierchen gehört zu einem jecken Festival ja dazu“, erklärte Arda Kus, Sicherheitschef der Veranstaltung. Zusammen mit der Stadt Bonn wurde die Taktung von Bus und Bahn erhöht. „Durch ein geschicktes Bühnenprogramm schaffen wir es, dass nicht alle gleichzeitig anreisen“, so Kus. Die Fans von Brings kämen so eben später, als Menschen die gerne Cat Ballou sehen wollen. Das Event treffe mit seinen jungen Bands wie Kasalla, und Querbeat einen Nerv - vor allem bei jungen Leuten, glaubt Kastens. Er und sein Team fördern die kölsche Musik und bieten neben nationalen Größen wie Brings auch unbekannteren Bands die große Bühne. „Es ist kein Karneval im Sommer“, betont Gasser. „Wir sind ein jeckes Sommerfestival mit kölscher Musik.“

Für viele Besucher fühlt sich Jeck im Sunnesching jedoch anders an: „Sommer und Karneval: Alles, was ich mag, an einem Tag“, jubelte Julia Winkler und ergänzt gleich noch eine karnevalspolitische Forderung: „Karneval sollte in den Spätsommer verlegt werden“, so die Kölnerin. Kostüme und Stimmung stehen für viele im Vordergrund. „Die Zeit zwischen Karneval und Karneval ist einfach zu lang“, findet Andreas Hausmann. Sein 90er-Kostüm komme sowohl an Karneval, als auch bei anderen Motto-Partys aus dem Schrank. Für viele Frauen ist das Kostümfest jedoch die Chance sich mal etwas ganz anderes auszudenken. Die Ninja Turtles haben ihr Kostüm schon vor Monaten geplant und dann auch selbst gebastelt. „Ich wurde überstimmt“, verrät Julia Winkler. „Die Ninjas versetzten und zurück in die Kindheit“, findet Gabriele Gassler, und rückt die violett-glitzernde Augenbinde zurecht. Auf Strumpfhosen konnten die Rheinländerinnen am Samstag verzichten.

„Unsere kölsche Musik ist ganz anders, als man sie vom klassischen Karneval kennt“, betonte Jochen Gasser. Mehr Pop, weniger Marschmusik. „Ob ich die Musik mag, kann ich erst morgen sagen“, erklärte Kerstin Bagger. Die meisten Bandnamen habe sie noch nie gehört. Bagger gehe es auch weniger um die Musik: Im Mittelpunkt stehe ein Tag mit Freunden bei guten Wetter in Feieratmosphäre. Bis 20 Uhr konnten die Jecken am Samstag in den Rheinauen kölsche Musik und jede Menge Sonnenschein genießen.

Kritik gab es indessen an der Getränkeversorgung. So stand für die Besucher an den Ausgabeständen zwischenzeitlich offenbar kein Wasser mehr zur Verfügung. Die Feiernden bemängelten ebenfalls lange Wartezeiten an den Theken und einen langsamen Service.